Automobil 04.06.1999, 17:21 Uhr

Trotz glitzernder Effekte: Anspruchslose Auto-Show

Eher an Disneyland als an ein Technikmuseum erinnert die Dauerausstellung „Opel Live“, mit der Opel Technik-Faszination verbreiten will. Museumspädagogischen Ansprüchen wird die Rüsselsheimer Show indes weniger gerecht.

Das einhundertjährige Firmenjubiläum von Opel war Anlaß für den Automobilkonzern, in Rüsselsheim die Ausstellung „Opel Live“ einzurichten – eine High-Tech-Erlebnispark als Dauerschau. Ähnliches bereitet der VW-Konzern in Wolfsburg vor. Dort gilt die nächstes Jahr in Hannover beginnende Expo 2000 als Anlaß. Das Opel-Live-Spektakel in Rüsselsheim ist bereits zu begutachten. Ob sich hier die erwarteten Besucherströme einstellen werden, ist indes ebenso unsicher wie die positive Wirkung auf das Markenimage von Opel.
„Wir wollen mit Opel Live einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Markenimages leisten,“ betont Horst Peter Borghs, Mitglied des Vorstandes der Adam Opel AG. Damit ist über die Opel-Dauerausstellung auch schon das Wesentliche gesagt. Sie erhebt weder den Anspruch der Vollständigkeit noch kann sie museumspädagogischen Ansprüchen gerecht werden. Dennoch lobte Borghs die didaktische Konzeption und das multimediale Ereignis, mit dem sich Informationen rund um die Marke Opel vermitteln ließen.
Die Herkunft des Geschäftsführers der Opel Live GmbH, Jan Reuvers, ist unverkennbar: Bis vor eineinhalb Jahren war er in der Geschäftsleitung von Eurodisney in Paris. So darf man sich über sprechende Auspufftöpfe und winkende Roboter nicht wundern. „Opel Live ist neuartig, ist jung, unkonventionell und interessant“, meint Reuvers. Es handle sich um eine völlig neue Generation von Erlebnispark und vermittle ungewöhnliche Einblicke in die Arbeit eines Autobauers. Die Attribute neu und jung mögen sicher zutreffen unkonventionell vielleicht auch noch, doch bei interessant scheiden sich die Geister.
Was erwartet den Besucher bei Opel Live? Wer auf ein Museum eingestellt ist, liegt falsch. Es ist mehr ein Show, die sich abspielt, die vieles ansprechen möchte, aber dabei immer an der Oberfläche bleibt. Effekte bleiben Effekte, Sinn und Zweck mancher Exponate sind nicht immer erkennbar.
Der Besucher startet mit einer „Tour der Sinne“ – sicher noch einer der interessanten Aspekte der „Indoor-Infotainment-Tour“ im neuen „Pavillion“, einem futuristisch anmutenden Gebäudekomplex mit über 18 000 m2 Gebäudefläche. Auf 800 m2 sollen die Sinne Tasten, Sehen, Hören, Riechen und schließlich der sechste Sinn des Autofahrers angesprochen werden. Da gibt es zahlreiche Würfel zum Ertasten verschiedener Materialien aus dem Automobilbereich unter Schallkuppeln hört man Reifen quietschen, und der Blick wird durch eine verregnete Windschutzscheibe auf eine projizierte Straße gelenkt. Auf Knopfdruck lassen sich autotypische Gerüche versprühen, die es zu erraten gilt. Informationen zu Sicherheitssystemen im Auto sollen vor Augen führen, wie sehr dieser „sechste Sinn“ des Fahrzeugs die Sinne des Fahrers entlastet.
In der „Interaktiven Erlebniswelt“ gibt es manches Knöpfchen zu drücken und manchen Hebel zu betätigen. Hier wird dargestellt, wieviele Details die Auto-Konstrukteure zu beachten haben, damit ein „harmonisches Ganzes“ entsteht. Anhand einer Rückleuchte wird deutlich, wie die optischen Eigenschaften zur guten Leuchtkraft mit den Oberflächenbeschaffenheit abgestimmt werden müssen, um die Verschmutzung so gering wie möglich zu halten.
Per Shuttle-Bus wechselt der Besucher den Standort und wird zur ehemaligen Produktionshalle K 48 gefahren. Auf 7000 m2 sind hier die Unterhaltungsshows von Opel Live untergebracht. Im Zeitraffer werden an simulierten Prüfständen die Belastungstests einzelner Fahrzeugkomponenten dargestellt, bevor sie die Serienfreigabe erhalten. Ausgestattet mit einer 3-D-Brille kann man auf einer Leinwand in einem Vier-Minuten-Film Crash-Tests aus der Dummy-Perspektive erleben und in einem Fahrsimulator drei Minuten lang die Opel-Teststrecke hautnah durchrasen.
