Basler Museum Tinguely 02.09.2011, 12:08 Uhr

Vom schönsten Kunstwerk der Welt: 125 Jahre Auto

Das Basler Museum Tinguely feiert mit einer launigen Ausstellung den 125. Geburtstag des „wichtigsten Kulturobjekts“ des 20. Jahrhunderts.

So viel Kult ums Auto wagen selbst die Wolfsburger nicht: Eine Ausstellung in Form eines Rades mit Achse und radialen Kreissegmenten, im Zentrum ein scheinbar im All explodierter VW-Käfer, der schwerelos von der Decke hängt. „Cosmic Thing“ nennt Damián Ortega seine Installation. Eine metaphysische Überhöhung des Autos. Das hätte Jean Tinguely, dem Meister skurriler Schrottmaschinen, gefallen. Und so passt denn die Ausstellung „Fetisch Auto. Ich fahre, also bin ich“ bestens in „sein“ Museum am Basler Rhein. Tinguely liebte Tempo und Technik. Das Auto war seine Muse, das „schönste Kunstwerk der Welt“, mit dem er selbst seine Nächte verbrachte: Er teilte sein Schlafzimmer mit dem Lotus von Jim Clark, dem tödlich verunglückten Formel-I-Piloten.

Fetisch und Menetekel, Bedeutungs- und Emotionsvehikel – das Auto bedient alle Sehnsüchte und Illusionen, verführt mit seiner globalisierten Ästhetik, seinem Versprechen entgrenzter Erlebnishorizonte zu Ich-Erweiterung, Allmachtsphantasien, aber auch zu Auto-Aggression, Unfall und Tod. Keine Stilepoche hat diese Ambivalenz so rauschhaft festgehalten wie jene der Futuristen, vor allem Giacomo Balla, in Basel mit fünf Bildern vertreten, die wie in Raserei geratener Kubismus anmuten.

1909 priesen die Futuristen in ihrem Manifest die „großen (Auspuff-)Rohre“ der Sportkarosserien als „Schlangen mit explosivem Atem“ und die neuen Pferdestärken als „Schönheit der Geschwindigkeit“. Sie widmeten der neuen Mobilität Gedichte und Hymnen auf die „auto-erotische“ Kraft.

Die Basler Auto-Schau fordert alle Sinne

Die Basler Auto-Schau jedenfalls fordert alle Sinne; Musik zu Bildern und Videos begleiten den Rundgang durch die nach Themen und Epochen arrangierten Räume; selbst olfaktorisch wird die Wahrnehmung durch Reifen-Installationen mit Gummiodeur verwirrt. Und so wandelt man leicht benommen und heftig fasziniert durch die rund hundertjährige – fast – ironiefreie Autokunst, vorbei am Auto-Friedhof von Walker Evans von 1935, dem 1953 von Peter Keetman zur Kunst stilisierten VW-Kotflügel oder Kenneth Angers abgründigem Werk KKK „Kustom Kar Kommandos“ von 1965: Ein knallrot polierter Wagen wird durch seinen offenen, schwarz drohenden Motorblock zur Allegorie für Virilität und Dominanz – und den damals erstarkten Ku-Klux-Klan.

Ist es das, die Technik, die Potenz unter lackierter Oberfläche, die das Auto stets neu zum Kunstobjekt macht? Schließlich repräsentiert die Form etwas Darunterliegendes, auch Anthropomorphes, Sakrales. So kann ein schlichter Motorblock Kunstwerk sein, der als Solitär einen Ausstellungsraum füllt. Und immer wieder scheint die „Persönlichkeit“ des Autos in den Kunstwerken auf. In Andreas Feiningers Werken aus Arizona oder Nevada, auf seinen Bildern von Highways, Rush Hour, Unterführungen, Tankstellen.

