Automobilbau 19.05.2006, 19:22 Uhr

„Wir kommen am Standort Deutschland gut zurecht“  

VDI nachrichten, Delbrück, 19. 5. 06, ps – Klaus-Dieter Frers hat mit seiner Paragon AG innerhalb weniger Jahre ein florierendes Unternehmen aufgebaut, das mit zweistelligen Wachstumsraten glänzt. Der Diplom-Ingenieur setzt auf höchste Qualität und die Vorteile am Standort Deutschland.

Frers: Unsere Produkte sind innovativ, gleichzeitig streben wir nach Integration, also nach höherwertigen Systemen und treten so zu den Großen der Branche in direkten oder indirekten Wettbewerb. Würden wir alles so wie unsere Konkurrenten machen, bekämen wir rasch Probleme. Wir müssen besser sein. Also konzentrieren wir uns auf Nischen, wo wir flexibel sind und zum Beispiel auch kleinere Mengen kostengünstiger als große Konkurrenten herstellen können.

Den Massenmarkt bedienen wir nur da, wo wir Alleinstellungsmerkmale und einen großen, signifikanten Vorsprung haben. Beispiele hierfür sind unsere Luftgütesensoren oder die Schrittmotoren für Bedienungsinstrumente.

VDI nachrichten: Tätig sind Sie zudem in der Gebäudetechnik. Wie kommt ein Automobilzulieferer dazu?

Frers: Wir nutzen Synergien aus dem Bereich Automotive auch in der Gebäudetechnik. Dazu hat uns unser – im Bereich Klimatechnik entwickelter und produzierter – Luftgütesensor gebracht. Er schließt oder öffnet die Umluftklappe eines Fahrzeugs je nach Qualität der Luft.

Auf dieser Grundtechnologie fußt unser Gas Watch Dog, der Erdgasleckagen in Gebäuden erkennt. Aber wir bieten auch Lösungen für ein Kosten sparendes und professionelles Energiemanagement an. Die Gebäudetechnik hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatzanteil von 0,9 %, kann aber eine bedeutende Zukunft haben.

VDI nachrichten: Wo fertigen Sie?

Frers: Wir haben fünf produzierende Standorte. Im thüringischen Suhl stellen wir Elektronik und Sensoren her. In St. Georgen im Schwarzwald produzieren wir Anzeigeelemente und Schrittmotoren. In Amerika haben wir ein ähnliches Produktprogramm, zugeschnitten auf den dortigen Markt. In Cadolzburg bei Nürnberg ist unser Zentrum für Car Media Systeme. Delbrück beherbergt die Zentrale für Forschung und Entwicklung. Und in Heidenheim, Paris und in Japan sind Vertriebsstandorte.

VDI nachrichten: In den vergangenen Jahren ist Paragon kräftig gewachsen. Wie haben Sie das geschafft?

Frers: Wir setzen auf eine Kombination aus originärem Wachstum und gezielter Akquisition. So haben wir im letzten Herbst zur Verbesserung des Zutrittes am Markt für Kommunikation die Firma Cullmann in Cadolzburg erworben – einen der führenden Anbieter im Bereich Autokommunikationstechnik. Schließt man den Cullmann-Effekt beim Umsatzzuwachs von insgesamt knapp 24 % aus, haben wir 2005 immer noch ein Plus von über 16 % erzielt.

VDI nachrichten: Stehen weitere Akquisitionen an? Welche Technologiefelder haben Sie im Visier?

Frers: Interessant sind natürlich Akquisitionen in den drei Automotive-Geschäftsbereichen Klimasysteme, Car Media Systeme und Bedien- und Anzeigesysteme. Ausschau halten wir konkret im Bereich der Bedien- und Anzeigesysteme.

VDI nachrichten: Beim Umsatz haben Sie ein kräftiges Plus gemacht. Wie sieht es beim Gewinn aus?

Frers: Wir haben es bisher immer geschafft, den Gewinn, gemessen am Umsatzwachstum, überproportional zu steigern. 2005 hat der Gewinn (EBIT) um rund 26 % auf 6,6 Mio. € zugelegt. Unsere Eigenkapitalquote inklusive Genussrechtskapital liegt jetzt bei 37,7 %. Damit haben wir einen guten Branchenmittelwert erreicht.

VDI nachrichten: Warum hat sich die Umsatzrendite von 4,4 % auf 2,8 % verringert?

Frers: Dieses Ergebnis hat seine Ursache vorrangig in einem steuerlichen Effekt.

VDI nachrichten: Einige Autobauer kämpfen mit Schwierigkeiten. Nimmt auch bei Paragon der Druck auf die Marge zu?

