Gebäudetechnik 19.07.2002, 18:20 Uhr

„Klagen über Klimaanlagen bei Unterforderung am Arbeitsplatz“

VDI nachrichten – Eine Studie über die Akzeptanz von Klimaanlagen in Büros belegt: Am Arbeitsplatz spielen psychosoziale Faktoren eine größere Rolle als das Raumklima.Dabei genießen gewartete Klimaanlagen beim Raumnutzer einen besseren Ruf als erwartet.Indes: Man will das Raumklima selbst bestimmen.

Geschlecht, Lebenssituation, Bildungsstand und typische Tätigkeitsmerkmale beeinflussen die Befindlichkeit am Arbeitsplatz mehr als bislang angenommen.Die als Hauptverursacher des Sick Building Syndromes (SBS) verdächtigten Klimaanlagen spielen dagegen eine geringere Rolle, müssen aber weiterhin in einem kausalen Zusammenhang zu den »krankmachenden Aspekten« im Gebäude gesehen werden.Zu diesem Ergebnis kam ein interdisziplinäres Forschungsteam im Rahmen des so genannten ProKlimA-Projektes »Positive und negative Wirkungen raumlufttechnischer Anlagen auf Befindlichkeit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit«.Ausgangspunkt der zwischen August 1994 und Januar 2000 durchgeführten Untersuchungen war die These: Reizerscheinungen im Bereich von Auge, Haut, Nase, Mund und Hals sowie vegetative Beschwerden, wie Kopfweh und allgemeines Unwohlsein, seien in erster Linie auf Lüftungs- und Klimaanlagen zurückzuführen.Eines der Ergebnisse der Studie besagt indes: Klimatisierte Arbeitsplätze sind in der Regel geringer mit Schadstoffen belastet, als solche, die individuell über Fenster belüftet werden.

Die aus sieben Forschungsdisziplinen bestehende Projektgruppe Klima und Arbeit (ProKlimA) hatte die Aufgabe, statistisch verwertbare Daten zum Sick Building Syndrome aus den Bereichen Arbeitswissenschaft, Bauphysik, Technik, Chemie, Biologie, Psychologie und Medizin zu ermitteln.In der ersten Projektphase wurden 14 Bürogebäude mit zusammen 4592 Arbeitsplätzen bewertet.In einer zweiten Phase nahm das Forschungsteam 1497 dieser Arbeitsplätze nochmals genauer unter die Lupe, von denen 859 Arbeitsplätze klimatisiert und 638 über Fenster belüftet waren.Insgesamt wurden im Rahmen des modular aufgebauten Forschungsdesigns rund 600 Parameter analysiert.

Das Untersuchungsspektrum reichte von personenbezogenen, sensorischen Befindlichkeitsprofilen über psychologische und soziodemografische Fragestellungen bis hin zu objektiven und subjektiven Bewertungen der Gebäude, der raumlufttechnischen Anlagen (RLT) und des Raumklimas am Arbeitsplatz.Besonderes Augenmerk wurde auf die Erfassung personenbezogener chemischer, physikalischer, mikrobiologischer, arbeitswissenschaftlicher und psychologischer Messgrößen sowie auf die Durchführung medizinischer Untersuchungen gelegt.Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Entscheidend für die statistisch abgesicherte Aussagekraft ist ein von den Projektbeteiligten entwickeltes Datenmodell, das weltweit erstmals in dieser Größenordnung eingesetzt wurde.Es beruht auf einer hierarchischen Zuordnung der Daten auf die vier Bezugsebenen Gebäude, Anlagen, Raum/Messpunkt und Person/Arbeitsplatz.Durch eine der untersuchten Person zugeordneten ID-Nummer ist es möglich, ein alle Einflüsse umfassendes Profil zu erstellen, um beispielsweise Merkmale der RLT-Anlagen, Tätigkeit der Person, CO2-Gehalt der Raumluft und Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz mit den Befindlichkeitsaussagen der jeweiligen Person zu korrelieren.Damit lassen sich nicht nur die unmittelbaren Einflussfaktoren auf die Befindlichkeit am Arbeitsplatz ermitteln, sondern auch Wechselbeziehungen zwischen Klimaanlage, Raumluft und Effekte auf den Menschen aufdecken.

Geht man zunächst von einer Einzelgewichtung aller erhobenen Parameter aus, ergibt sich für Befindensstörungen in den untersuchten Bürogebäuden folgendes Bild: Die Beschwerderate in den weitgehend noch konventionell klimatisierten Gebäuden ist im Mittel um rund 15 % höher als in Fenster-belüfteten Gebäuden.

Klimatisierte Arbeitsplätze sind in der Regel geringer mit Schadstoffen belastet, als solche, die individuell über Fenster belüftet werden.

In klimatisierten Gebäuden ist die Luftwechselrate deutlich höher als in Fenster-belüfteten Gebäuden.Luftschadstoffe werden dadurch kontinuierlich verdünnt bzw. durch die RLT-Anlage abgeführt.Die Luftqualität ist objektiv besser.

Allgemein wurde die Luftqualität in klimatisierten Büros auch subjektiv (zum Einsatz kam ein externes »Riechteam«) besser bewertet als in Fenster-belüfteten Gebäuden.

Durch konsequente Ausrichtung von RLT-Anlagen an der Hygienerichtlinie VDI 6022 lässt sich der Anteil von Luftschadstoffen in der Raumluft senken.

Werden in der übergreifenden Auswertung alle Einflussgrößen gleichzeitig in ihrer Wirkung auf die Befindlichkeit beurteilt, so kann folgendes Resümee gezogen werden.

Personen mit einem hohen Maß an Verantwortung äußern signifikant weniger Beschwerden über die Raumluft am Arbeitsplatz als Personen ohne eigenen Verantwortungsbereich.

Bei fehlender Selbstständigkeit bei der Tätigkeit und minimaler Anforderung an geistige Leistung steigen die Beschwerden über Befindlichkeitsstörungen.

Akute Erkrankungen verstärken das Risiko einer Befindensstörung am Büroarbeitsplatz.

An Computerarbeitsplätzen mit ergonomisch negativ bewerteter Software steigt das Risiko einer Befindlichkeitsstörung.

Bei Gegenüberstellung der gewichteten Ergebnisse kommt man zu dem Schluss, dass psychosoziale und arbeitsbedingte Faktoren besonders dann auffällig werden, wenn die raumklimatischen Belastungen gering sind.In der vorliegenden Untersuchung war dies in der Mehrzahl der Gebäude der Fall.Veraltete und schlecht gewartete Anlagen wiesen allerdings eine höhere Rate an Befindlichkeitsstörungen auf.

Neben Hinweisen zur Gestaltung von Arbeitsplätzen gibt die Studie auch zahlreiche Anregungen zur Verbesserung der Akzeptanz von Klimaanlagen.So äußerten 85 % der rund 4600 befragten Personen den Wunsch nach direktem Einfluss auf das Raumklima, also einer Einzelraumregelung.Die Untersuchung zeigte auch, dass die konsequente Einhaltung hygienischer Standards, wie sie beispielsweise in der VDI-Richtlinie 6022 »Hygienebewusste Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung« festgeschrieben sind, die Akzeptanz des Nutzers positiv beeinflusst.

Klimageräte im Aufwind
Nach einem Rekordjahr 2000 konnten die deutschen Hersteller lufttechnischer Erzeugnissen das Produktionsvolumen im letzten Jahr noch etwas steigern.Diese positive Tendenz ist jedoch nur auf das erste Halbjahr 2001 zurückzuführen.Danach ging es bergab.

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