Steinmehl statt Wasser 22.08.2013, 15:43 Uhr

Stoßfänger: VW senkt Emissionen beim Lackierprozess um 90 Prozent

Volkswagen hat in Wolfsburg die nach eigenen Angaben modernste Kunststoffteile-Lackiererei der Autobranche in Betrieb genommen. Die Anlage senkt den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent, die Emissionen beim Lackierprozess fallen sogar um 90 Prozent. Sie soll die Produktion umweltfreundlicher gestalten und dazu beitragen, die Ziele des „Think Blue. Factory.“-Programms der Marke Volkswagen Pkw zu erreichen.

In den beiden Silobehältern wird das Steinmehl gesammelt, das nun in der neuen Lackiererei für Kunststoffteile im VW-Werk in Wolfsburg anfällt.

In den beiden Silobehältern wird das Steinmehl gesammelt, das nun in der neuen Lackiererei für Kunststoffteile im VW-Werk in Wolfsburg anfällt.

Foto: VW

Umweltfreundlicher als die älteren Anlagen ist die neue Kunststoffteile-Lackiererei vor allem, weil sie für die Reinigungsvorgänge während des Lackierprozesses kein Wasser mehr benötigt. Die entstehenden Lackstäube werden nun mithilfe von Steinmehl gebunden. Die anfallenden Steinstäube sollen später weiter verwertet werden, beispielsweise in der Zementindustrie.

4000 Stoßfänger täglich

Die neue Anlage wird derzeit in Betrieb genommen. Wenn sie hochgefahren ist, werden dort 120 VW-Mitarbeiter täglich bis zu 4 000 Stoßfänger mit den dazugehörigen Kleinteilen wie etwa Sensorenhalter lackieren. Der Bau der Kunststofflackiererei dauerte 18 Monate. „Der Betrieb der neuen Lackiererei verbindet innovative Prozesse mit geringer Umweltbelastung und höchster Effizienz“, fasst Projektleiter Thomas Müller das Projekt zusammen. „Dafür haben wir uns im gesamten Konzern umgeschaut und Technologien aus verschiedenen Werken zusammengeführt.“ Dazu gehören hauptsächlich die CO2-Schneestrahltechnik zur Reinigung, die Trockenabscheidung der Lacknebel und die Kältetrocknung mit entfeuchteter Luft.

Großer Schritt nach vorn

Vor allem die Abscheidung der Lackstäube über Steinmehl ist für VW ein großer Schritt nach vorn. Damit werde nicht nur der Wasserverbrauch deutlich gesenkt, sondern auch der Energiebedarf bei nun möglicher Umluftfahrweise, heißt es in Wolfsburg. Damit leistet die neue Technik einen wichtigen Beitrag, um die Produktion in Wolfsburg umweltfreundlicher zu gestalten. Ziel des „Think Blue. Factory.“-Programm ist, bis 2018 eine konzernweit  die Herstellung von Autos um 25 Prozent umweltfreundlicher zu machen. „Die neue Lackiererei für Kunststoffe zeigt, dass wir Nachhaltigkeit nicht nur bei unseren Produkten, sondern auch in der Produktion zielstrebig vorantreiben“, sagt Betriebsrat Christian Matzedda.

Von Andrea Ziech
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