Automobilbau 19.09.2008, 19:37 Uhr

Seit 50 Jahren dem Interieur verpflichtet  

VDI nachrichten, Ellwangen, 19. 9. 08, cha – Die Dräxlmaier Group ist ein Automobilzulieferer mit über 38 000 Mitarbeitern weltweit, davon arbeiten die wenigsten in Deutschland. Die Mitarbeiter hierzulande sind allerdings hochspezialisiert. Jeder zweite der rund 5000 Dräxlmaier-Mitarbeiter in Deutschland ist Ingenieur.

Produziert wird überwiegend in Billiglohnländern, im Hochpreisland Deutschland wird geplant, entwickelt, konstruiert und koordiniert. Bei Dräxlmaier ist der Maschinenbauingenieur Herbert Ziegler mit weiteren Kollegen für Standardisierung und Qualität zuständig. Er leitet das weltweite Process Development des Geschäftsbereichs Interieur.

„Es geht darum, dass alle Produktionsprozesse in jedem Land identisch abgewickelt werden“, beschreibt er sein Aufgabengebiet. Seine rund 250 Mitarbeiter kümmern sich darum, dass Fabriken nach einheitlichen Standards geplant werden, und die Fertigungsverfahren sowie Montageprozesse einheitlich sind. „Auf der ganzen Welt verlangt der Kunde nach gleich hoher Qualität. Da machen wir keine Abstriche“, sagt der 39-Jährige. Zurzeit laufen etwa 20 Entwicklungsprojekte in seinem Bereich, z. B. für den BMW Z4-Nachfolger. Für dieses Fahrzeug wird die Dräxlmaier Group das gesamte Interieur liefern: Cockpit, Tür- und Seitenverkleidungen, Mittelkonsole, Schalt- oder Wählhebel.

Exklusive Fahrzeug-Interieurs und Zierteile sind ein Teil des Produktportfolios. Ganze Bordnetzsysteme, Elektrik und Elektronikkomponenten ein anderer. Ein weiterer Bereich kümmert sich um das Supply-Chain-Management, also darum, wie die Teile „just in time“ oder „just in Sequence“ ans Band der Hersteller geliefert werden.

Dräxlmaier feiert in diesem Jahr 50-jähriges Firmenjubiläum. Das Unternehmen entstand 1958 aus einer Freundschaft zwischen Lisa und Fritz Dräxlmaier, Hans und Anderl Glas sowie der Motorradfahrer-Legende Georg Maier. Alle fünf glaubten an den Traum der individuellen Mobilität, den sich die Menschen mit einem Auto erfüllen könnten. In den Dingolfinger Hans Glas Werken wurde das Goggomobil gebaut, und im niederbayrischen Geisenhausen entstanden bei Dräxlmaier die Leitungssätze dazu. Dem folgte wenig später der Auftrag für die Innenausstattung des Zweisitzers mit Fronttür. Im Laufe der Jahre übernahm BMW die Glas-Werke. Hier liegen übrigens die Wurzeln für das BMW-Werk Dingolfing. Heute hat die Dräxlmaier Group das zentrale Personalwesen und das Seminarzentrum in Geisenhausen angesiedelt. Der Hauptsitz wurde 10 km weiter südlich in das 12 000-Einwohner-Städtchen Vilsbiburg verlegt. Dort leitet der Sohn des Gründerpaares, Fritz Dräxlmaier, die Geschicke des Unternehmens.

„Es ist deutlich zu spüren, dass wir ein Familienunternehmen sind“, sagt Ziegler und begründet es folgendermaßen: „Die Hierarchien sind flach, das ist die Basis für rasche Entscheidungen, und weil Dräxlmaier ein Familienunternehmen ist, gilt kein kurzfristiges Erfolgsdenken. In Vilsbiburg wird langfristig geplant.“

Das Arbeitsumfeld und die Stimmung im Unternehmen bezeichnet er als sehr gut, die Jobs als sicher. Derzeit wird in Vilsbiburg ein neues Gebäude mit rund 8000 m2 Bürofläche gebaut. „Stadt und Region haben einen hohen Freizeitwert, den insbesondere Familien zu schätzen wissen“, so Rüdiger Markl. Er ist für das Personalwesen in der Region Zentraleuropa verantwortlich und stellvertretender Personalleiter weltweit.

Doch kein Ingenieur wird allein wegen des landschaftlichen Reizes in den südlichen Landkreis von Landshut ziehen. Die Dräxlmaier Group zieht Leute an, die beides wollen: Natur und einen spannenden Job. Das Unternehmen ist Technologie pur, und weil es mit seiner Produktpalette breit aufgestellt ist, kann es die unterschiedlichsten Aufgaben entlang der gesamten Werkschöpfungskette bieten, von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Logistik.

„Wir brauchen Mitarbeiter mit Eigeninitiative, die prozessorientiert denken und Abläufe ganzheitlich betrachten“, beschreibt Markl den Typ Mensch, der ins Unternehmen passt. Der Einstieg erfolgt direkt, typische Trainee-Programme gibt es nicht. Allerdings durchlaufen alle neuen Mitarbeiter eine Einarbeitungsphase, die bis zu 14 Monate dauern kann.

Mindestens einmal im Jahr findet eine so genannte Mitarbeiterqualifizierungsanalyse statt. Andere Unternehmen sagen dazu Mitarbeitergespräch. Das Ergebnis ist dasselbe: Aus einer Stärken-/Schwächenanalyse wird beispielsweise der Weiterbildungsbedarf abgeleitet – und von den Vorgesetzten Potenzial für höhere Aufgaben entdeckt. Diese Mitarbeiter schlagen die Vorgesetzen und Personalbetreuer einem Komitee vor. Wird auch in dieser Runde das Potenzial erkannt, folgen Seminare, in denen besonderes Fach-, Projekt- oder Managementwissen vermittelt werden. Denn diese drei Karrierewege bietet die Dräxlmaier Group. „Wir besetzten mehr als die Hälfte aller Leitungsstellen mit eigenen Leuten“, verspricht Markl.

Herbert Ziegler ist ein Kandidat, der am Führungskräfteprogramm des Unternehmens teilgenommen hat. Er ist als Abteilungsleiter Entwicklung Interieur ein-, dann zum Bereichsleiter Prüftechnik aufgestiegen und heute für das weltweite Process Development beim Interieur zuständig. PETER ILG

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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