Gebäudetechnik 24.11.2000, 17:27 Uhr

Behaglichkeit hinter Glas

Beim Bau eines Düsseldorfer Hochhauses wurde jetzt eine technisch hochsensible Glas- fassade eingeweiht. Die Doppelglaskonstruktion soll Sonne, Sturm und Kälte trotzen und innen ein behagliches Klima gewährleisten. Auch soll der Energieverbrauch gering bleiben.

Zweite-Haut-Fassade“ nennt Anbieter Gartner die jetzt fertig gewordene gläserne Außenwandkonstruktion eines Düsseldorfer Büro- und Hotelgebäudes, genannt „Seestern-Hochhaus“. Die Glasfassade soll neben ästhetischen Anforderungen auch hohe Ansprüche an Energieeinsparung und Behaglichkeit befriedigen. Um den gestellten Aufgaben gerecht zu werden, galt es eine flexiblen Glasfassade zu konzipieren, erläuterte der Gundelfinger Glasfassaden-Anbieter anlässlich der Fertigstellung der High-Tech-Fassade in Düsseldorf. Hierbei seien Leistungen „aus einer Hand“ angeboten worden. Und diese Vorgehensweise wolle man bei vergleichlichen Projekten gar forcieren. Das Leistungsspektrum reiche von der Entwicklung bis zur Endmontage. Die jetzt am Rhein montierte Aluminium-Glas-Fassade mit einer Fläche von rund 8000 m2 und einer Bautiefe von 250 mm gestatte – so Geschäftsführer Uli Behr – eine natürliche Belüftung des gesamten Gebäudes.
Die rund 1300 Scheiben der Glasfassade des Seestern-Gebäudes sind rahmenlos. Die 1,4 m x 3,3 m großen Scheiben werden über fünf bis sechs kleine Punkthalter befestigt. Mit einem Durchmesser von nur 24 mm, einer Sonderanfertigung von Gartner, sind die Glashalter an der Fassade kaum sichtbar und lassen das Hochhaus als „gläsernen Würfel“ erscheinen. Jede Scheibe lässt sich elektrisch öffnen, um die Räume natürlich zu belüften. So würden die Energiekosten der Klimaanlage gesenkt und Betriebskosten gespart, erläutert Behr. „Wind- und Regenwächter mit Sensoren an verschiedenen Punkten der Außenfassade übernehmen die Steuerung.“ Bei Sturm oder Regen schlössen die Fenster automatisch, während der Sonnenschutz selbst bei Sturm gewährleistet bliebe.
Das Gebäude – entworfen von den Architekten Schneider + Schumacher in Frankfurt/M. – besteht aus einem zwölfgeschossigen Bürogebäude mit einem Grundriss von 40,5 m x 40,5 m und einer Höhe von 40,5 m, einem sechsgeschossigen Hotelgebäude mit den Abmessungen 79,7 m x 12,3 m und einem eingeschossigen Verbindungsbau. Das Untergeschoss beherbergt eine Tiefgarage (Abmessungen 85 m x 110 m), die rund 4 m tief unter die Geländeoberfläche reicht.
Der „gläserne Würfel“ mit Atrium erhält seine unverwechselbare Gestalt über drei viergeschossige Lufträume. „Sie bieten gute Aussichten, verbessern das Raumklima und bringen Tageslicht in das Innere des Gebäudes,“ betont Behr. Die gläserne Hülle unterstreiche die kristalline Wirkung des Baukörpers. Zur Be- und Entlüftung lässt sich die äußere Hülle motorisch öffnen. Die Doppelfassade ist raumhoch mit Einscheibensicherheitsglas (VSG) verglast. Atrium und Terassen bilden einen zusammenhängenden Luftraum. Vom ersten viergeschossigen Luftraum, dem Eingangsbereich, betritt man das Atrium.
Die Außenfassade beinhaltet einen punktgenauen Ganzglasdrehflügel, der sich über einen elektrischen Antrieb stufenlos bis zu 30 cm öffnen lässt. Die Pfostenprofile sind außen für den Einsatz einer Befahranlage vorgerichtet. Im Fassadenkorridor hat man einen elektrisch betriebenen horizontaler Lamellenstore integriert. Die Innenfassade besteht aus einer 25 cm breiten raumhohen Lüftungsklappe und aus einem 1,1 m breiten raumhohen Reinigungsflügel. Sie böte, so Behr, neue Potentiale für die Energie-Optimierung des Gebäudes, da man die elektrischen Antriebe der Außenscheiben mit einer MSR-Anlage zum Messen, Steuern und Regeln kombiniert habe.

Fassadenkonstruktion beinhaltet Lichtlenksysteme

Die senkrecht und horizontal angeordnete Fassade des Wintergartens besteht aus einzelnen vollmassiven 13,5 m langen Stahlquerträgern, die im senkrechten Bereich untereinander von oben nach unten über hochfeste Zugstäbe abgehängt und seitlich geführt werden. Die nur quergehaltene Sonnenschutzverglasung wird senkrecht über eine 2 cm breite transparente Silikonfuge abgedichtet. Am Übergang zwischen Wand und Dach ist ein 13,5 m langer Stahl-Querträger angeordnet. Die über dem obersten Wintergarten liegende Dachverglasung kann zu Reinigungszwecken betreten werden. Die Sonnenschutzverglasung ist längs über Pressleistenkonstruktionen und quer über Punkthalterungen vierseitig aufgelagert.
„Auf diesem Gebiet der Aluminium-Glas-Fassaden haben wir seit 1978 insgesamt 90 Patente und seit 1994 zehn Patente angemeldet,“ betont der Gartner-Geschäftsführer. Die patentierten Fassadenkonstruktionen beinhalteten Heizung, Lüftung und Kühlung, Sonnenschutz- und Lichtlenksysteme. Entsprechend könnten Gebäudenutzer Licht und Wärme steuern. „Die Einschaltdauer des Kunstlichtes kann somit wesentlich reduziert und Energie gespart werden,“ erläutert Behr.
Daneben arbeitet Glasfassadenanbieter Gartner eng mit unabhängigen Forschungsinstituten zusammen und hat eigene Labors für statische, bauphysikalische und metallurgische Prüfungen eingerichtet. Aluminiumprofile für Fassadenverkleidungen werden in einem weiteren Geschäftsbereich von Gartner hergestellt. „Damit sichern wir umfassend Qualität und Termintreue bei unseren Fassadenprojekten“, so Dr. Harald Westheide, für diesen Bereich zuständiger Geschäftsführer. Für den Innen- und Außenbereich werden Bleche bearbeitet und Sonderkonstruktionen wie Beschattungsanlagen hergestellt. Als eigenständige Geschäftsbereiche verkaufen diese Bereiche ihre Produkte überwiegend an Dritte.
„Bei internationalen Großprojekten stützen wir uns auf ein leistungsfähiges Projektmanagement und kompetente Partner,“ erläutert Behr. In Südostasien habe das von ihm geleitete Unternehmen beispielsweise die Fassaden für das Jin Mao Building in Shanghai, die Bank of China in Hongkong und den neuen Flughafen in Hongkong gefertigt. „Auch viele moderne Hochhausfassaden in Europa stammen von uns,“ so der Gartner-Geschäftsführer. Beispiele seien Lloyds in London, das Commerzbank-Hochhaus, der Messeturm, die Deutsche Bank, das Eurotheum und der Main Tower in Frankfurt. ELMAR WALLERANG

Ein Beitrag von:

  • Elmar Wallerang

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Hoch- und Tiefbau, Bautechnik.

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