Kanadisches Start-up Damon X Labs 28.06.2019, 14:52 Uhr

Unfall-Warnsystem für Motorräder entwickelt

Das Start-up Damon X Labs möchte Motorräder mit einem 360° Warnsystem ausstatten und damit die Sicherheit von Motorradfahrern deutlich erhöhen.

Foto: Damon Motors Inc.

Foto: Damon Motors Inc.

Autos sind heute mit Sensoren, Kollisionsvermeidung und Selbstfahrfunktionen ausgestattet. Motorräder hingegen haben noch recht wenig Sicherheitsassistenten an Bord. Ein gänzlich selbstfahrendes Motorrad würde dem Benutzer sicher die Freude am Fahren nehmen, aber für einen Zwischenschritt wäre es an der Zeit. Das kanadische Unternehmen mit dem offiziellen Namen Damon Motors Inc. setzt deshalb auf die Entwicklung fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme mittels Konnektivität sowie künstlicher Intelligenz. Dadurch soll Motorradfahrern die Freude am Fahren erhalten bleiben, bei gleichzeitig deutlich höherer Sicherheit. Welche technischen Lösungen angewandt werden und welche Köpfe dahinter stehen, haben wir für Sie recherchiert.

Die Unternehmensgründer von Damon X Labs

Im Sommer 2016 machte der Serienunternehmer Jay Giraud eine Pause vom Start-up-Leben, um etwas Zeit auf seinem Motorrad zu verbringen. Während seiner Fahrten frustrierte ihn zusehends die alltägliche Erfahrung, sich auf seinem Zweirad unsicher zu fühlen – unter anderem aufgrund blinder Winkel und des Mangels an Situationsbewusstsein, das Low-Tech-Motorräder bieten. Ein Schlüsselerlebnis hatte Giraud in Jakarta. Die indonesische Hauptstadt wird förmlich von Motorrädern überrannt und setzt Verkehrsteilnehmern stetig der Gefahr aus, sich lebensbedrohlichen Umständen stellen zu müssen. Diese unbefriedigende Situation führte Giraud dazu, Damon Motorcycles zu gründen. Sein Ziel: Die Sicherheit von Motorrädern, bzw. Bikern revolutionieren.

Porträts der Gründer Jay Giraud und Dom Kwong

Jay Giraud und Dom Kwong, die Gründer des kanadischen Unternehmens Damon Motors Inc.

Foto: Damon Motors Inc.

Vor Damon gründete Giraud bereits Mojio, einer Box, die nahezu jedes Auto in ein vernetztes Fahrzeug verwandeln sollte. In nur fünf Jahren hatte das Unternehmen einen Wert von mehr als 200 Millionen US-Dollar. Bei Damon wurde Giraud von Mitbegründer Dom Kwong unterstützt, der auch für die Technologie bei Recon verantwortlich war, einem Start-up, das für 145 Millionen US-Dollar an Intel verkauft wurde. Gemeinsam analysierten sie den Motorradmarkt und fanden heraus, dass jedes Jahr 160 Millionen Bikes weltweit verkauft werden. Seit der Zusammenarbeit von Damon mit Yamaha Motors, wurde das Team um 14 Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter und einen CFO erweitert.

Giraud hatte erkannt, wie dringend die Welt sicherere Motorräder braucht. „Niemand löst Probleme im Zusammenhang mit Motorrädern“, sagt er. Stattdessen habe er „gelernt, dass Motorradfahren 36-mal lebensbedrohlicher ist als Autofahren, wobei jeden Tag weit über 3.000 Menschen ums Leben kommen. Das hat mich ernsthaft ins Grübeln gebracht“.

Lenker vibriert, um vor Gefahren zu warnen

In den Motorrädern kommen 360-Grad-Sensoren und Kameras zum Einsatz, um potenzielle Gefahren vor und hinter dem Bike zu erkennen und Alarme über 5G an den Fahrer zu senden. Zudem hat Damon eine zum Patent angemeldete Haptiksprache entwickelt, die den Lenker vibrieren lässt, um den Fahrer vor bevorstehenden Bedrohungen zu warnen. Ähnlich wie Tesla-Autos durch zweiwöchentliche Updates intelligenter werden, lernt auch die Damon-Technologie dazu und entwickelt sich weiter. Je mehr Benutzer fahren, desto intelligenter und vorausschauender wird das Programm: „Die größte Herausforderung, der Damon gegenübersteht und die jedes meiner anderen Start-ups bewältigen musste, besteht darin, die Interessengruppen über unsere Chance aufzuklären. In Damons Fall wird die Idee, dass Motorräder ein interessantes Gebiet für Technik sind, schnell übergangen“, sagt Giraud. „Auf dem nordamerikanischen Markt mit unseren neueren Städten und breiten Straßen scheinen Motorräder wie ein Nischenmarkt.“

Motorradmarkt mit großer Bedeutung

Giraud weiß, dass dies nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. Die meisten Megastädte der alten Welt sind heillos überfüllt, die Straßen sind eng, verstopft und es herrscht ein ständiger Kampf um Platz zwischen Autos, Zweirädern und Lkw. Motorräder sind aufgrund ihrer Wendigkeit und ihrer geringeren Anschaffungskosten in vielen Ländern beliebter als Autos und ein wichtiger Bestandteil im täglichen Leben von über 1,5 Milliarden Pendlern.

In den nächsten sechs Monaten will Giraud auf dem bisherigen Erfolg seines Unternehmens aufbauen. „Wir suchen nach großartigen technischen Talenten. Wir wollen Menschen mit Leidenschaft und Energie, die es lieben, Teil einer Familie zu sein. Damon ist ein Full-Stack-Technologieunternehmen, das Sensoren, KI, Cloud Computing, Smartphones, Benutzererfahrung und Bewegung zu einer Symbiose für alltägliche Fahrer zusammenführt. Klopfen Sie also an unsere Tür und stellen Sie sich vor“, fügt er hinzu.

Damon hat kürzlich Steven Lee als CFO und Erik Buell als Designer eingestellt. Lee war der Schlüssel zum finanziellen Erfolg von Slack und Mobify, zwei sehr erfolgreichen kanadischen Unternehmen, die heute Milliarden wert sind. Buell baute in den 1980er und 90er Jahren 160.000 Buell-Motorräder mit Harley-Davidson, laut Giraud einige der kultigsten und technisch ausgereiftesten Bikes der Welt.

Finanzierung von Damon Motors Inc.

Damon konnte zuletzt 2,5 Mio. US-Dollar Startkapital einsammeln, wodurch das investorenseitige Kapital auf über 4 Mio. US-Dollar anstieg. Der größte Investor ist die Round13 Capital. Zu den weiteren Kapitalgebern gehören Techstars Ventures, Pallasite Ventures sowie Extreme Venture-Partner. Die Finanzierung erfolgte in Form von Gründungskapital, Krediten und Wandelschuldverschreibungen. Kreditgeber war die Runway Capital.

Mit diesem Kapital im Rücken, möchte Damon Motors Inc. die Sicherheit von Motorradfahrern erhöhen. Durch die Nutzung von Sensoren, 5G-Netzen und künstlicher Intelligenz soll es künftig gelingen, Fahrerunfälle zu vermeiden. Eine Bewegung hin zum autonomen Fahren sieht Gründer Giraud im Bikermarkt allerdings nicht. Seiner Auffassung nach möchten die meisten Motorradfahrer das Fahrgefühl nicht gegen Bequemlichkeit eintauschen.

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