Gebäudetechnik 08.02.2008, 19:33 Uhr

„Heizung, Lüftung und Klima wachsen zusammen“  

VDI nachrichten, Brilon, 8. 2. 08, rok – Die einzelnen Gewerke Heizung, Lüftung und Klima werden immer stärker integriert, erläutert Dr. Gert-Jan Huisman, Vorstandsvorsitzender der Centrotec Sustainable AG in Brilon, im Interview mit den VDI nachrichten. Dabei nehme das Lüftungssystem eine Schlüsselrolle ein.

Huisman: Um rund ein Viertel ist die Nachfrage für Wärmeerzeuger in Deutschland in 2007 zurückgegangen. Dies hat in dieser Höhe niemand erwartet. Wir sind aber weiter optimistisch und sehen auch im Heizungsmarkt noch weiteres Wachstumspotenzial. Denn hier stehen wir am Beginn eines deutlichen Umdenkungsprozesses. Der Klimawandel und die hohen Energiepreise führen zu einem Umdenken bei den Verbrauchern. Energiesparen heißt der neue Trend. Die Investitionen eines Hausherrn in energiesparende Energie- und Klimatechnik werden in Zukunft deutlich zunehmen. Er wird in Zukunft mindestens das Doppelte für Gebäudetechnik ausgeben, weil er damit die Attraktivität seiner Immobilie steigert, sowohl im Energieverbrauch als auch im Wohlbefinden der Nutzer. Sinken die Betriebskosten, sinkt auch die Abhängigkeit von schwankenden Energiepreisen.

VDI nachrichten: Im Zuge der europäischen Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) wurde im vergangenen Juni in Deutschland die novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV) verabschiedet. Wirken sich politische Vorgaben überhaupt aus?

Huisman: Die Politik kann auf jeden Fall hilfreiche Rahmenbedingungen stecken und dazu beitragen, auch das hohe Potenzial der Bestandsimmobilien zu erfassen. Ich bin ungebrochen optimistisch. Denn der genannte Trend ist ein Selbstläufer – getragen von dem gestiegenen Komfortanspruch, dem wachsenden Umweltbewusstsein und dem Wunsch, unabhängiger von den Entwicklungen auf den Weltenergiemärkten zu werden. Es wird auf jeden Fall wirtschaftlich immer attraktiver, in erneuerbare Energien und in Energiespartechnologien zu investieren.

VDI nachrichten: Welche Bedeutung hat dabei die Systemtechnik?

Huisman: Wir glauben, dass die einzelnen Gewerke Heizung, Lüftung und Klima immer stärker integriert werden. Besonders deutlich wird dies bereits bei Passivhäusern, in denen die noch benötigte Wärme über das Lüftungssystem in den Arbeits- oder Wohnbereich transportiert wird. Auch im Niedrigenergiehaus der Zukunft fließen diese Bereiche zusammen. Wie in der Automobiltechnik wird zukünftig auch das Wohlfühlklima aus einem System kommen. Mit einem Bedienelement bestimmt der Nutzer Wärme, Kälte, Frischluft und Luftmenge. Deshalb wird Systemkompetenz immer wichtiger. Centrotec ist aufgrund ihrer Lüftungskompetenz sowohl im Wohnbereich als auch in Industrie und Gewerbe führend. Vielen Wettbewerben aus dem Heizungsbereich fehlt die Kompetenz zur Luft und zur kontrollierten Wohnungslüftung. Es ist nun mal schwieriger, ein Lüftungssystem zu verkaufen, als einen Heizkessel.

VDI nachrichten: Wie gestaltet sich denn die Nachfrage-Seite?

Huisman: Der Markt ist da. Vorläufer sind die Niederlande und Finnland. Wir verzeichnen auch in Deutschland große Steigerungsraten. Das Bewusstsein für integrierte Systeme wächst. Ein hohes Marktpotenzial bietet besonders der Bestand. Ob Wohn-, Büro- oder Gewerbeimmobilien: durch Wärmedämmung ergibt sich in der Regel die Notwendigkeit einer energiesparenden Lüftung – zum einen, um die durch Isolierung gesparte Energie nicht durch Luftaustausch wieder zu verlieren und zum anderen, um das Raumklima zu kontrollieren und der Gefahr von Schimmelbildung vorzubeugen. Wir arbeiten derzeit auch an neuen Systemlösungen. So haben wir Pilotanlagen eines Passivhauskompaktsystems auf Basis einer kontrollierten Raumlüftung mit Solarkollektor und zuschaltbarem Brennwertkessel im Einsatz. Die Markteinführung wird derzeit vorbereitet. Ein weiteres Entwicklungsprojekt ist die zonenorientierte Bedarfssteuerung von Lüftungssystemen. Hierdurch kann z. B. der im Tagesverlauf variierende Frischluft- und Lüftungsbedarf einzelner Wohn- oder Arbeitsbereiche bedarfsgerecht adressiert und gesteuert werden.

ROBERT DONNERBAUER

Von Robert Donnerbauer

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