Die Autos schaffen sich ihr eigenes „Evolutions- oder Lebensumfeld“, aber auch ihre Toten, wie James Dean, der mit seinem Porsche schnell lebte und jung starb. Künstler wie Feininger verewigten im Auto ein sich selbst erhaltendes System. Und Wachowskis Computeranimationen illustrieren dazu den auto-mobilen Menschen, auch er ein selbstbezogener Nomade, dessen Blick durch das Autofenster ein Stakkato von Bildern einfängt: Oberfläche zieht vorbei ohne Tiefe des Raums, die Ästhetik im ursprünglichen Sinn der „Wahrnehmung“ verflüchtigt sich in der Bewegung, die zum eigentlichen Erleben wird.

Die „bewegte Wahrnehmung“ fixiert Peter Roehr in einer Serie von Film-Montagen: überall Autos, Tunnel, zu Strahlen kondensierte Lichter, Motorhaube, Pfeiler, Muster, Nebel, Abstraktionen – bis die Bilder zu neuen Realitäten werden. Bewegte Bilder, Videos, Filme sind die Medien der Mobilität und ihre Beziehung zum Auto intim, wie in Basel zu besichtigen.

Auto und Film: Die „Liebesgeschichte zweier Emotionsmaschinen“

Der Kommunikationswissenschaftler Thomas Pittino nennt das Verhältnis zwischen Auto und Film denn auch eine „Liebesgeschichte zweier Emotionsmaschinen“. Beweis: Die Geschichte kann auch in Hass enden, wie Pipilotti Rist in ihrem überdimensionierten Video zeigt, in dem endlich die Ironie zuschlägt: Sie ist jung und weiblich, schwingt eine orangefarbene Fackel-Lilie und zerstört damit träumerisch wandelnd Auto um Auto, begleitet vom konspirativen Lächeln einer Politesse. Eine heitere Vernichtung eines (vorwiegend) männlichen Fetischs.

Wem die Sache mit dem Fetisch nicht behagt, kommt in Basel trotzdem auf seine Kosten: Die Auto-Schau der anderen Art lässt sich auch als gekonnte Revue durch ein Jahrhundert automobiler Kunst genießen. Oder als Persiflage unserer Beziehung zum wichtigsten Kulturobjekt des 20. Jahrhunderts.

 Das vom Architekten Mario Botta in Basel errichtete Museum Tinguely zeigt bis 9. Oktober 2011 die Ausstellung „Fetisch Auto. Ich fahre, also bin ich“ zusätzlich zur größten Werksammlung von Jean Tinguely.

Von Ruth Kuntz-Brunner

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH-Firmenlogo
GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH Qualifizierung zum Kfz-Prüfingenieur (m/w/d) deutschlandweit
rbi GmbH-Firmenlogo
rbi GmbH Testingenieur (w/m/d) Heimsheim
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH-Firmenlogo
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH Produktentwickler (m/w/d) Ventile Einbeck
Schaeffler AG-Firmenlogo
Schaeffler AG Architekt / Funktionsentwickler Leistungselektronik für den elektrischen Antriebsstrang (m/w/d) Herzogenaurach
Schaeffler Technologies AG & Co. KG-Firmenlogo
Schaeffler Technologies AG & Co. KG Systementwickler für elektrische Achsantriebe (m/w/d) Herzogenaurach
Hays Professional Solutions GmbH-Firmenlogo
Hays Professional Solutions GmbH Systemtestingenieur Connectivity (m/w/d) Bayern
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH Ausbildung zum Prüfingenieur (m/w/d) bzw. Sachverständigen (m/w/d) für den Tätigkeitsbereich Fahrzeugprüfung und Fahrerlaubnisprüfung Frankfurt am Main
FAUN Umwelttechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FAUN Umwelttechnik GmbH & Co. KG Strategisch-technischer Einkäufer (w/m/d) Elektrik / Elektronik Osterholz-Scharmbeck
ebm-papst Landshut GmbH-Firmenlogo
ebm-papst Landshut GmbH Entwicklungsingenieur Verbrennungssysteme (m/w/d) Osnabrück
HLB Hessenbahn GmbH-Firmenlogo
HLB Hessenbahn GmbH Projektleiter (w/m/d) Wiesbaden

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Fahrzeugba…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.