Technikgeschichte 23.09.2011, 12:07 Uhr

Robert Bosch: Aufsteiger, Netzwerker und sozialer Unternehmer

Am 23. September jährt sich der Geburtstag von Robert Bosch zum 150. Mal. Der Sohn eines Gastwirtes von der Schwäbischen Alb wurde berühmt für seine Zünder, die in der aufkommenden Autoindustrie begehrt waren. Der Bosch-Konzern ist heute einer der größten Automobilzulieferer weltweit.

„Ein kluger und weitblickender Geschäftsmann ist Robert Bosch. Trotz all seines Reichtums eher nach Art eines Hyde-Park-Sozialisten und Wanderpredigers gekleidet als nach Art eines Millionärs, verleugnet er nicht seine einfache Herkunft“, schrieb das Londoner Branchenblatt „The Motor“ vor dem Ersten Weltkrieg. Danach stand er im Jahrbuch der Millionäre in Württemberg mit 20 Mio. Mark an zehnter Stelle, hinter dem Fürsten von Thurn und Taxis und dem abgedankten württembergischen König.

Dabei war für württembergische Verhältnisse seine Herkunft so einfach nicht, guter Mittelstand eben. Der fünfte Sohn aus dem Brauereigasthof „Zur Krone“ in Albeck auf der Schwäbischen Alb nahe Ulm sammelte beim Ausfahren von Flaschenbier mit dem Vater oder in der heimischen Gaststube Erfahrungen mit dem Tausch von Waren gegen Bares.

Beim Besuch der Realschule in der Garnisonsstadt Ulm faszinierte ihn die Physik, bis sie mit Mathematik daherkam. Da ging er, anders als seine älteren Brüder, vorzeitig ab. Statt dem Polytechnikum in Stuttgart kam nun nur noch die passende Lehre beim lokalen Optikus in Betracht, der auch elektrische Klingelleitungen verlegte. In der Gesellenzeit fühlte sich zum Glück sein 18 Jahre älterer Bruder Karl, Installations-Großhändler in Köln, für die weitere Ausbildung verantwortlich. Dessen Sohn Carl brachte es mit dem Haber-Bosch-Verfahren bis zum Chemie-Nobelpreis.

Robert Bosch war ein Bildungsaufsteiger der anderen Art

Der große Bruder Karl ging mit Robert auf alle elektrotechnischen Ausstellungen. Er war wohl auch die treibende Kraft bei Roberts Entschluss, zu Fein nach Stuttgart, zu Schuckert nach Nürnberg und zu Edison nach New York zu gehen – alles erste Adressen der jungen Elektrotechnik. Kurz, Robert Bosch war ein Bildungsaufsteiger der anderen Art – über die Arbeitsstellen statt über die Universität.

Aber was hatte es mit seiner auffälligen Kleidung auf sich? Bosch war ein Anhänger der Woll-Lehre des Stuttgarter Professors Gustav Jäger, dessen Wolltrikots damals in der Lebensreformbewegung und von der Radfahrer-Avantgarde geschätzt und verbreitet wurden. Auch Bernhard Shaw war ein „Wollener“, wie man damals sagte. Hier fand Bosch ein erstes Netz von Gleichgesinnten, woraus sich auch sein Nachfolger Hans Walz rekrutierte. Auch seine letzte Arbeitsstelle in Magdeburg fand er so, wo ein Wollener namens Erich Correns im Gasmotorenbau arbeitete und eine Hochspannungszündung erfand, patentiert allerdings auf den Firmenchef. Bosch erfand dort eine Bogenlampe mit Nachführung der Kohlestifte, die aber nicht zum Patent führte.

Ein anderes Netz hatte der Militärdienst in Ulm gebracht. Bosch entwickelte soldatische Fähigkeiten, und man hätte ihn gern behalten. Von Schuckerts Betriebsleiter hat Bosch dann erfahren, dass die zivile Variante des Offiziers der Unternehmer sei. Über einen Militärkameraden lernte er seine erste Frau kennen, und dieser Schwager leitete später das Boschwerk in Feuerbach bei Stuttgart. Ein anderer Kamerad überließ ihm seine Stuttgarter Vertretung elektromedizinischer Geräte. Also eröffnete Bosch dort mit dem väterlichen Erbe 1886 die eigene Werkstatt, die erst mit Elektroinstallation florierte, als die Stadt ein Elektrizitätswerk bekam.

