Gebäudetechnik 23.04.1999, 17:21 Uhr

Das Haus wird zunehmend ganzheitlich betrachtet

Ein Gebäude wird in Zukunft mehr als bisher ganzheitlich betrachtet. Das gelte – so Fachleute auf der ISH “99 – vor allem für die technischen Anlagen im Haus.

Wie wird es bei der Haus- und Gebäudeautomation im nächsten Jahrtausend weitergehen? Kommt das vernetzte und automatisierte Haus oder ist der Markt vielleicht doch noch nicht reif für diese neue Technik? Wie werden wir zukünftig im Neubau heizen – mit Strom? Wie können wir zukünftig mehr Wasser einsparen und wie wird dazu die Wassertechnologie im Haus im Jahr 2010 aussehen? Derlei Fragen wurden auf der diesjährigen ISH in Frankfurt/M. diskutiert. Eine der Antworten: „Eisparpotentiale liegen in einer durchdachten Systemtechnik.“
Im Rahmen der künftigen Energieeinsparverordnung (EnEV), die die Wärmeschutz-Verordnung und die Heizungsanlagen-Verordnung nach langem Nebeneinander nun vereinigt, wird künftig im Neubau das Niedrigenergiehaus zum Standard. Das bedeutet aber, daß die EnEV somit im wesentlichen nur die Neubauten erfaßt. Mittlerweile wurde aber auch von den Politikern erkannt, daß jede Neubaumaßnahme primär den CO2-Ausstoß erst einmal erhöht, wenn auch bei verschärften Anforderungen nur im geringen Maße, und nicht – wie bisher fälschlich angenommen – reduziert. Prof. Karl Gertis, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik,Stuttgart, bringt es auf den Punkt: „Bei Errichtung jeden Niedrigenergiehauses müßte ein Altbau abgerissen werden, wollte man mit der Neubauaktivität eine Verringerung des CO2-Ausstoßes erreichen.“Nur über den Altbaubestand ließe sich die Reduzierung dieser Emissionen realisieren.
Die elektrische Beheizung von Gebäuden soll nach der EnEV zugelassen werden, wenn der Wärmeschutz um 30% erhöht und damit die notwendige Heizenergie im Gebäude nur 70% im Vergleich zu einem anderen Heizsystem beträgt. Aus Sicht der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft e.V. (VdZ) könne jedoch ausschließlich der in Anspruch genommene Primärenergieeinsatz relevant sein, betonte VdZ-Präsident Jürgen Diehl bei der Eröffnung der ISH, weil nur dieser Auskunft über den resultierenden CO2-Ausstoß gebe. „Allein durch die primärenergetische Bilanzierung stellt sich die Stromheizung weitaus ungünstiger als die Pumpenwarmwasserheizung dar“, so auch die Heizungstechnik-Fachleute. Zudem werde nicht berücksichtigt, daß diese bauphysikalisch verbesserten Häuser nur in einem kurzen Zeitraum beheizt werden müssen, z. B. Mitte November bis Mitte Februar. Mithin würde in diesem Zeitraum bei allen strombeheizten Häusern eine enorme elektrische Spitzenlast anfallen. Eventuell müßten dafür sogar zusätzliche Kraftwerke gebaut werden, um diese Spitzenlast abdecken zu können.
Einsparpotentiale liegen – so Diehl – mehr in einer durchdachten Systemtechnik. Das bedeutet: die ganzheitliche Betrachtung des Zusammenwirkens eines Gebäudes mit seinen technischen Anlagen, um eine Optimierung des Energieeinsatzes zu erreichen. Der VdZ-Präsident: „Schnittstellen zwischen Kälte- und Wärmeerzeugung und den lufttechnischen Anlagen müssen von intelligenten Meß-, Steuer-, Regel- oder Automationssystemen zu einem Ganzen integriert werden.“ Heute würden meist indes verschiedene Geräte im Haus nebeneinander eingesetzt, die nicht miteinander kommunizieren. „Allein das aufeinander abgestimmte Regelverhalten einer Warmwasserheizung mit der Sonnenkollektor-Regelung, wenn man zum Beispiel Sonnenkollektoren nachträglich installiert, würde schon eine Einsparung bringen,“ rechnen die Hersteller von Solaranlagen vor. Denn werde das Wasser im Warmwasserspeicher morgens bereits vom Heizkessel erwärmt, und das meist auf einem zu hoch eingestellten Warmwasser-Sollwert, nehme man den Kollektoren bereits einen Teil des Energiespeichers weg, den sie nicht mehr aufheizen könnten oder brauchten. Diese Ansicht unterstrichen auch die Hausbesitzer auf der ISH: „Wenn wir was für die Umwelt tun und Sonnenkollektoren installieren, dann möchten wir auch ein aufeinander abgestimmtes System.“ Doch diese Systemtechnik ließe bei einigen Herstellern noch zu wünschen übrig.
Statisch denkende Regelungen, die nur nach festen Sollwerten oder Schaltzeiten arbeiten, seien nicht mehr zeitgemäß, urteilen informierte Hausbesitzer. „Gefragt sind dynamisch arbeitende und denkende Regelungen, die Veränderungen im Haus automatisch erkennen und berücksichtigen.“ Sinnvoll seien daher zukünftig Regelstrategien, die mehr das individuelle Verhalten der Bewohner im Haus berücksichtigen. Die verschiedenen Regelungen müßten sich mehr an das Verhalten und an die Nutzungsgewohnheiten der Bewohner adaptieren, d. h. deren Gewohnheiten lernen und daraus Regel- und Steuerstrategien ableiten und nicht umgekehrt. Die Technik müsse dabei die Bewohner so unterstützen, daß diese es gar nicht merkten. Dies könne nur erreicht werden, indem die einzelnen Geräte und Systeme im Haus sinnvoll miteinander vernetzt würden. Diese vernetzte Technik – „Hausautomation“ – dürfe nicht nur für den Neubaubereich, sondern eher auf den Gebäudebestand ausgerichtet sein. Der Aussteller Honeywell: „In bestehenden Gebäuden möchte keiner seine komplette Eelektroinstallation nur für die Vernetzung der verschiedenen Geräte erneuern.“ Hier sei eine Datenübertragung gefragt, die diese Anforderungen berücksichtigt: Datenübertragung über Funk oder über die vorhandene Elektroinstallation (Powerlineübertragung). Dies setze natürlich voraus, daß die einzelnen Geräte hinsichtlich ihrer Kommunikationsschnittstelle kompatibel seien. Positiv bewerten alle Hersteller, daß bei den Systemen ELB, EHS und Batibus Konvergenzgespräche laufen, um diese drei Systeme zu einem gemeinsamen System für den Haus- und Gebäudebereich zu vereinigen. Es sollten dabei die besten Eigenschaften aus den einzelnen Systemen übernommen werden, so die European Installation Bus Association (EIBA). Jedenfalls sei man bei dem Versuch auf dem richtigen Wege, aus drei Systemen eins zu machen.
In der Heizungstechnik herrscht dazu aber offenbar eine andere Meinung. Statt vorhandene Bus-Systeme zu verwenden, werden hier sogar noch neue Bus-Systeme erfunden, wie OpenTherm und eBUS . „Zusätzliche Bus-Systeme machen die Zusammenschaltung der einzelnen Geräte zu einem Hausautomationssystem technisch schwieriger und auch teurer (zusätzliche Gateways) oder auch vielleicht unmöglich“, urteilen die Fachleute. Die Heizungstechnikhersteller müßten daran denken, daß sie nur ein Teil des Hausautomations-Systems seien und daher auch mit den anderen Systemen im Haus kommunizieren müßten. Sie könnten daher nicht nur ihre eigene „Kommunikations-Suppe kochen“. Die Fachleute weiter: „Deshalb kann man davon ausgehen, daß sich lokale Bus-Systeme, die nur auf einen Technikbereich (z. B. Heizungstechnik) zugeschnitten sind, nicht durchsetzen werden.“ Diese blieben immer Insellösungen. Gefragt seien globale, durchgängige Lösungen.
Auch strebten die Bewohner nicht sofort die 100%ige Lösung an, so die EIBA und die LNO. Sie wollten dieses Hausautomations-System sukkzessive ausbauen – je nacch Bedarf und Geldbeutel. Diese Punkte sollten die Hersteller bei der Entwicklung ihrer Technik auch berücksichtigen. Erste Produkte dazu würden bereits angeboten. Hier scheine nun doch Bewegung in den Markt zu kommen. Wer an diesem Markt zukünftig teilhaben wolle, sollte jetzt die entsprechenden Schritte einleiten, ansonsten könnte es bald zu spät sein.
Ein weiterer Punkt, der nicht nur die Hausautomation, sondern alle Geräte betrifft, zielt auf die Bedienfreundlichkeit der Geräte. Zum Thema „Mensch-Maschine-Schnittstelle“ hält der positive Trend der ISH “97 an. Wo in den letzten Jahren die Techniker noch wild darauf waren, alle ihre in den Geräten integrierten Funktionen im letzten Detail darzustellen, was sich in einer Vielzahl von Knöpfen und Bedienmenus zeigte, geht der Trend heute eindeutig in Richtung Vernunft. Viele Aussteller verkündeten, ihre Geräte könnten selbst „Omas bedienen“. Dies sei keine Beleidigung für diese Altersgruppe, sondern solle lediglich verdeutlichen, daß man begriffen habe, daß der größte Teil der Endkunden gar keine Technikfreaks sind, sondern ganz normale Menschen. Diese ganz normalen Menschen beschäftigen sich eben nicht jeden Tag etwa mit der Heizungsregelung und wollten, wenn sie an der Heizungsregelung etwas verstellen müßten, nicht jedes Mal die Bedienungsanleitung suchen und durchlesen. Die Bedienung der Geräte muß auch für Laien einfach ohne Bedienungsanleitung möglich sein.

