Lichttechnik 12.04.2002, 17:33 Uhr

Licht als Gestaltungselement

Er gestaltet mit Licht. Seit Jahrzehnten inszeniert er die Alltags­beleuchtung von Bauwerken und wurde damit über Deutschland hinaus bekannt. Oft spart er dabei noch Strom, oft auch muss er die Beleuchtungskörper erst einmal entwickeln.

Lux, Lumen und DIN sind nicht seine Welt. Für den Lichtdesigner Johannes Dinnebier ist „die Beleuchtung gut, wenn sie die Menschen gut aussehen lässt. Denn die Augen des anderen sind unser Spiegel.“ Aber nicht nur die Ausleuchtung von Menschen, sondern auch die von Gebäuden, Plätzen, ganzen Städten machte er zu seinem Beruf.

Sein großes Vorbild ist die Natur: das Tageslicht am Nachmittag, bis zur blauen Stunde. Dann nimmt die Helligkeit ab, die Verschattungen aber nehmen zu. Sie sind es, die dem Raum Tiefe verleihen. Erst der Schatten bringt das Licht richtig zur Geltung: Dieses Credo ist für ihn Maßstab für das Gelingen aller seiner Projekte.

Fatal ist für ihn daher die Beleuchtung in Krankenhäusern: „Das schattenfreie Licht der Leuchtstoffröhren lässt alles fahl und flach aussehen, die Patienten wirken wie nahezu tot – kein Wunder, wenn sie sich auch so fühlen.“

Natürlich, wen wundert“s, ist Dinnebier auch ein strikter Gegner des gleichmäßigen Ausleuchtens von Büros und Bildschirmarbeitsplätzen: „Dem Auge soll die Adaption an unterschiedliche Helligkeiten erspart bleiben, damit es nicht ermüdet, heißt es. Aber was strengt mehr an: Ein langer Fußmarsch auf einer gut ausgebauten Straße oder durch den Wald?“ Jeder wird antworten „auf der Straße“ und das nimmt er als Bestätigung für seine These, dass nicht nur Muskeln, sondern auch „unsere Sinne ermüden, wenn wir sie nicht gebrauchen.“

Nebeltage offenbarten, so Dinnebier, die ganze Beschwerlichkeit gleichmäßiger Lichtverhältnisse: „An Nebeltagen ist das Licht unerträglich: Es ist hell, trotzdem können wir Dinge kaum erkennen. Erst wenn die Sonne durch den Nebel dringt und Schattenwurf entsteht, ist plastisches Sehen möglich.“ Auch bis in jede Ecke ausgeleuchtete Fassaden sind ihm verhasst. Mit dosierten Lichtquellen verleiht er Gebäuden Kontur. So wie Licht nichts ohne Schatten sei, sei Architektur nichts ohne Licht. Architekten und Bauherren ziehen ihn bereits in der Wettbewerbsphase eines Projektes hinzu, weil das jeweilige Lichtkonzept auch die Ausgestaltung der Tageslichtöffnungen und Deckenkonstruktion bestimmt.

1952 eröffnete der berufslose böhmische Flüchtling in der Graf-Adolf-Straße 49 in Düsseldorfer sein Geschäft und stellte Architekten seine Ideen vor. Die Beleuchtung der Orangerie des Schlosses Benrath war sein erster Auftrag. Seitdem beleuchteten er und sein Team mehr als 1500 Kirchen, zahlreiche Flughäfen, Museen, Konzerthallen, Theater, Banken, die Weltausstellungen in Brüssel und Montreal, zahlreiche Verwaltungsgebäude wie z.B. das neue Arag-Hochhaus in Düsseldorf, die neue Düsseldorfer Messe von innen und außen, aber auch zahlreiche Wohnhäuser wie z.B. die vom Architekten Sepp Ruf entworfene Bundeskanzler-Villa in Bonn. Sein Team umfasst 31 Mitarbeiter und erzielt Jahresumsätze von rund 4 Mio. ç.

Als Pionier und Autodidakt kennt er keine Scheu, gewerkeübergreifend zu arbeiten. Bereits 1962 baute er bei der Commerzbank in Düsseldorf Wärmetauscher ein, die die Abwärme der Lichtquellen zur Frischlufterwärmung der Klimaanlage nutzen. Die 800 m2 großen Hallen des Flughafens Hannover beleuchtete er 1970 ausschließlich durch Werbe- und Hinweisschilder und ersparte dem Betreiber damit Anschaffungs- und Wartungskosten für die Beleuchtung. Die König Feisal Moschee in Islamabad, Pakistan, versah er mit einer begehbaren Leuchtkugel.

Für den Düsseldorfer Flughafen übernahm er gleich drei Mal (1956, 1970 und 2001) die Lichtplanung. Das 2001 eingeweihte neue Flughafengebäude war schwierig zu beleuchten. Die Größe der Halle, aber auch ihre Geometrie und die hohen Anforderungen an die Sicherheit schränkten die Freiheiten der Planung wesentlich ein.

Und so musste Johannes Dinnebier sich wieder mal etwas einfallen lassen: Ringlinsen-Downlights heißt seine Lösung – mit verblüffender Lichtwirkung. Sie erfüllen sowohl direkte als auch indirekte Beleuchtungsfunktionen. Direkt- und Indirektkomponente sind in das mehrteilig aufgebaute, zylindrische Gehäuse integriert. Der seitliche Lichtaustritt über die einteilige Glaslinse akzentuiert das in der Decke eingehängte Edelstahlgewebe, das aus optischen wie brandschutztechnischen Gründen die Decke verkleidet. Der flache, horizontale Lichtaustritt betont die Struktur des Gewebes, dessen Oberfläche leicht reflektiert.

Mittlerweile hat Dinnebier das Ringlinsen-Down-Light zum serienreifen Produkt weiterentwickelt. In den verschieden hohen Bereichen des Düsseldorfer Flughafens schafft der konsequente Einsatz der Ringlinsen-Leuchte eine großzügige Durchgängigkeit, bis hin zur optischen Raumerweiterung durch Lichtpunktspiegelungen in den Fassadenbereichen. Und selbstverständlich spielt er auch bei diesem Projekt mit Licht und Schatten: Die an den Seiten der Unterzüge – unterhalb des neuen Glasdaches – platzierte Leuchte erzeugt ein strahlenförmiges Licht- und Schattenspiel, das die schweren Unterzüge optisch leichter erscheinen lässt. C. RADWAN/wip

Ein Beitrag von:

  • Christiane Radwan

  • Wilma Preiss

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