Automobil 06.05.2011, 19:53 Uhr

„Prospektverbrauch“ spiegelt nicht den Fahralltag wider

Der Käufer möchte wissen, wie viel Kraftstoff sein Pkw verbraucht. Die obligatorischen Werte nutzen zwar dem Gesetzgeber, aber nicht dem Konsumenten. Sie spiegeln nicht den Fahralltag wider. Das wird auch nicht möglich sein, erklären Wissenschaftler der TU Braunschweig. Sie zeigen jedoch Wege auf, wie Verbrauchswerte realitätsnah ermittelt werden können.

Die Verbrauchsmessung bei Autos war und ist eigentlich nicht für den Konsumenten ersonnen worden. Der Gesetzgeber nutzte anfangs die entsprechenden DIN-Normen zur Ermittlung der Abgaswerte. Seit 1996 wird im „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ (NEFZ) gemessen.

Ob im alten oder im neuen Messverfahren, die Werte nutzen zwar Behörden für ihre Zwecke, doch die Konsumenten bleiben unbefriedigt, weil ihnen keine realitätsnahen Verbrauchswerte an die Hand gegeben werden können – der Fahrzyklus ist nicht zu verallgemeinern.

„Es ist unmöglich, dass man mit einem Zyklus alle Kundentypen bezüglich ihres Verbrauchsverhaltens repräsentativ abbilden kann“, erklärte Prof. Ferit Kücükay, geschäftsführender Leiter des Instituts für Fahrzeugtechnik (IfF) der TU Braunschweig, den VDI nachrichten. Der verwendete Zyklus müsse möglichst eine breite Klasse von Kunden abdecken. „Dies wiederum setzt voraus, dass die statistischen Verteilungen bezüglich Fahrweise, Fahrzeugbeladung sowie gefahrenen Streckentypen als Grundlage des Zyklus herangezogen werden“, so Kücükay, der lange über „Normverbrauch und Wirklichkeit“ forscht. Mit seinen Mitarbeitern entwickelte er die „3F-Methodik“, mit der sich repräsentative Zyklen generieren lassen.

Im realen Fahrbetrieb wird der „Prospektwert“ des NEFZ nur selten erreicht. Es gebe immer wieder Vorschläge von Autoherstellern und Interessengruppen, wie ein kundennaher Verbrauch zu ermitteln sei. Die wichen jedoch vom synthetischen Geschwindigkeitsprofil des NEFZ ab und setzten ihrer Meinung nach realitätsnahe Geschwindigkeits- und Verzögerungs- bzw. Beschleunigungsverläufe voraus. Kücükay sieht bei diesen „meinungsbildenden Zyklen“ neben einer nicht repräsentativen Zusammensetzung der verschiedenen Streckentypen, die Fahrstilunterschiede und die Fahrzeugbeladung unberücksichtigt.

„Wir haben am Institut eine ganzheitliche Methode entwickelt, die das Fahrerverhalten im realen Straßenverkehr berücksichtigt“, erklärte Kücükay. Demnach ist die Basis der „3F-Methode“ ein Raum, der durch die Parameter aus den drei Bereichen Fahrer, Fahrzeug und Fahrumgebung gebildet wird. Für den Fahrer ist dies der Fahrstil, der in die drei Kategorien schonend, durchschnittlich und sportlich unterteilt wird. Die Achse Fahrzeug wird durch die vier Beladungszustände leicht, mittel, voll sowie voll beladen mit Anhänger beschrieben. Die Fahrumgebung wird durch einen Kunden über die Wahl der Fahrstrecke beeinflusst. Der Kundenbetrieb ist vollständig abgedeckt, wenn die Streckenarten Stadt, Landstraße, Autobahn und Bergstraße erfasst werden. Damit ergeben sich 48 mögliche Kundeneinsatzprofile.

Grundlage für die Ermittlung der im Kundenbetrieb auftretenden Einflüsse ist laut Marjam Eghtessad die Identifikation des Fahrerverhaltens aller aufgeführten 48 Kundenprofile. Dies werde am IfF bereits seit vielen Jahren mithilfe ausgedehnter Messkampagnen ermittelt.

Die Probanden werden laut Eghtessad auf Basis objektiver Kriterien in die drei Fahrstilgruppen eingeteilt und ihr Fahrverhalten unter Variation der Fahrzeugbeladung auf definierten, repräsentativen Strecken erfasst. In den Messkampagnen, die je Auto etwa 60 000 km umfassen, werden die Daten, die Fahrer, Fahrzeug und Fahrumgebung betreffen und alle auftretenden Betriebszustände des Antriebs gesammelt.

Die Messdatensammlung ist die Basis für die Bestimmung der Merkmale und Anforderungen im Kundenbetrieb, so Eghtessad. Und sie wird durch Berücksichtigung weiterer Fahrzeugklassen und -typen kontinuierlich erweitert. Zudem diene sie der Parametrierung des statistischen Fahrer- und Fahrumgebungsmodells der am IfF entwickelten Simulationsumgebung MOVE3F – Modulare Variantenbasierte Entwicklungsplattform für 3F-Simulationen.

Die Verbrauchssimulation eines exemplarischen Pkw der Mittelklasse in MOVE3F verdeutlich laut Eghtessad, dass z. B. der Verbrauch der Pkw aller Stadtfahrer über den Werten der Landstraßen- oder Autobahnfahrer liegt – unabhängig von Fahrstil und Fahrzeugbeladung. Für die Diplomingenieurin resultiert das aus den differierenden Tempoprofilen, die sich durch Häufigkeit und Änderung von Fahrzeuggeschwindigkeit, Beschleunigung, Verzögerung und Haltephasen ergeben. W. PESTER

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