Gebäudetechnik 03.11.2000, 17:27 Uhr

Bei Einsatz von Elektrogeräten: „Verbesserung der Gebäudehülle“

Wenn für den zulässigen Energieverbrauch in Neubauten die Primärenergie und nicht die Endenergie gelten sollte, werde die EnEV zur „Stromwärmeverbotsverordnung“, kritisieren Interessenvertreter für strombetriebene Heizungs- und Warmwassersysteme. Die Wärmepumpe würde unrentabler, und für Durchlauferhitzer käme das Aus.

Der Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung (HEA) beim VDEW schlägt Alarm. Die längst überfällige, aber voraussichtlich erst Mitte nächsten Jahres in Kraft tretende „Energieeinsparverordnung 2000“ (EnEV) benachteilige im Wohnungsbaubereich das Heizen und die Warmwasserbereitung mit Strom beträchtlich. Eine der Ursachen: die rein primärenergetische Bewertung bei der Wärmeerzeugung. Geforderte bauliche Zusatzinvestitionen, wie erhöhten baulichen Wärmeschutz, würde für Speicherheizgeräte und elektrische Warmwassergeräte dann gar das wirtschaftliche Aus bedeuten, fürchtet der Fachverband. Aber auch die besonders umweltfreundliche Wärmepumpe büße an wirtschaftlicher Attraktivität ein.
„Wenn die Energieeinsparverordnung in der derzeit vorliegenden Fassung verabschiedet wird, dann käme sie praktisch einer Stromwärmeverbotsordnung gleich“, urteilt HEA-Vorsitzender Günter Rehberg. Die hier geplante Fixierung des zulässigen Energieverbrauchs auf der Basis Primärenergie würde die Wettbewerbsenergien Öl und Gas „massiv bevorteilen und strombetriebenen Systemen für Heizung und Warmwasser die Luft abdrücken,“ kritisierte jetzt Rehberger anlässlich eines HEA-Fachkongresses in Berlin.
„Ein wesentliches Problem“ – erläutert HEA-Fachreferent Dipl.-Ing. Jürgen Freund – „resultiert aus der Tatsache, dass laut jetzt vorliegender Fassung der Bauherr bei Nutzung von Elektrogeräten die Gebäudehülle bauphysikalisch aufwendiger gestalten muss, als wenn er mit Gas oder Heizöl die Wärme erzeugt.“ Das gelte bereits bei der Verwendung eines Elektro-Durchlauferhitzers. Die geforderten bauliche Zusatzinvestitionen an der Gebäudehülle würden ihn ebenso wie andere elektrische Warmwassergeräte „faktisch aus dem Markt drängen“.
Auch den Raumwärmebereich – und hier speziell die Speicherheizgeräte – trifft es hart. Für sie kämen die Auflagen ebenfalls „einem wirtschaftlichen Verbot gleich“, prognostiziert Rehberg. Er appellierte deshalb in Berlin an den Gesetzgeber, zum Referentenentwurf vom Juni 1999 zurückzukehren, in dem die Endenergie als Basisgröße für den zulässigen Energieverbrauch vorgesehen war. Dies bliebe auch deshalb sinnvoll, da einzig der Endenergiebedarf einer Heizungs- und Warmwasseranlage vom Nutzer beeinflussbar sei. „Bei Betrachtung dieser Aspekte und der vom Gesetzgeber angestrebten nachhaltigen Energieeinsparung und CO2-Reduzierung im Raumwärmebereich ist es unverständlich, Systeme auf endlich fossiler Energiebasis so einseitig zu bevorteilen,“ urteilt Rehberg. Ein solches nicht energetisch, sondern „wohl mehr politisch-ideologisch begründetes Vorgehen“ sei nicht nur wettbewerbsverzerrend, sondern auch kontraproduktiv im Bestreben, die Umwelt zu entlasten.
Der HEA-Vorsitzende forderte in diesem Zusammenhang den Gesetzgeber auf, die Umweltvorteile der elektrischen Energie bei der Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser anzuerkennen. So seien zum Beispiel Stromheizgeräte am jeweiligen Anwendungsort zu 100 % frei von Schadstoffen. Denn die Wärme werde dort erzeugt, wo der Verbraucher sie benötige. Besonders effiziente Beispiele für die Formel „Mit Strom Energie sparen und die Umwelt entlasten“, seien die Heizungswärmepumpe und die Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung.
So könnte beispielsweise die elektrische Heizungswärmepumpe gegenüber einer Ölzentralheizung bis zu 45 % Energie und ebenso viel CO2 einsparen. „Und damit“ – so Rehberg – „gehört sie zur Formel 1 der Heizungssysteme.“ In ähnlicher Größenordnung lägen auch die ökologischen Einsparerfolge von Anlagen zur Wohnungslüftung, die – darüber hinaus – auch ein gesundes Wohnklima garantierten und Feuchteschäden verhinderten.
Diese ökologischen „Fähigkeiten“ würden von Bauherren und Modernisierungswilligen immer häufiger erkannt. So habe sich der Absatz von Wärmepumpen von 1991 bis 1999 verzehnfacht. Im vergangenen Jahr wurden 5000 Anlagen neu installiert. Auch die Entwicklung von Lüftungsanlagen zeige kontinuierlich nach oben. Wurden 1993 zum Beispiel erst 1500 zentrale Analgen neu installiert, so nähere sich die Zahl der Neuanschlüsse in diesem Jahr der 10 000-Marke. Dazu kämen noch dezentrale Anlagen, für die aber keine statistischen Angaben vorlägen. Rehberg resümiert: „Angesichts solcher Entwicklungen ist es absolut unverständlich, dass der Gesetzgeber den Einsatz von Strom für Heizung und Warmwasser derart erschwert.“ P. GÖHRINGER

Von P. Göhringer

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