Gebäudetechnik 24.03.2000, 17:24 Uhr

Ergonomische Ideen zum Nutzen für Heim- und Handwerk

Auch die Mechanik kommt ohne Elektronik nicht mehr aus.

In einem Umfeld eher konventioneller Produkte wie Bürsten und Gardinenstangen zeigten sich in diesem Jahr auf der Kölner Eisenwarenmesse Exponate, die von hoher Innovationsfreudigkeit zeugen. So erregte bei den Besuchern eine völlig neu konzipierte Schlagbohrmaschine Aufsehen, die von der üblichen „Pistolenform“ abweicht. Vom Revolver wiederum inspiriert waren die Erfinder eines neuen Messers, das – so der Anbieter auf der Kölner Messe – „besonders gut in der Hand liegt“. Bei der Sicherungstechnik für das Haus fiel auf, dass die mechanische Schließtechnik ohne Elektronik nicht mehr auskommt. Nahezu 4000 Aussteller waren an den Rhein gereist, um dem Bauhandwerk und dem Heimwerker neue technische Hilfsmittel vorzustellen.
Im Do-it-yourself- Bereich der internationalen Messe in den Rheinhallen waren 1350 der insgesamt 3858 Anbieter zu finden. Beispiel gebend für Hightech sind in diesem Sektor Automaten, die dem Kunden in Baumärkten und Fachgeschäften Farben für die eigenen vier Wände, Türen oder Heizkörper in 1500 (Glasurit) oder gar 2000 verschiedenen Abtönungen (Alpina) anbieten und an Ort und Stelle zusammenmixen. Dass dabei verschiedene Packungsgrößen gewählt werden können, scheint dank Steuerung durch einen Computer fast selbstverständlich. Bei Lacken reicht die Spanne von 0,5-l- bis 3-l-Gebinden, bei Dispersionsfarben von 2,5 l bis 10 l. Das Produktangebot umfasst Fassaden- und Wandfarben, Seidenmatt- oder Hochglanzlack, wasserverdünnbar und auf Kunstharzbasis, Metalleffekt, Zinkhaftfarbe oder Holzfarbe/Lasur. Glasurit hält für seinen Color-Mix drei Farbfamilien von sanft bis poppig bereit. Alpina bietet unter anderem Farben nach RAL und passend zu Sanitärkeramiken an. Die computergesteuerten Farbmischer kosten rund 25 000 DM.
Bodennäher ist ein Produkt der niederländischen Ancamed b.v.: Für Schubkarren bestimmt ist ihr „garantiert pannensicherer“ Reifen aus mikrozellularem Polyure- than. Der im Schleudergussverfahren hergestellte Reifen lässt sich einfach auf die üblichen 8-Zoll-Felgen aus Stahl oder Kunststoff montieren und wird in fünf verschiedenen Farben geliefert, passend zur CI. Er sei – so der Anbieter – bis 60 % leichter als ein Hartgummireifen, habe 40 % weniger Rollwiderstand als dieser und sei UV-beständig. Allerdings räumt der Hersteller ein, dass der Reifen nur für eine Geschwindigkeit bis zu 40 km/h geeignet ist.
Besonders an den Heimwerker wendet sich die Rhodia Silicon GmbH mit ihrem Silikon auf Wasserbasis. Abgesehen davon, dass es keine chemischen Ausdünstungen gibt, lässt sich das Produkt auch von ungeübten Händen verarbeiten. Frische, nicht korrekt gearbeitete Fugen könnten durch Besprühen mit Wasser sofort korrigiert oder mit einem nassen Schwamm ausgewaschen werden, verspricht der Anbieter. Arbeitsgeräte, Kleidung und Hände ließen sich mit Wasser mühelos reinigen.
Auf die gute Idee kommt es an: Ein Rollbandmaß von Megapro hat nicht nur die übliche Maßskala in Zentimeter, sondern auch eine auf die Hälfte gestauchte Einteilung. Wer die Mitte eines Gegenstandes markieren will, liest die Gesamtlänge auf der Normalskala ab und kann nun einfach mit dem gleichen Messwert auf der Hilfskala die korrekte Stelle anreißen – ganz ohne Kopfrechnen.
