Wasserstoff statt Benzin 08.01.2014, 13:15 Uhr

Toyota bringt 2015 Brennstoffzellenauto auf den Markt

Bereits nächstes Jahr will der japanische Autobauer Toyota ein umweltschonendes Brennstoffzellen-Auto auf den Markt bringen. Es kann mit einer Tankladung Wasserstoff genügend Energie erzeugen, um 480 Kilometer zu fahren oder ein Einfamilienhaus eine Woche lang mit Strom zu versorgen.

Der Toyota FCV beschleunigt mit 135 PS von 0 auf 100 km/h in rund zehn Sekunden. Aus dem Auspuff kommt harmloser Wasserdampf. Das Tanken von Wasserstoff dauert lediglich fünf Minuten. 

Der Toyota FCV beschleunigt mit 135 PS von 0 auf 100 km/h in rund zehn Sekunden. Aus dem Auspuff kommt harmloser Wasserdampf. Das Tanken von Wasserstoff dauert lediglich fünf Minuten. 

Foto: Toyota

Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigte der Konzern einen Prototyp namens Full Cell Vehicle (FCV). Dieser soll zunächst im US-Staat Kalifornien auf den Markt kommen. Zu einem vernünftigen Preis. Laut Toyota konnten die Kosten für die Technologie in den vergangenen zehn Jahren um zwei Drittel reduziert werden.

Brennstoffzelle unter dem Vordersitz

Der Wasserstofftank ist hinter der Rückbank installiert, die Brennstoffzelle unter dem Vordersitz. Sie gewinnt Reaktionsenergie, indem sie Wasserstoff und Sauerstoff in Wasser umwandelt. Und das ist umweltschonend, denn aus dem Auspuff kommt lediglich harmloser Wasserdampf.

Die Leistung des Brennstoffzellenfahrzeugs dürfte Geschwindigkeitsbegeisterte nicht hinter dem Ofen hervorlocken, muss sich aber auch nicht verstecken: Der Motor hat 136 PS und beschleunigt das Auto von 0 auf 100 km/h in rund zehn Sekunden. Bei Vollgas liefert eine Batterie zusätzliche Energie, so dass Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 170 km/h zu erreichen sind. Sie lädt sich während moderater Fahrt automatisch wieder auf.

Kalifornien will 100 Wasserstoff-Stationen bauen

Anders als bei E-Autos ist das Tanken keine zeitaufwändige Angelegenheit, es dauert lediglich drei bis fünf Minuten. Dann kann das Brennstoffzellen-Gefährt genügend Energie erzeugen, um ein Einfamilienhaus eine Woche lang mit Strom zu versorgen – oder  um 480 Kilometer weit zu fahren. Die Antriebstechnik ist laut Toyota mittlerweile ausgereift genug, um Staus mit langen Stop-and-go-Fahrten zu überstehen. Erprobt seien zudem Fahrten in Extremtemperaturen – durch heiße Wüsten gleichermaßen wie durch Wintertage bei minus 30 Grad. 

Derzeitiges Problem ist allerdings das Tankstellennetz. Rund 68 neue Tankanlagen seien notwendig, um 10.000 Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu bedienen. Doch das scheint ein nicht allzu großer Hemmschuh: Laut Toyota haben die Behörden des US-Staates Kalifornien bereits 200 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, um 100 Wasserstoff-Stationen bis zum Jahr 2024 zu bauen. Hier verweist Toyota auch auf die Umweltfreundlichkeit der Technologie. Denn der Wasserstoff für die Antriebstechnik ließe sich in großem Stil mit Hilfe erneuerbarer Energien herstellen.

Toyota schwimmt mit Brennstoffzellen-Technik gegen den Strom

Der Weg, den Toyota mit der neuen Antriebstechnik geht, ist ein einsamer. Denn drei von vier Autoherstellern aus Europa, den USA und Japan planen, in den nächsten Jahren am meisten in sparsamere Verbrennungsmotoren zu investieren. Batterie- und Hybrid-Antriebe spielen immer noch eine kleinere Rolle. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor, die weltweit 200 Top-Manager der wichtigsten Hersteller, Autozulieferer und Händler befragt hat.

Allerdings könne in den kommenden Jahren die Kundennachfrage nach Plug-in-Hybriden auf bis zu 35 Prozent steigen. „An der Technologieführerschaft wird sich entscheiden, welches Unternehmen es schafft, unabhängig zu bleiben. Sowohl der Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors als auch der Plug-in-Hybridtechnik kommt hierbei in den kommenden Jahren die entscheidende Rolle zu“, erklärt Mathieu Meyer, Leiter des globalen Automobilbereichs bei KPMG. „Ein positives Image allein wird auf Dauer jedenfalls nicht mehr ausreichen, um sich als selbstständige Marke am Markt behaupten zu können.“ 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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