Daß die Infrarot-Kopfhörer häufig an ihre technischen Grenzen stoßen und oftmals nur Satzbruchstücke zu verstehen sind, mag man noch verzeihen enttäuschend ist dagegen das, was Opel als „Höhepunkt von Opel Live“ anpreist: der „After Dark Ride“. Eine Erlebnisreise per Elektrobahn soll durch eine fingierte Automobilfertigung bei Nacht führen und gleichzeitig die Unternehmenshistorie beleuchten. Nachdem der Besucher in den viersitzigen Gondeln Platz genommen hat und der Sicherheitsbügel geschlossen ist, taucht die „Geisterbahn“ in das Dunkel ein. Sechs Minuten lang winken freundliche Roboter, sprechen Auspufftöpfe und blähen sich Airbags rhythmisch auf. Der Sinn dessen bleibt ebenso unklar wie die Bedeutung der Karosserieteile, die sich an der Innenseite einer sich drehenden Trommel befinden, die der Besucher durchfährt. Hier ein kurzer Lichtspot auf ein Autoteil, da ein kurzer Blick auf einen Oldtimer, dazwischen hört man etwas von alten Opel-Nähmaschinen und Motorrädern, bevor die bizarre Fahrt auch schon wieder zu Ende ist und den Besucher in eine Oldtimer-Ausstellung entläßt. Ein knappes Dutzend Opel-Automobile, über deren Geschichte man allerdings nichts erfährt, steht hier bereit. Dieser Teil der Ausstellung soll in den nächsten Monaten allerdings noch erweitert werden.
Vorbei die Werkstouren, bei denen man – versehen mit Kopfhörern – einem auskunftsfreudigen Werksführer mit Funkmikrofon nachgeeilt ist und an interessanten Punkten kurz verweilen konnte. Was bislang hautnah zu erleben war, packt Opel „live“ nun hinter die dichte Glaskuppel eines Elektrozuges. Die Besucher werden von diesen Tram-Mobilen durch die Werkshallen gefahren – abgeschottet vom Geschehen in der Halle. Informationen kommen über Video-Monitore an der Decke der einzelnen Wagen. Ob sich diese Art der Parallel-Information bewähren wird, bleibt abzuwarten Rückfragen sind jedenfalls nicht mehr möglich. Der Zug fährt auf seiner Tour durch das Rohkarosseriewerk, das Preßwerk und besucht das Montagewerk, bevor Besucher das Ende der „Infotainment-Tour“ erreichen.
Der technische Aufwand, den Opel Live betreibt, ist enorm. 120 Mio. DM wurden investiert, und 100 Mitarbeiter finden hier einen Arbeitsplatz. Dazu gehört auch das Personal für den Verkaufsshop, den Restaurationsbetrieb und den Konferenz- und Tagungsbereich. „Wir haben eine Kapazität von bis zu 6000 Besuchern am Tag und erwarten in den kommenden drei Jahren 1,5 Mio. Gäste“, so Opel Live-Chef Jan Reuvers.
Auch Opels Mitbewerber Volkswagen möchte bald die „Sinne der Kunden“ ansprechen. Zur Expo 2000 wird die „Autostadt“ im Werk Wolfsburg fertig sein. „Wir möchten eine einzigartige Metropole schaffen, in der die Geisteshaltung des Volkswagen Konzerns und die unterschiedliche Identitäten seiner Marken in einer faszinierenden Atmosphäre spürbar werden“, heißt es recht blumig bei VW. Die Gäste sollen den Konzern als „multikulturelle Gemeinschaft von Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Emotionen“ erleben. Es soll ein „sehr persönlicher Blick in die Seele des Volkswagen Konzerns“ möglich werden. Neben einer großen Gartenanlage mit Pavillons zu VW-Marken wird es einen großen Gastronomie- und Einkaufsbereich geben, ein Kinozentrum mit Filmen zur „emotionalen Einstimmung auf die Welt von VW“, ein Automobilmuseum und zwei 42 m hohe transparente Glastürme, in denen die Autos gelagert werden, die die Käufer zukünftig direkt in Wolfsburg abholen können. Im Übergabe-Zentrum mit Fahrsimulator und betreutem Kinderland will VW täglich bis zu 1000 Kunden bedienen.
MARTIN BOECKH
Opel Live: bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr. Von November bis März Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt für Erwachsene 24 DM, Kinder (5-15 Jahre) zahlen 16 DM, Senioren und Schwerbehinderte 19 DM. Tel: 06142/765600, Fax: 06142/765619
Reale Objekte im Anschluß an eine Vorführung im 3-D-Kino: In der Autoarena bekommen die Besucher die Crash-Cars zu sehen, deren Zerstörung sie zuvor auf der Leinwand in Form eines plastischen Films erleben konnten.

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