Karriere als Werbegeschenk könnte ein Taschenwerkzeug namens Frosch tool machen. Der Hersteller Miedl rühmt an ihm 17 Funktionen von diversen Schraubenschlüsseln bis zum Nagelzieher. Ob Heizkörper zu entlüften sind, ein Perlator getauscht werden soll oder Walnüsse geknackt werden wollen, für alles hat das Werkzeug aus Feinguss die passenden Anschlüsse.
Der Anblick eines Trommelrevolvers mag die Produktentwickler bei Emil Lux in Wermelskirchen inspiriert haben, als sie das Profi-Plus-Messer schufen. Diesem neuartigen Messer wird von hinten ein mit 15 Klingen bestücktes Magazin in der Art einer Revolvertrommel eingeschoben. Man fasst also keine Klinge mehr einzeln an, was ein Verletzungsrisiko vermindert. Mit einem Hebel am Griff lässt sich jeweils ein Messer vorschieben. Der Drehknopf am Griff ist nummeriert, damit man weiß, mit welchen Klingen schon gearbeitet wurde und welche noch unbenutzt sind. Sind alle Schneiden verbraucht, nimmt der Benutzer die Trommel heraus und setzt sie um die Längsrichtung gedreht wieder ein. Ihm stehen dann abermals scharfe Klingen zur Verfügung. Mit Aluminiumgriff kostet das Messer 50 DM, ein Magazin 13 DM.
Deutlich auf Ergonomie getrimmt sind auch Farbschaber von Sandvik. Nach optimistischer Herstellerangabe soll man damit stundenlang arbeiten können, ohne zu ermüden. Am Handgriff des Werkzeuges haben alle Finger Platz, sein weiches Profilgummi sorgt für gleichmäßige Druckverteilung und soll die Bildung von Blasen und Schwielen verhüten. Leicht austauschbare Hartmetallklingen in verschiedenen Formen garantieren – so Sandvik – eine hohe Standzeit.
Für unverletzte Hände sorgt auf andere Art die auf 3,5 m ausziehbare Teleskopleiter von Telemaster. Lässt man die Leiter für den Transport wieder auf 84 cm Länge zusammenrutschen, verhindert eine ausgeklügelte Mechanik das Einklemmen der Finger zwischen den Sprossen. Die 15 kg schwere Leiter kann mit beliebiger Zwischenhöhe benutzt werden. Ihre Sprossen aus Aluguss halten eine Last von 150 kg aus.
Ein ausgesprochenes Profiwerkzeug kommt unter der traditionsreichen Marke Leica auf den Markt. Das Lasermessgerät der dritten Generation stammt von der Schweizer Leica Geosystems AG und bietet nicht nur die Möglichkeit der Längenmessung von 30 cm bis über 100 m auf 3 mm genau, sondern dank eines eingebauten Computers auch das Ermitteln von Umfängen, Flächen oder Volumen und das Speichern von 20 Messwerten. Für die Messungen sei nur eine Person nötig, betont der Anbieter. Das Flüssigkristalldisplay hat große Ziffern und zeigt auch den Batteriezustand an. Als Geheimtipp unter Rosinen pickenden Journalisten in den Kölner Messehallen rangierte ein Produkt namens „Ergomax“. Das ist nicht etwa die Spezialität eines Imbissstandes, sondern der Name einer neuen Bohrmaschine von Atlas Copco/AEG. „Damit hat die AEG die Schlagbohrmaschine neu erfunden“, meint gar ein Redakteur der Zeitschrift „selber machen“.
In der Tat sahen solche Elektrowerkzeuge Jahrzehnte lang fast gleich aus. Statt in herkömmlicher Pistolenform überrascht der Ergomax nun mit einer Winkelbauweise, die an größere Bohrhämmer oder Akkuschrauber erinnert. Schon dadurch verringert sich die Baulänge um ein Fünftel. Doch das Besondere ist der abnehmbare Griff. Ohne den ist der Neuling 30 % kürzer als die bisherige Bauform. Wer das Bohrfutter abschraubt, bekommt wegen der Direktaufnahme für das Bit eine äußerst kompakte Maschine von 19,5 cm Länge für Schraubarbeiten an schwer zugänglichen Stellen. Allerdings greift man dann um einen Griff mit 20 cm Umfang. Das sei für zarte Hände schon etwas viel, urteilten in Köln einige Journalistinnen. Für normale Arbeiten bleibt der trennbare Griff aber sowieso besser dran, meinten technisch begabte Kollegen, er liege ja genau in der Verlängerung der Spindelwelle.
