Gebäudetechnik 20.02.2004, 18:28 Uhr

Hausautomation setzt sich langsam, aber sicher in der Praxis durch

VDI nachrichten, Köln/Düsseldorf, 20. 2. 04 – Bereits mit der Planung einer Immobilie übernimmt ein Bauherr die Verantwortung für das Wohlbefinden der Hausbewohner – und das für die nächsten Jahrzehnte. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Verfügbarkeit von Strom, Heizung und Wasser. „Zusätzlich zur Energieeffizienz ist Bedienkomfort gefragt, der nur über eine sicher funktionierende Hausautomation zu leisten ist“, so Dirk Eret von der Siemens Hausautomation in Nürnberg.

Durchschnittlich 70 % seiner Lebenszeit verbringt der Mensch in seinen eigenen vier Wänden. „Da lohnt sich der Einsatz von Technik für mehr Komfort“, meint SÜBA-Geschäftsführer Matthias Müller. Gemeinsam mit Siemens hat das Immobilienunternehmen in Chemnitz fast 40 Doppel- und Reihenhäuser mit einem Instabus-EIB-System ausgestattet, das es den Bewohnern ermöglicht per Handy ein Fenster zu schließen oder im Sommer den Rasensprenger zu bedienen. Auch finanziell rechnet sich die Haustechnik: „Die Chemnitzer Hausbesitzer sparen jährlich bis zu 20 % an Energiekosten“, weiß Müller.
Einen langsamen, wenn auch beständigen Anstieg des Interesses bei den Hausbesitzern belegen auch die Analysen der Unternehmensberatung Frost & Sullivan: Ihrer Meinung nach steht der Markt noch ganz am Anfang , hat jedoch erhebliche Wachstumspotenziale. Während 2002 mit Hausautomationsausrüstung und -Software europaweit lediglich 172 Mio. $ erwirtschaftet wurden, wird bis 2009 mit einem Anstieg auf 399 Mio. $ gerechnet.
Die physikalische Voraussetzung für die Hausautomation liefern Bussysteme, die von Herstellern wie Echelon oder Siemens angeboten werden. Der Käufer hat inzwischen die Wahl zwischen drahtgebundenen Bussystemen, die auf Basis einer Zweidraht-Verkabelung „unter Putz“ liegen, oder drahtlosen Systemen wie das Gamma-Wave-System von Siemens. Mit dem bidirektionalen Funksystem im 868-Megahertz-Bereich will Siemens vor allem Kunden ansprechen, die ohne großen Aufwand ihre Immobilie nachrüsten wollen – z. B. um komfortables, betreutes Wohnen für Senioren zu ermöglichen.
Die Funktionalität der jeweiligen Systeme ist nach Meinung von Fachleuten wie Planungsingenieur Marc Fleischer von der Unternehmensgruppe Wahl „in etwa vergleichbar“. Das LON-System von Echelon, das überwiegend im gewerblichen Bereich eingesetzt wird, verlangt seiner Ansicht nach jedoch „einen deutlich höheren Programmieraufwand als andere Systeme“. Bei Lösungen, die Hersteller proprietärer Systeme anbieten, rät der Planungsingenieur zu Vorsicht. Kompatibilität, Ausbaufähigkeit und Flexibilität sind für ihn Qualitäten, die ein System für Hausautomation bieten muss, damit die Hausbewohner einen langfristigen Nutzen haben.
Am häufigsten verbreitet sind in Europa Systeme nach dem EIB-Standard (Europäischer Installation Bus), auf den sich mehr als 100 Unternehmen geeinigt haben. Der EIB ist ein offenes BUS-System, das genau definierte Schnittstellen bietet.
Unternehmen wie etwa Gira bieten mit dem HomeServer 2 auf der Basis des Linux-Betriebssystems eine zentrale Bedienplattform. Steuern lässt sich das Gira-Terminal über einen Knopf zum Drehen und Drücken. Auf der letzten Funkausstellung in Berlin zeigt sich, dass auch die Anbieter von TV- und HiFi-Anlagen in der Vernetzung von Geräten neue Umsatzchancen sehen. Mit Wi-Fi-Technologie werden bei Philips alle Geräte drahtlos vernetzt, eine Universalfernbedienung steuert alle Geräte im Haus an. Über einen Touch-screen-Schnittstellen können bei Philips ein gesamtes Entertainment-Center sowie auch die Beleuchtung und Klimaanlage gesteuert werden.
Schließlich sind da noch die Anbieter von Waschmaschinen, Kühlschränken und anderen Haushaltsgeräten. Auch sie wollen an dem von den Analysten versprochenen Boom der Vernetzung im Haus profitieren. So zeigen Hersteller wie Electrolux oder LG Electronics, dass ein Kühlschrank zu mehr taugt als zum Frischhalten von Lebensmitteln. Das von den Hausbewohnern unausweichlich mehrfach am Tag genutzte Gerät wurde ganz pragmatisch mit Rechnereinheit und Bildschirm zur Kommunikationszentrale ausgebaut. Die gibt auf Anfrage Auskunft über den Verbrauch von Heizung und Wasser und meldet im Zweifelsfall auch Defekte an die Reparaturwerkstatt.
DOROTHEA WENDELN-MÜNCHOW

Von Dorothea Wendeln-Münchow

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