Gebäudetechnik 08.12.2000, 17:27 Uhr

Im Brauchwassersystem lauern Legionellen

Duschen, Raumluftbefeuchter, Springbrunnen in und außerhalb von Gebäuden, Kühltürme, Bäder oder Whirlpools können sich zur gesundheitlichen Gefahrenquelle entwickeln, wenn sich im Wasser Legionellen befinden. Ein Schnelltest verspricht mehr Sicherheit.

Mehr als 2500 Personen sterben jährlich in Deutschland an Legionellen-Pneumonie, auch als „Legionärskrankheit“ bekannt. Der Nachweis von Legionellen in einem Brauchwassersystem durch Labor-Kulturen benötigte bislang acht bis zehn Tage. Ein unlängst auf der Medica in Düsseldorf vorgestellter Schnelltest bringe innerhalb einer Stunde Sicherheit, ob Legionellen vorhanden seien, versichert Dr.-Ing. Achim Keune von Siemens Gebäudemanagement (SGM) in Ismaning.
VDI nachrichten: Herr Dr. Keune, Siemens bietet jetzt einen „Legionellen-Schnelltest“ an. Besteht dafür überhaupt ein Bedarf in Deutschland? In der Bevölkerung wurde das Legionellen-Problem eher südlichen Ländern zugeordnet.
Keune: Das Thema ist in Deutschland keineswegs vom Tisch. Mediziner wissen, dass Legionellen auch bei uns ein Gesundheitsrisiko darstellen. Die Zahl abwehrgeschwächter Personen steigt stetig an – denken Sie nur an die Alterspyramide. Dadurch steigt auch das Risiko. Man spricht allein in Deutschland von geschätzten 10 000 bis 12 000 Fällen von Legionellen-Pneumonie im Jahr. Über 2 500 Tote zeugen davon, dass die Sterberate bei 20 % liegt. Die Behandlung dieser heimtückischen Krankheit auf der Intensivstation kostet pro Tag und Erkrankten 8000 DM bis 14 000 DM. Diese Zahlen zeigen den Bedarf. Dies wird zunehmend erkannt. So ist seit diesem Jahr die Erkrankung an Legionellen auch in Deutschland anzeigepflichtig.
VDI nachrichten: Wird zu sorglos mit dem Legionellen-Problem umgegangen?
Keune: Ja und Nein. Einerseits findet man eine Sorglosigkeit vor, Installationen und Veränderungen im Sanitärbereich nicht von Fachfirmen ausführen zu lassen. So ist es nicht verwunderlich, dass schon Legionellen in Einfamilienhäusern vorgefunden wurden. Zudem wurde die Legionärskrankheit ausschließlich mit Klimaanlagen in Verbindung gebracht und die Gefahren etwa durch Duschen und Springbrunnen verschwiegen. Andererseits gibt es umfangreiche Vorschriften und Maßnahmen, um die Vermehrung von Legionellen und anderen Keimen im Wasser zu verhindern. So gibt es das DVGW-Regelwerk, die ISO 11731, die DIN 19643, 38411 und 38402 sowie die VDI-Richtlinien 6022 und 6023. In der VDI 6022 (Hygienische Anforderungen an raumlufttechnische Anlagen) wird z.B. erstmals gefordert, dass Luftbefeuchter einschließlich des gesamten wasserführenden Leitungssystems bei Stillstandzeiten ab 48 Stunden komplett entleert und getrocknet werden müssen. Im Bundesgesundheitsblatt 11-2000 erschien soeben eine Empfehlung des Umweltbundesamtes zum Nachweis von Legionellen im Trinkwasser und Badebeckenwasser.
VDI nachrichten: Welche Bereiche im Haus sind denn besonders betroffen?
Keune: Dies sind Duschen, Raumluftbefeuchter, Luftbefeuchter in raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen), Springbrunnen in Gebäuden und im Freien, Kühltürme, Bäder oder Whirlpools. Wenn sich das Wasser längere Zeit im Temperaturbereich zwischen 25 °C und 45 °C befindet, steigt die Gefahr stark an. Ursachen sind zu niedrige Warmwassertemperaturen bei der Erzeugung, lange Verweilzeiten des Warmwassers in unisolierten Leitungen, stillgelegte Wasserleitungsabschnitte, nicht funktionierende Zirkulationsleitungen und defekte Desinfektionstechniken.
VDI nachrichten: Welcher Personenkreis muss denn da besonders aufpassen?