Frers: Als Automobilzulieferer musste man sich schon immer erheblich anstrengen. Wir bieten Produkte, an denen der Kunde ein besonderes Interesse hat, also keine Ware, die überall leicht erhältlich ist. Wir kommen mit der Marge klar, da wir mit Kosteneinsparungen reagieren und so einiges abfedern können. Aber wir nehmen grundsätzlich auch keine Aufträge an, die sich für uns nicht rechnen.

VDI nachrichten: Sie haben in den vergangenen Jahren ihre Mitarbeiterzahl in Deutschland aufgestockt. Warum nutzen Sie nicht die günstigeren Produktionsmöglichkeiten etwa in Osteuropa?

Frers: Wir kommen am Standort Deutschland gut zurecht. Natürlich haben wir Angebote, Teile unserer Produktion nach Osteuropa zu verlagern. Wir überprüfen regelmäßig, ob eine Produktionsverlagerung Sinn macht. Die Ergebnisse unserer Analysen haben aber bisher immer gezeigt, dass eine Produktion in Deutschland günstiger ist.

VDI nachrichten: Woran liegt das?

Frers: An der Art unserer Produkte, die einen hohen Materialanteil haben. Aber auch an erheblichen Vorteilen einer schnellen Logistik, wie wir sie nur in Deutschland haben.

Bedeutend ist zudem der zum Teil extrem hohe Automatisierungsgrad unserer Fertigung: Der Lohnkostenanteil an den Produkten beträgt im Schnitt weniger als 10 %. Auch haben wir hier kein Problem, hoch qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen.

Lassen Sie mich auch das Beispiel Cullmann erwähnen. Die Firma ließ bei Fremdfertigern in Tschechien und Rumänien produzieren. Unsere Untersuchungen zur Profitabilität hatten schon vor der Übernahme ergeben, dass eine Produktion in Deutschland günstiger gewesen wäre.

Wir haben die Produktionen binnen drei Monaten nach Suhl verlagert und dort 40 neue Stellen geschaffen. Sicherlich gibt es Produkte, die sich unter Kostenaspekten günstiger im Ausland fertigen lassen. Bei unseren Strukturen gilt das aber nicht.

VDI nachrichten: Die Automobilindustrie ist global aufgestellt. Sie fertigen bisher in Europa und den USA. Gibt es Pläne für den asiatischen Markt?

Frers: Konkret noch nicht. Natürlich beobachten wir diesen Markt. Und wenn unsere Kunden – die bereits in China produzieren – Bedarf haben, werden wir dort mit eigener Produktion tätig werden. In etwa fünf Jahren könnte der Bedarf so groß sein, dass wir handeln werden.

Einfluss hat auch die Entwicklung unserer Aktivitäten in der Region Japan/Korea. Auf keinen Fall werden wir uns aber im Ausland billige Produzenten suchen. Das vertragen unsere qualitativ hochwertigen Produkte nicht. Es würde auch die Zufriedenheit unserer Kunden beeinträchtigen.

VDI nachrichten: Im Jahr 2000 hat sich Paragon aufs Frankfurter Börsenparkett gewagt. Sie sind im Prime Standard gelistet. Was hat Sie zu diesem teuren Schritt bewogen?

Frers: Klar, der Schritt hat einiges gekostet. Aber was waren die Alternativen? Ende der 90er-Jahre zeichnete sich ein sehr schnelles Wachstum für Paragon ab. Da das nicht alles fremd zu finanzieren war, stellten wir uns frühzeitig die Frage nach ausreichendem Eigenkapital. Da für mich die Beteiligung großer Unternehmen und schon recht der Aufkauf durch Investoren keine Lösung waren, sind wir an die Börse gegangen. Das hat unsere Eigenkapitalsituation deutlich verbessert.

Die Börsennotierung hat Paragon über Fachkreise hinaus bekannt gemacht. Das hat uns im Wettbewerb, aber auch bei der Rekrutierung hoch qualifizierter Mitarbeiter geholfen. Durch den Börsengang konnten wir die Vorteile eines flexiblen Mittelständlers mit einer sehr guten Finanzausstattung verknüpfen.

VDI nachrichten: Die Paragon-Aktie notiert bei rund 15 €. Ist sie aus Ihrer Sicht damit fair bewertet?

Frers: Bei aller Ehrfurcht vor den Kräften des Marktes: Ich halte die Paragon-Aktie für krass unterbewertet. Sie lag vor genau einem Jahr in der Spitze bereits bei 21,40 €. Ich bin aber sicher, dass die Börse den Spielraum nach oben rasch nutzen wird, wenn sie unsere Planungen für die nächsten Jahre – das Betriebsergebnis wird weiterhin entsprechend zum Umsatz steigen – wahrnimmt.

DIETER HEUMANN

Von Dieter Heumann
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