Autotest 30.03.2012, 11:58 Uhr

Renault Twingo und VW Up im Vergleich

VW schickt mit dem neuen Up einen Kleinwagen ins Rennen, der neben vielen anderen guten Eigenschaften Sachlichkeit und Funktionalität ausstrahlt. Auch die saubere Verarbeitung spricht für ihn. Beim kürzlich überarbeiteten Twingo stellt dagegen Renault die besonders bei der weiblichen Kundschaft gefragte Emotionalität in den Vordergrund. Außerdem setzen die Franzosen auf mehr Variabilität im Innenraum.

Klein, aber fein, lautet das Motto. Immer mehr Autokunden fühlen sich in den oft gut ausgestatteten „Minis“ wohl. Das zeigt auch die wachsende Nachfrage nach Fahrzeugen aus diesem Marktsegment. Die Hersteller reagieren darauf und das Angebot wird immer breiter. Mit dem neuen Up tritt VW nach Lupo und Fox in der Klasse erneut an und plant mit einer eher sachlichen Antwort zum Thema Kleinstwagen hohe Absatzzahlen. Zu den engen Konkurrenten des Up zählt der Renault Twingo. Er spricht die Kundschaft eher auf der emotionalen Ebene an.

Beim Twingo sollen vor allem Designlösungen, wie die Rückbesinnung auf die Kulleraugen, Frauenherzen schneller schlagen lassen. Auch innen geht es jugendlich-peppig zu. Der mittig positionierte Tacho mit digitalen Zahlen stört nicht wirklich und die Bedienung stellt kaum jemanden vor Probleme. Aber bei den äußeren Türgriffen, die in Wirklichkeit kleine Hebelchen sind, fragt sich doch mancher, ob es hier nicht zu verspielt zugeht. Vergleichsweise stabil dagegen sind die Bügeltürgriffe beim Up.

VW Up ist grundsolide und gut durchdacht

Auch sonst begegnet einem der Up als grundsolider und gut durchdachter Typ: Außen im schnörkellosen, aber stämmigen Blechkleid finden sich im aufgeräumten Innenraum übersichtliche Rundinstrumente und alle Bedienungselemente am richtigen Ort.

In den Gepäckraum, dessen Ladeboden sich in der Höhe verstellen lässt, passen 251 l, knapp 10 % mehr als im Twingo. Wer die Rücklehnen im Up umklappt, erhält eine ebene Fläche. In der Zuladekapazität entsprechen sich die beiden nahezu, die Ladekante ist beim Twingo allerdings etwas niedriger.

Vorn finden selbst großgewachsene Insassen ein rundum ausreichendes Platzangebot. Beim Up gefallen die straff, aber komfortabel gepolsterten Sitze. Abstriche gibt es beim Twingo, dessen Vordersitze zu weich sind und eine zu kurze Oberschenkelauflage haben.

Renault Twingo knüpft im Fond an Vorgänger an

Im Fond knüpft der Twingo an seinen Vorgänger an und bietet ab Ausstattungslinie Liberty zwei längs verschiebbare Einzelsitze. Die praktische Lösung ermöglicht einerseits den Transport sperriger Güter, sobald die Rücksitze zusammengefaltet und nach vorn geklappt werden. Andererseits sitzen Erwachsene bequemer mit mehr Beinfreiheit, wenn die Sitze zurückgeschoben werden. Bei beiden erleichtert die Easy-Entry-Funktion der Vordersitze den nicht so einfachen Durchstieg nach hinten.

Bei den Motoren geht VW konsequent den Weg zum Downsizing: Weniger Hubraum und weniger Zylinder bei gleicher Leistung. Der 1,0-l-Dreizylinder im Up hat wie der 1,2-l-Vierzylinder im Twingo 55 kW. In den Fahrleistungen liegen die beiden nah zusammen. Der Renault beschleunigt etwas zügiger, der VW hängt besser am Gas, gibt sich geringfügig elastischer. In der Spitze herrscht fast Gleichstand. Offenbar profitiert der Up im Durchzug auch von seinem niedrigeren Leergewicht.

Bei der Laufkultur kann der Renault-Vierzylinder einen kleinen Vorteil ausspielen. Allerdings zieht er erst in mittleren bis höheren Touren zufriedenstellend durch. 5-Ganggetriebe sind bei beiden Standard. Beide Motoren arbeiten sparsam, der VW-Dreizylinder ist mit 6,0 l/100 km Superbenzin im Test jedoch noch sparsamer als der Renault-Vierzylinder mit 6,4  l/100 km.

Beide Fronttriebler sind selbst in kritischen Fahrsituationen gut beherrschbar. Der Up lässt sich präzise lenken, aber auch der Twingo hat aufgeholt.

VW Up ist etwas agiler und sportlicher als Renault Twingo

Obwohl Renault in der Fahrwerksabstimmung einiges verbessert hat, macht der Up vieles noch etwas agiler und wirkt sportlicher. Unebenheiten bügelt er noch gekonnter weg und rollt leiser ab.

Beim Twingo muss das ESP extra bezahlt werden (300 €), was nicht verständlich ist. Den Up kann der Kunde für 590 € (ab Stufe „Move“) sogar mit dem neuen Notbremssystem, das bis 30 km/h arbeitet, ordern. Die Bremsen verzögern bei beiden ordentlich.

Wer sich mit der Basisversion zufrieden gibt, bekommt den VW Up für 9850 €, beim Twingo sind es 9990 €. Zusammen mit der etwas stärkeren 55-kW-Motorisierung plus Radio, Klimaanlage und aufpreispflichtigem Schleuderschutz ESP sind es beim Twingo bereits 11 580 €. Der entsprechend ausgestattete VW Up kostet dann 11 345 €.

Renault Twingo im Grundpreis etwas teurer als VW Up

Zum Vergleich hier die Grundpreise für die gefahrenen 55-kW-Versionen: 11 250 € werden für den Up Move (mit serienmäßigem ESP und Kopfairbags) fällig und 12 500 € für den Renault Twingo Dynamique.

Der Volkswagen-Konzern hat mit der „small family“, zu der der Up gehört, noch viel vor. Die zwei- und viertürige Version wird nicht nur von VW angeboten, sondern auch von Skoda als Citigo und von Seat als Mii außerdem sind künftig noch einige Derivate geplant.

Für den Käufer lohnt es sich, genau hinzusehen, denn die Preis- und Ausstattungsunterschiede zwischen den einzelnen Marken erlauben Einsparungen.

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

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