Studie: „Wassertechnologie im Jahr 2010“

Bemerkenswert ist, daß man sich nun auch verstärkt mit dem Thema „Wassertechnologie im nächsten Jahrtausend“ beschäftigt. Dazu wurde eine Delphi-Studie zu „Wassertechnologie im Jahr 2010“ von der Messe Frankfurt GmbH und vom hessischen Umweltministerium 1998 in Auftrag gegeben. Der Trinkwasserverbrauch ließe sich in den kommenden zehn Jahren um bis zu 60 l je Person und Tag reduzieren, so die Studie. Allein in Europa könnten bis zu 24 % des verbrauchten Warmwassers mit regenerativen Energien dezentral erzeugt werden. Voraussetzung: die verstärkte Nutzung von Regenwasser, die Aufbereitung von „Grauwasser“ in häuslichen Kreislaufsystemen und die verstärkte Anwendung solarthermischer Anlagen. Schon im Jahr 2010 werde jeder siebte Neubau in Europa und den USA mit einer Betriebswasseranlage ausgestattet sein, die es ermögliche, Regen- und Grauwasser aufzubereiten,
DIETER PFANNSTIEL
ISH “99: In diesem Jahr wurden zum Gebäude zukunftsweisende Themen diskutiert.
Sonnenkollektoren als architektonischer Blickfang: Vor allem zur Brauchwassererwärmung eignet sich die Solartechnik. Hier konnte eine teuere Einbringung mittels Montagekran vermieden werden.

Von Dieter Pfannstiel

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