Bei der Leistung ist die AEG-Schlagbohrmaschine mit 750 W nicht gerade sparsam. Zum Umschalten von Rechtslauf auf Linkslauf dienen bewegliche Kohlebürsten. Dadurch steht in beiden Richtungen die volle Leistung zur Verfügung und die Bürsten halten länger. Obendrein sind die Bürsten leicht zugänglich und austauschbar. Die Bedienungsschalter sind in beiden Griffen enthalten. Für Handwerker bietet Atlas Copco eine Profivariante der Maschine mit einem Drehmoment von 48 Nm an.
Dass den Herstellern von Handwerkzeugen die wachsende Verbreitung elektronischer Technik nicht unbemerkt geblieben ist, macht beispielsweise Emil Lux mit seinen Präzisionsschraubendrehern und -zangen in ESD-Ausführung klar. Zum Schutz gegen elektrostatische Aufladung und Entladung (ESD) besitzen sie Griffe aus leitfähigem Polypropylen in Verbindung mit einem Weichkunststoff, einem thermoplastischen Elastomer. So werden Zerstörungen von Halbleiterbauelementen vermieden. Doch aufgepasst: Zum Arbeiten an spannungsführenden Teilen sind die ESD-Griffhüllen nicht geeignet.
Mit Reinigungsproblemen der staubigen Art räumen Nass- und Trockensauger von Kärcher durch innovative Filtertechnik auf. Die Geräte können ohne Wechsel des Taschenfilters Staub und Flüssigkeiten mit hoher Leistung aufsaugen. Über eine Fernbedienung am Handgriff wird der Filter durch Luftstöße in Gegenrichtung geschüttelt und wirksam abgereinigt. Die Leistung bleibt über große gefilterte Staubmengen hinweg nahezu konstant. Das Behältervolumen kann vollständig genutzt werden, da der Flachfaltenfilter nicht in den Schmutzbehälter hineinragt. Bei Erreichen der maximalen Füllmenge schaltet sich die Turbine automatisch über zwei Elektroden ab.
Sicherungstechnik sowie Schloss und Beschlag belegen auf der Eisenwarenmesse alle drei Etagen der Halle 13. Angesichts der negativen Entwicklung in der Bauwirtschaft, die stark auf die Branche durchschlägt, erschien die 13 nicht gerade als eine Glückszahl. Dennoch war festzustellen, dass zum Beispiel die Hersteller von Schließanlagen ihren Aufbruch in die Elektronik nicht bremsen. Zu ihren mechanischen Schließzylindern kommen als Ergänzung zahlreiche elektronische Varianten hinzu.
Mit einer Elektronik, die weder einen Batteriewechsel im Zylinder noch eine Verkabelung der Tür erfordert, geht die BKS GmbH einen innovativen Weg. Ihr Zylinder kann ohne weitere Maßnahmen gegen einen mechanischen getauscht werden. Über den Schlüssel mit eingebauter Batterie wird der Zylinder entsperrt, der Schlüssel arbeitet wie gewohnt. Im gesperrten, also entkoppelten Zustand gehen Drehversuche ins Leere. Die Zylinder lassen sich mit Schutzbeschlägen kombinieren – auch mit Kernabdeckung. Nach Herstellerangabe ist bei diesem System die individuelle Vergabe oder der Entzug von Zutrittsberechtigungen (sogar über Handy oder Internet) möglich. HEINZ W. DIECKMANN
Zutrittsorganisation: Der Schließanlagenzylinder macht einen Gebäudeteil mit herkömmlichem Zugang vollwertig sicher.
Handliche Schlagbohrmaschine: Je nach Einsatz gestattet die Bauweise eine Verkürzung des Geräts bis auf 60 % herkömmlicher Maschinen.
Gut in der Hand und in der Gürteltasche liegt das „Revolver-Messer“. Wichtigster Aspekt: Es erlaubt randnahe Schnitte.
Für den täglichen Dauereinsatz eignet sich der Nass-/Trockensauger. Das Gerät kann ohne Wechsel des Taschenfilters arbeiten.

Von Heinz W. Dieckmann

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