Keune: Treffen Legionellen-Keime auf abwehrgeschwächte Personen, ist die Gefährdung ganz akut. Zu diesem Personenkreis gehören durch Krankheiten oder Medikamente geschwächte Personen, ältere Menschen, aber auch Leistungssportler. Daher ist das Legionellenproblem vor allem ein Thema für Krankenhäuser, Seniorenanlagen, Reha-Zentren, Hotels, Sportanlagen, Fitness-Center, Messehallen, Bäder und Schiffe.
VDI nachrichten: Wie könnte man die Legionellen-Problematik rein sanitärtechnisch in den Griff bekommen?
Keune: An erster Stelle steht die Einhaltung der Vorschriften zu Installation und Betrieb der betroffenen Wasseranlagen. Ebenso selbstverständlich sollten die vorgeschriebenen Messzyklen mit exakter Probenentnahme sein. Trotzdem bleibt ein Risiko. Aus meiner Sicht bietet Sicherheit nur ein umfassendes Hygienemanagement in der Gebäudetechnik unter Einschluss einer „Onlinemessung“ der Legionellen-Keime. Mit dem Schnelltest haben wir ein erstes wichtiges Zwischenziel erreicht.
VDI nachrichten: Was verbirgt sich hinter dem „Legionellen-Schnelltest“?
Keune: Mit Hilfe dieses „Onsite-Tests“ kann maximal in einer Stunde vor Ort die gefährlichste Legionellenart, die Legionella pneumophila Serogruppe 1, nachgewiesen werden. Onsite heißt auch, dass ein Transport der Proben in ein Labor entfällt. Die etwa 70 DM teueren und relativ einfach durchzuführenden Messungen sollten als Monitoring zwischen den vorgeschriebenen Prüfzyklen in zwei- bis dreimonatlichen Abständen erfolgen. Ein weiterer Vorteil ist die Schnelligkeit des Testes. Die Wirkung von Desinfektionsmaßnahmen kann bis zu 15 Tage früher beurteilt und notwendige Sanierungsmaßnahmen entsprechend früher eingeleitet werden.
VDI nachrichten: Wie verläuft der Test?
Keune: Bisher üblich ist ein Kulturnachweis: Im Labor wachsen lebende, anzüchtbare Keime auf speziellen Nährboden. Unser Schnelltest ist ein vor Ort durchführbarer Antigennachweis. Er basiert auf dem Nachweis eines eiweißähnlichen Stoffes (Antigen), der aus dem Bakterium stammt und für Legionella pneumoniae unverwechselbar spezifisch ist. Dieses Antigen ist in der wässrigen Lösung vorhanden, wenn Legionellen – tot oder lebend – anwesend sind. Damit spiegelt der Befund die bakterielle Situation und nicht nur eine Momentaufnahme für den Augenblick der Probenentnahme wieder. Die Sensitivität des Schnelltestes liegt bei 95 % und die Spezifität bei fast 100 %. Für jede Probe wird 1 l Wasser gefiltert. Zur Messung benötigt man lediglich eine geringe Laborausstattung sowie ein Photometer, was in unserem Onsite-Lab-Messkoffer enthalten ist.
VDI nachrichten: Wer kann solch einen Test vornehmen? Sind dafür spezielle Fachleute notwendig?
Keune: Den Test können entsprechend ausgebildete Gebäudemanager und SHK-Fachkräfte durchführen, wenn das untersuchte technische System dokumentiert und beschrieben ist. Natürlich müssen genaueste Kenntnisse über das Thema Legionellen und den gesetzlichen Vorschriften vorhanden sein. Siemens hat dazu allein in Deutschland bereits über 40 Mitarbeiter geschult. Krankenhäuser und Hotels besitzen teilweise selbst gut ausgebildetes Personal, das an diesem Legionellen-Schnelltest unterrichtet werden kann.
VDI nachrichten: Welche rechtliche Sicherheit bietet der Schnelltest?
Keune: Mit dem Legionellen-Schnelltest greifen wir nicht in die bestehenden rechtlichen Vorschriften ein. Wir ergänzen lediglich das bestehende „Sicherheitsnetz“. Damit schaffen wir mehr Sicherheit und helfen, die Zahl der möglichen Infektionen und damit auch die Kosten des Gesundheitswesens zu reduzieren. ROBERT DONNERBAUER
Dr.-Ing. Achim Keune ist Leiter des Bereichs Ingenieurtechnik bei Siemens Gebäudemanagement in Ismaning.

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