Bosch hatte großes Glück, dass er nicht zu Lizenzahlungen verklagt wurde

Wie kam es dann dazu, dass Bosch die Autozulieferindustrie erfand? Ottos Gasmotorenfabrik Deutz baute unlizenziert Abreiß-Magnetzünder für ihre Benzol-Motoren nach dem Patent von Siegfried Marcus, damals Magnetos genannt. Ein schwäbischer Besitzer eines solchen Benzolmotors bat Bosch um einen Nachbau. Bosch verbesserte den Deutzschen Magneto und hatte ein Riesenglück, dass er vom holländischen Käufer des Marcus-Patents nicht zu Lizenzzahlungen verklagt wurde, weil dieser plötzlich starb. Für die schnell laufenden Automotoren erfand ein Mitarbeiter Boschs den Drehhülsen-Magneto.

Der deutschgebürtige Brite Frederick Simms, der auch die Daimler Motor Syndicate Ltd. gründete, erkannte dessen Potenzial und assoziierte sich mit Bosch. Bosch baute seine erste Fabrik in Stuttgart, denn die Autobauer kauften nun die Zündung lieber fertig ein, statt sie selbst zu bauen. Gefertigt wurde bald auch in Paris. Das Geschäft expandierte mit den neuen Hochspannungs-Magnetos für Zündkerzen so rasant, dass Bosch neue Fabrikbauten ohne Banken allein aus den Gewinnen finanzieren konnte. Doch 1905 hätte Bosch beinahe alles an Simms verkauft, um nochmals von vorn anzufangen. Zum Glück für das Schwabenland platzte der Deal, weil Simms die 5 Mio. Mark nicht flüssig hatte. Danach konnte Bosch mithilfe seines Kronprinzen Gustav Klein, der leider 1917 tödlich abstürzte, Simms aus den Verträgen drängen.

Selbst zwei happige Fehlinvestitionen konnten das Bosch-Imperium und sein Mäzenatentum nun nicht mehr gefährden. Im Ersten Weltkrieg hatte sich dehydrierter Torf als rauchfreies Brikett für Schützengräben bewährt. Bosch hatte sich schon an schottischem Moorabbau beteiligt und kaufte ein oberbayrisches Moor. Doch im Frieden erwies sich das Ekenberg-Verfahren zur Entwässerung von Torferde als unwirtschaftlich. Um für die Moorarbeiter Arbeit zu schaffen, finanzierte Bosch dann das Mustergut Boschhof. 1925 kaufte Bosch alle Rechte an dem sogenannten Acro-Motor, einem neuen Dieselmotor, der sich hinterher unfähig zum Kaltstart zeigte. Doch verhalf diese Episode schließlich zum Erfolg der Bosch-Dieseleinspritzpumpe.

Bosch führte als erster Unternehmer den Achtstundentag ein

Robert Bosch war aber nicht nur ein erfolgreicher Techniker, er war auch ein sozial denkender Unternehmer. Als einer der ersten Unternehmer in Deutschland führte er den Achtstundentag ein (1906) – lange, bevor der gesetzlich vorgeschrieben wurde. 1910 folgten eine schrittweise Urlaubsregelung und die Übernahme der Pflichtbeiträge der Arbeitnehmer zur Krankenversicherung. Das trug ihm unter den Unternehmern den Beinamen „der rote Bosch“ ein.

Die Anfänge dieser Überzeugung gehen zurück auf die Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts, als Bosch in seinen Wanderjahren in den USA mit der organisierten Arbeiterbewegung in Kontakt kam. Seiner Verlobten Anna Kayser bekannte er, Sozialist zu sein. Später in Stuttgart war Bosch Nachbar des sozialdemokratischen Theoretikers Karl Kautsky, mit dem er sich anfreundete. Zum Bruch kam es, nachdem Kautskys Frau Boschs Fahrer zu polizeiwidrigem Fahren angehalten hatte.

Privat verlief Boschs Leben nicht so glücklich. Der Stammhalter Robert jr. starb an Multipler Sklerose. Dieser frühe Tod und ein Generationenkonflikt mit den beiden Töchtern Margarete und Paula entfremdete die Eheleute. Nach 40 Jahren wurde ihre Ehe geschieden. Die zweite Ehe von Robert Bosch dagegen war glücklicher. Aus der Verbindung mit Margarete Wörz gingen die Kinder Robert d.J. und Eva hervor.

Ein Beitrag von:

  • Hans Erhard Lessing

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