Fazit nach sechs Jahren 12.05.2015, 14:01 Uhr

Selbstfahrende Autos von Google in elf Unfälle verwickelt

Fazit nach sechs Jahren Straßentests: Selbstfahrende Autos von Google waren bislang an elf kleineren Unfällen beteiligt. Doch nie sei der Computer Schuld gewesen, betont der Konzern. 

Umgebauter Toyota Lexus mit LIDAR-System auf dem Dach: Es rotiert und sendet Laserstrahlen aus. Der Computer erkennt dadurch Passanten und andere Fahrzeuge. Und das scheinbar recht zuverlässig. 

Umgebauter Toyota Lexus mit LIDAR-System auf dem Dach: Es rotiert und sendet Laserstrahlen aus. Der Computer erkennt dadurch Passanten und andere Fahrzeuge. Und das scheinbar recht zuverlässig. 

Foto: Google

Ein Auto, das von einem Computer gesteuert durch die Straßen düst: Kann das auf Dauer gut gehen? Ja, sagt Google. In den letzten sechs Jahren seien die autonomen Autos elf Mal in kleinere Unfälle verwickelt gewesen. Meist sind andere Fahrer aufgefahren oder haben das Auto gestreift, schwere Schäden oder Verletzte gab es nie. Für Projektchef Chris Urmson besonders wichtig: „Nicht einmal war das selbstfahrende Auto der Grund für den Zwischenfall.“

Sensoren erkennen sogar Geisterfahrer im Dunkeln

Der Computer hat sogar Unfälle verhindert, die so mancher Mensch nicht hätte kommen sehen: In einem Fall erkannten die Sensoren des Fahrzeugs frühzeitig, dass im Dunkeln zwei Geisterfahrer gleichzeitig entgegenkamen. In einem anderen Fall erkannte die Elektronik einen spontan kreuzenden Radfahrer und ein Auto, das aus zweiter Reihe abbog.

Zu einem Crash kam es nie, da sich der Computer defensiv verhielt. Die Fahrzeuge warten zudem bei Grün einen kurzen Moment, bevor sie weiterfahren.

Selbstfahrende Google-Autos haben schon 2,7 Mio. Kilometer zurückgelegt

In Kalifornien mausern sich die Testfahrzeuge langsam zu einem Bestandteil des gewohnten Straßenbilds: Mehr als 20 Roboterwagen haben in den letzten sechs Jahren über 2,7 Millionen Kilometer zurückgelegt, davon 1,6 Millionen Kilometer ohne Hand am Steuer. Derzeit fahren sie jede Woche rund 16.000 Kilometer.

Prototyp des Google-Autos: Ein Knopfdruck reicht, schon fährt es zum gewünschten Ziel. Lenkrad, Gas- und Bremspedal sind überflüssig. 

Prototyp des Google-Autos: Ein Knopfdruck reicht, schon fährt es zum gewünschten Ziel. Lenkrad, Gas- und Bremspedal sind überflüssig.

Quelle: Google

Zu erkennen sind sie an sogenannten Lidar-Aufbauten auf dem Dach, die optisch einem Radar ähneln. Sie rotieren kontinuierlich und senden dabei Laserstrahlen aus. Eine Multispektralkamera nimmt das zurückfallende Licht auf. Aus den Spektralfarben berechnet der Computer dann Abstand und Geschwindigkeit von Fahrzeugen, Passanten und Baustellen im Umkreis von bis zu 200 Metern.

Google baut bereits Fahrzeuge ohne Lenkrad

Mittlerweile hat Google seine Strategie ausgeweitet: Baute der Konzern die Steuerungstechnik in den vergangenen Jahren meist in den Toyota Prius oder Lexus ein, entwickelt er jetzt Prototypen eigener Fahrzeuge. Sie sind etwa so klein wie ein Smart, verzichten aber auf Lenkrad, Gas- und Bremspedal. Stattdessen drückt der Passagier nur noch einen Knopf. Und schon navigiert das Roboterauto mit GPS, Radar, Laser und Kamera zum gewünschten Ziel.

Können Passagiere der Technik blind vertrauen? Ja, aber der Straßenverkehr ist per se gefährlich, betont Urmson: „Wenn man genug Zeit auf der Straße verbringt, werden Unfälle passieren, egal, ob man in einem Auto oder einem selbstfahrenden Fahrzeug sitzt.“

 

Von Patrick Schroeder

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