Gebäudetechnik 08.02.2008, 19:33 Uhr

Der Energievergeudung auf der Spur  

Viele Verbrauchsspitzen sind überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Ein Dienstleister empfiehlt jetzt eine Just-in-time-Erfassung, die Energievergeudung entlarvt.

Mit Blick auf das Sparen von Öl, Gas und Strom betonen Verwalter von Liegenschaften immer wieder die Bedeutung des Energiemanagements. Solche Äußerungen seien aber oft nur als Lippenbekenntnisse zu werten, weiß in Hameln Dipl.-Ing. Florian Kienast, Chef-Controller bei der Ingenieurgesellschaft für Gebäudeautomation (Inga). Die Sparmaßnahmen beschränkten sich meist auf die Protokollierung der Verbrauchswerte am Jahresende, die dann mit bedauernder Miene zur Kenntnis genommen würden. Zur wirksamen Senkung des Energieverbrauchs in Liegenschaften schlägt die Ingenieurgesellschaft ein Kontrollverfahren vor, das Verbrauchsverläufe tagesaktuell erfasst, visualisiert und bewertet.

„Auffällige Abweichungen beim Energieverbrauch in Gebäuden werden immer wieder gerne ausschließlich den galoppierenden Strom-, Öl- und Gaspreisen zugeschrieben“, ärgert sich Kienast. Dabei gebe es einzelne Verbrauchsspitzen, die nachträglich überhaupt nicht mehr zu begründen seien. So etwas habe mit Energiemanagement oder gar nachhaltiger Bewirtschaftung nichts zu tun. Kein Wunder, dass Stadtkämmerern oder Krankenhausverwaltungen vielfach die Kosten davonliefen.

„Auch das Benchmarking – also der Vergleich von Vortages- oder Vorjahreswerten oder Gebäudevergleiche über den Energieverbrauch pro Person – ist nicht ausreichend, sondern hilft allenfalls beim Aufspüren von Schwachstellen“, urteilt Kienast. Ein wirkungsvolles Energiemanagement setze vielmehr als erste Maßnahme die zeitnahe Transparenz der Kosten voraus, ferner ein Störmeldemanagement, das auffällige Verbrauchswerte sofort signalisiere und so schnelle Gegenmaßnahmen zuließe. Das funktioniere allerdings nur, wenn die Verbrauchsdaten bzw. -verläufe tagesaktuell zur Kenntnis genommen würden. Kienast: „Eine solche Just-in- time-Lösung ist die Grundlage jeder erfolgreichen Energieoptimierung.“

Ebenso wichtig sei die zeitnahe Bewertung der eingeleiteten Gegenmaßnahmen. Nur dann könne von einem effektiven Energiemanagement – neuerdings auch Energiecontrolling genannt – die Rede sein, beton der Inga-Fachmann. Zu dessen Realisierung empfiehlt die Ingenieurgesellschaft das Lösungspaket „Energie Informations System“. Dieses Hard- und Softwarepaket orientiere sich allein an den Verbrauchswerten und nicht am meist aufwendig zu ermittelnden Energiebedarf.

Das System wird in drei Schritten umgesetzt: Erst erfasst der entsprechende Dienstleister alle Daten, die im Zusammenhang des Energieverbrauchs im Gebäude stehen. Dann werden energievergeudende Bereiche eingegrenzt, worauf die Feinanalyse folgt.

Beim ersten Schritt schaltet der Dienstleister die Zähler der Liegenschaft auf einen Datenlogger. Die Zählerdaten werden dann stündlich, mindestens täglich, abgefragt und an den Zentralserver im Rechenzentrum der Verwaltung der Kommune oder der Klinik weitergeleitet. Hier laufen auch die Störmeldungen zusammen, die sofort gemeldet werden. Die Übermittlung funktioniert per Ethernet oder Modem (analog, per ISDN, GSM oder über das Internet). Falls die Zählerwerte bereits von einer vorhandenen Gebäudeleittechnik erfasst werden, folgt die Weiterleitung per Mail. Auf dem zentralen Server werden alle Daten gespeichert und grafisch aufbereitet. Dazu gehören auch Lastprofile und Energieberichte. Der Zugriff auf die ausgewerteten Daten sei – so der Inga-Fachmann – von jedem PC aus über das Internet möglich.

Der zweite Schritt gilt der Eingrenzung größter Energiesenken im Gebäude. Hierzu würden die stündlich gewonnenen Daten der wichtigsten Verbraucher mit Hilfe einer vergleichenden Datenbank analysiert, erläutert Kienast. Diese Grobanalyse ließe eine erste energetische Bewertung der haustechnischen Anlagen zu. Unnötige Verbräuche – beispielsweise verursacht von Leckagen, defekten Regelungen oder durch falsches Nutzerverhalten – würden auf diese Weise rasch entlarvt.

Bietet die Anlage ein hohes Einsparpotenzial, folgt als dritter Schritt eine dreimonatige Feinanalyse mit mobiler Leittechnik. „Aufgrund der damit gewonnenen Daten werden die einzelnen Sanierungsschritte vorgeschlagen und deren Amortisationsdauer errechnet“, so der Inga-Fachmann. Die Auswertungen gäben ferner wichtige Hinweise für die richtige Tarifeinstufung bei den Energielieferanten.

„Schon mit dem ersten Schritt werden aktiv Sparmaßnahmen umgesetzt“, versichert der Chef-Controller. Denn der programmierbare Datenlogger führe selbsttätig einfache Berechnungen durch und schalte bei Bedarf einzelne Verbraucher ab. Hierbei handele es sich um die Spitzenlastüberwachung. Typische Verursacher von Lastspitzen seien Pumpen, Ventilatoren und elektrisch beheizte Prozesse.

Erstmals erfolgreich kam das Kontrollsystem in Hameln bei einem 20 Jahre alten kommunalen Schul- und Sportzentrum zum Tragen. Es sei jedoch auch – so die Inga-Fachleute – für Krankenhäuser geeignet, obwohl hier der Energieverbrauch erfahrungsgemäß unter 5 % der Gesamtkosten liege. „Doch bei derzeitigen Preissteigerungen für Strom, Gas und Öl lohnt sich die Investition“, rechnet Kienast vor.

Das Servicepaket steht dem Kunden auf Mietbasis zur Verfügung, so dass zunächst keine Investitionskosten anfielen. Allerdings sollten in der jeweiligen Liegenschaft die notwendigen Impulsgeber vorhanden sein, betont die Ingenieurgesellschaft, also fernauslesbare Gas-, Wasser- und Stromzähler. Andernfalls seien Zählerauslesung und Dateneingabe von Hand erforderlich.

Je nach Mietdauer beziffert Inga die Kosten für das gesamte Dienstleistungspaket mit täglich 2 € bis € je Zähler. Bei manueller Ablesung durch den Nutzer, liege der Betrag unter 1 €. Der Dienstleister rechnet mit dem Kunden per Monatspauschale oder nutzungsabhängig ab. Nach bisherigen Erfahrungen liege das Energieeinsparpotenzial bei den meisten kommunalen Liegenschaften – so die Ingenieurgesellschaft – zwischen 10 % und 20 %.

ELMAR WALLERANG

Von Elmar Wallerang

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