Differenz zu groß 14.05.2013, 12:00 Uhr

Umwelthilfe: Autobauer schummeln beim Spritverbrauch

Autobauer tricksen und manipulieren offenbar, wenn es um die Spritverbrauchswerte ihrer Autos geht. Die Schummelei habe in den letzten Jahren erheblich zugenommen, sagt die Deutsche Umwelthilfe. Die durchschnittliche Abweichung betrage inzwischen 23 Prozent. 

Die meisten Autos verbrauchen mehr Sprit als die Hersteller angeben. 

Die meisten Autos verbrauchen mehr Sprit als die Hersteller angeben. 

Foto: dpa

Die Automobilindustrie verspricht viel beim niedrigen Spritverbrauch. Dass die Angaben aus der Werbung in der Autofahrerrealität kaum zu erreichen sind, überrascht wohl niemanden. Die Abweichungen zwischen Norm- und tatsächlichem Verbrauch sei in den letzten zehn Jahren deutlich von sieben auf 23 Prozent geklettert, kritisiert jetzt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Der negative Spitzenreiter, ein Volvo, liegt sogar 42 Prozent über dem angegebenen Wert.

Über die Hälfte der Modelle haben einen Mehrverbrauch von über zehn Prozent

Die DUH legte für ihre Auswertung der angegebenen Normverbräuche den ADAC EcoTest zugrunde. In diesem Test ermittelt der Automobilclub nach EU-Norm realistische Verbrauchswerte auf seinem eigenen Prüfstand und veröffentlicht sie auf seiner Internetseite. Die DUH berechnete darauf aufbauend die Differenzen zwischen Norm- und Realverbrauch für insgesamt 144 Pkw-Modelle. Mehr als die Hälfte der erfassten Modelle, insgesamt 84 Fahrzeuge, liegen in der Auswertung mindestens zehn Prozent über dem Normverbrauch. 52 schlucken zwischen einem und neun Prozent mehr als angegeben und nur acht Fahrzeuge verbrauchen so viel wie angegeben oder sogar weniger.

Aber wie schaffen es die Autobauer, auf der 20-minütigen Prüfstandfahrt derart günstige Ergebnisse herauszuholen? „Es gibt technische Tricks, die die Hersteller anwenden, um bei den von der EU vorgeschriebenen Fahrzyklen zu niedrigen Spritverbrauchs- und damit CO2-Werten zu kommen“, erläutert Verkehrsexperte Axel Friedrich, früherer Abteilungsleiter im Umweltbundesamt. So können offenbar die Bordcomputer der neuen Pkw mit ausgefeilten Diagnosetools erkennen, wenn sich das Fahrzeug im Test auf einem Rollenprüfstand befindet. Das Auto schaltet dann in einen optimierten Testmodus, der Motor wird gedrosselt und der Spritverbrauch reduziert.

Einige Hersteller würden auch die Lichtmaschine abkoppeln, so dass der Kraftstoffverbrauch für das Aufladen der Batterie wegfällt. Oder es würden rollwiderstandsarme, mit stark erhöhtem Luftdruck befüllte Spezialreifen eingesetzt. Außerdem, weiß Friedrich, „werden Ausstattungselemente bezüglich ihres Gewichtes optimiert oder schlicht ausgebaut und Kühlergrill und Türschlitze verklebt, um die Aerodynamik zu verbessern“. Die technischen Tricks reichten bis zur „rechtswidrigen Manipulation“.

Deutsche Umwelthilfe fordert behördliche Nachmessungen

Allerdings liege eine Mitverantwortung bei der Irreführung der Autokunden auch bei den Behörden, kritisiert die DUH. Denn diese würden sich standhaft weigern, realitätsferne Verbrauchsangaben zu überprüfen. Die DUH verlangt deshalb ein Eingreifen des Staates bei offensichtlich manipulierten Normverbräuchen. „Die Bundesregierung hat dem Treiben der Autohersteller schon viel zu lange tatenlos zugesehen. Bei offensichtlich fehlerhaften Angaben muss sie behördliche Nachmessungen unter realen Bedingungen veranlassen und somit Klima, Verbraucher und den Steuersäckel vor diesen Machenschaften schützen“, fordert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Die tatsächlichen Mehrverbräuche würden nicht nur das Klima durch höhere CO2-Emissionen und den Autohalter durch Zusatzausgaben für Kraftstoff belasten. Dem Staatsbudget würden außerdem bei der CO2-basierten Kfz-Steuer erhebliche Einnahmen entgehen.

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