Automobilbau 15.09.2006, 19:23 Uhr

Reisebusse immer sicherer unterwegs  

der steigende Ausrüstungsgrad mit ABS, Antriebsschlupfregelung, elektronischer Fahrdynamikregelung und Fahrgastzellenversteifung zur Überrollstabilität. Weitere Assistenzsysteme werden hinzukommen, um die Fahrer vor „tödlichen“ Fehlern zu bewahren.

Obwohl sich Busse durch das Verkehrsgetümmel auf unseren Straßen und Autobahnen quälen, ist das Risiko in Deutschland im Bus ums Leben zu kommen 3,6 Mal niedriger als im Zug. Auf einen Toten im Bus kommen laut Statistischem Bundesamt 17 im Flugzeug und 32 im Pkw. Trotzdem lässt die Bilanz die Automobilingenieure nicht ruhen, die Optimierung geht weiter.

Wie die Sicherheit bei Bussen weiter erhöht wird, verdeutlicht beispielsweise die neuesten Generation des Reisebusses Travego von Mercedes-Benz. In dem Modell – das nach sieben Jahren den gleichnamigen Vorgänger ablöst – werden drei Entwicklungen eingesetzt, die die Sicherheit weiter erhöhen. Teilweise profitieren diese Systeme von Erfahrungen, die bereits mit Pkw gesammelt wurden.

Das trifft zum Beispiel für den Spurassistenten (SPA) zu, den als erster Citroën in Deutschland in einige seiner Pkw-Modelle eingebaut hat: Kommt der Fahrer von seiner Spur ab, beginnt der Sitz auf derjenigen Seite zu rütteln, in die das Fahrzeug fälschlicherweise abdriftet.

Kernstück des SPA ist eine Kamera, die im Travego hinter der Windschutzscheibe eingebaut und auf die Markierungen der Fahrbahn gerichtet ist. Damit es nicht zu laufenden Fehlmeldungen etwa im Stadtverkehr kommt, arbeitet der Spurassistent erst ab einer Geschwindigkeit von 70 km/h. Wird der Blinker gesetzt, schaltet sich der Assistent aus, weil ein absichtlicher Spurwechsel offenkundig bevorsteht. Die Falle Baustelle mit ihren oft wirren Linien wird auf diese Weise ebenfalls umgangen, weil Busse dort kaum schneller als Tempo 70 km/h fahren.

Auch die Funktion des Abstandsregeltempomats (ART) ist von Pkw der gehobenen Klasse bekannt: Drei Radarsensoren messen in voller Straßenbreite den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und seine Veränderung. Die ART-Reichweite beträgt 150 m – wird innerhalb dieses Abstands ein anderes Automobil in kritischer Nähe gemeldet, bremst das System den Omnibus so ab, dass er eine Sicherheitszone einhält. So können Auffahrunfälle vermieden werden.

ART ist nicht zu verwechseln mit einem Notbrems-Assistenten, denn der Abstandsregler leitet eine sanfte Bremsung mit höchsten 20 % der möglichen Kraft ein. Angepasst werden sollen lediglich die Geschwindigkeit und der Abstand zum Vordermann.

Die dritte Neuheit trägt die sperrige Bezeichnung Dauerbremslimiter (DBL). Der nutzt den an Bord befindlichen Retarder („Verzögerer“), ein zusätzliches Bremssystem an Nutzfahrzeugen, das einer Erhitzung der Standardbremse vorbeugt und dann eingeschaltet wird, wenn die Motorbremse bergab an ihre Grenzen kommt.

Der Retarder ähnelt in seiner Funktionsweise entfernt einem Drehmomentwandler in herkömmlichen Automatikgetrieben: Ein Flügelrad presst Öl auf ein gegenüberliegendes. Während sich beim Wandler das zweite Rad ruckfrei in Bewegung setzt und somit die Kräfte überträgt, steht es beim Retarder fest und setzt dem strömenden Öl damit Widerstand entgegen. So wird das bewegliche Flügelrad abgebremst und mit ihm das gesamte Fahrzeug.

Beim Dauerbremslimiter kann nun eine feste Geschwindigkeit vorgegeben werden, die dazu führt, dass der Bus bergab nicht schneller als eben dieses Tempo fährt. Das Neue daran ist: Der bereits vorhandene Retarder, auch verschleißfreie Zusatzbremse genannt, wurde mit einer Geschwindigkeitskontrolle kombiniert.

Bei den Bussen von Mercedes-Benz und der Partnermarke Setra sind der serienmäßige Einbau des Antischleudersystems ESP (Elektronisches Stabilitäts-Programm) seit 2003 inzwischen schon alte Hüte, kombiniert mit dem Bremsassistenten (BA) – der sofort die volle Bremskraft auslöst, wenn er am Pedaldruck eine kräftige Notbremsung erkennt.

Weiter an Bord der Busse: Die Elektronische Bremsregelung (EBS), deren wichtigste Funktion in der bestmöglichen Verteilung des Bremsdrucks auf alle Räder besteht. Fällt die Elektronik aus – vor Abstürzen sind auch mobile Computer nicht gefeit – übernimmt wie in alten Zeiten eine konventionelle Druckluftbremse die Aufgabe, der Bus kommt so sicher zum Stehen.

BERND-WILFRIED KIEßLER/WOP

Von Bernd-Wilfried Kiessler/Wolfgang Pester
Von Bernd-Wilfried Kießler/Wolfgang Pester

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