Geständnis eines Ingenieurs 09.11.2015, 10:26 Uhr

Wie VW-Ingenieure CO2-Werte der Autos geschönt haben

Wie hat es Volkswagen geschafft, Sprit- und CO2– Angaben zu schönen? Das hat ein VW-Ingenieur  jetzt in einem Geständnis verraten. Hier lesen Sie, welche Tricks zum Einsatz kamen. 

Von der CO<custom name="sub">2</custom>-Manipulation sind rund 800.000 Fahrzeuge betroffen – viele von ihnen gehören zur BlueMotion-Reihe, die VW als besonders umweltschonend und spritsparend beworben hat. 

Von der CO2-Manipulation sind rund 800.000 Fahrzeuge betroffen – viele von ihnen gehören zur BlueMotion-Reihe, die VW als besonders umweltschonend und spritsparend beworben hat. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Dem Geständnis eines Wolfsburger Ingenieurs ist es zu verdanken, dass die Welt von VWs Trickserei bei CO2– und Spritverbrauch erfahren hat, berichtete die Bild am Sonntag an diesem Wochenende. Es handle sich um einen Mitarbeiter der VW-Abteilung Forschung und Entwicklung, der seinen Vorgesetzten vom großangelegten CO2-Betrug berichtet hat.

Der Wolfsburger Ingenieur hat ausgesagt, dass der Betrug mit geschönten Sprit- und CO2-Angaben 2013 begann und bis zum Frühjahr 2015 lief. Und wie haben die Techniker getrickst? Sie haben für die CO2-Zertifizierung einen Reifendruck von über 3,5 bar genutzt und Diesel ins Motoröl gemischt, damit der Wagen leichter läuft und wenig Sprit verbraucht.

Techniker haben aus Angst vor Konzernspitze geschwiegen

Angeblich liegen der Konzernrevision mittlerweile Geständnisse weiterer Angestellter vor. Dazu ein VW-Sprecher: „Bei internen Untersuchungen haben Mitarbeiter angegeben, dass es bei der Ermittlung der Verbrauchswerte Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Wie es dazu gekommen ist, ist Gegenstand der laufenden Prüfungen.“

Laut Bild am Sonntag scheint klar, wie es dazu gekommen ist: Die Techniker hätten ausgesagt, dass sie die ehrgeizigen Ziele des Vorstandschefs Martin Winterkorn mit legalen Mitteln nicht hätten erreichen können. Der zurückgetretene VW-Chef hat beim Genfer Autosalon im März 2013 angekündigt, das Unternehmen werde den CO2-Ausstoß bis 2015 um 30 % reduzieren. Die Techniker hätten in den Befragungen angeblich auch gestanden, dass sie bislang aus Furcht vor der Konzernspitze geschwiegen hätten. Und was müssen sie jetzt befürchten?

Ingenieure müssen keine Angst vor Kündigungen haben

Der Wolfsburger Mitarbeiter, der den aktuellen CO2-Fall ins Rollen gebracht hat, darf laut Deutscher Presseagentur dpa bleiben. „Wir können nicht jemanden bestrafen, der so einen mutigen Schritt gemacht hat“, habe es in der Konzernspitze geheißen.

Zur Rechenschaft gezogen werden sollten keine normalen Mitarbeiter, sondern Verantwortliche in Führungspositionen, soll eine mit Aufklärungsarbeiten vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters gesagt haben. „Es geht um die Ebenen Bereichsleiter, Hauptabteilungsleiter und Vorstand. Vielleicht noch Abteilungsleiter. Wer darunter tätig war, soll keine Angst haben vor Kündigung und Schadenersatzforderungen. Es geht nicht um Programmierer, die nur Anweisungen ausgeführt haben.“

Manipulation kostet VW mindestens 2 Milliarden €

Für VW wird es jetzt nochmals teurer: Der Konzern rechnet mit mindestens 2 Mrd. € an zusätzlichen Belastungen. Von der CO2-Manipulation betroffen sind rund 800.000 Fahrzeuge, die meisten von ihnen gehören zur BlueMotion-Reihe, die VW als besonders umweltschonend und spritsparend bewirbt. Bislang war klar, dass VW EU-weit bis zu 8,5 Millionen Fahrzeuge nachrüsten muss wegen zu hohem Stickoxid-Ausstoß.

VW hat bei der CO2-Zertifizierung getrickst: Mit hohem Reifendruck von 3,5 bar und Diesel im Motoröl. 

VW hat bei der CO2-Zertifizierung getrickst: Mit hohem Reifendruck von 3,5 bar und Diesel im Motoröl. 

Foto: Patrick Pleul/dpa

Theoretisch haben die Halter der 800.000 betroffenen Autos ein Rückgaberecht. Warum? Weil der Bundesgerichtshof 2007 festgelegt hat, dass man bei Abweichungen der Kohlendioxid- und Spritwerte über 10 % von einem erheblichen Mangel spricht. Ein Konzernsprecher bestätigte der Tageszeitung „Die Welt“, dass die Abweichungen der Kohlendioxid- und Spritwerte über der zulässigen Toleranz von 5 bis 10 % liegen.

US-Kunden erhalten Prepaid-Karten als Wiedergutmachung

In den USA setzt VW derzeit alles daran, Kunden zu besänftigen. Besitzer von Dieselautos sollen Prepaid-Karten im Wert von rund 1150 € erhalten, berichtet das Onlineportal „The Truth about cars“. Sie könnten bis zu 750 $ in VW-Autohäusern einlösen, der Rest sei frei verfügbar. „Volkswagen of America hat seine Händler über die geplante Aktion informiert“, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Details dazu würden in der kommenden Woche kommuniziert. 

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Newsticker.

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