Automobilbau 30.01.2004, 18:28 Uhr

Zielsicher zur Karriere gelenkt

VDI nachrichten, München, 30. 1. 04 –
Lange konnte Philip Köhn nicht feiern, als er letzten Sonntag in Frankfurt gemeinsam mit seinen Kollegen von BMW den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft in der Kategorie Großunternehmen entgegennahm. Ausgezeichnet wurde die von ihm entwickelte intelligente Aktivlenkung. Um Mitternacht trat die Familie wieder die Rückreise nach München an, denn Söhnchen Tim, gerade 3 Wochen alt, musste dringend ins Bett.
Ohnehin verbringt der 34-Jährige lieber seine Zeit im Entwicklungslabor als im Ballsaal. Vier Jahre lang haben der Ingenieur für Maschinenbau und Fahrzeugtechnik und ein Team von rund 60 Menschen an der Aktivlenkung gearbeitet, bis sie reif für die BMW 5er-Reihe war.
Nun genügen beim Einparken weniger als zwei statt bislang drei oder mehr vollständige Lenkradumdrehungen, um die Räder von ganz rechts bis ganz links und umgekehrt einzuschlagen. Bei hohem Tempo reduziert dagegen das System die Lenkempfindlichkeit. Das verhindert allzu abrupte Lenkmanöver und sorgt dafür, dass sich das Fahrzeug schnell und unauffällig stabilisiert.
Dabei war dem passionierten Segler der Beruf nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Zwar hat er „sich immer für Technik interessiert“, aber erst beim Grundstudium sei sein Interesse für die Fahrzeugtechnik so richtig erwacht. So ist Köhn denn auch schließlich von Bochum aus zur RWTH Aachen gewechselt, denn „Aachen ist für Fahrzeugtechnik erste Wahl.“ Dort hat er auch promoviert und im Anschluss als Oberingenieur am Institut für Kraftfahrzeugwesen gearbeitet.
Zum renommierten Münchner Autobauer ist der frisch gebackene Vater durch Zufall gestoßen – als er den berühmten Elchtest perfektioniert (in der Fachsprache: objektiviert) hat. Dabei traf er auf den BMW-Bereichsleiter Fahrwerksentwicklung, der ihn 1999 nach München holte.
Für einen Mann, der so jung ein so großes Projekt erfolgreich abgeschlossen hat, und nebenbei sogar noch als Testimonial in der viel beachteten Werbekampagne vor einem Millionenpublikum für „sein“ Produkt auftrat, gibt es eigentlich keine große Herausforderung mehr, oder? Köhn lacht: „Ach, man könnte dem Fahrer weitere unangenehme Dinge ersparen, ohne ihm den Fahrspaß zu nehmen. Und auf der anderen Seite sollte man die richtige Balance finden, um Zeit für die Familie zu haben.“ Aber, so Philip Köhn optimistisch: „Das schaffen wir.“
EVDOXIA TSAKIRIDOU

  • Evdoxia Tsakiridou

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