Automobilbau 08.04.2005, 18:38 Uhr

„Premium-Preis für deutsche Ingenieurskunst“  

VDI nachrichten, Stuttgart, 8. 4. 05 – Wendelin Wiedeking hat Porsche in den neunziger Jahren aus der Krise geführt. Der traditionsreiche Sportwagenhersteller ist heute dank neuer Modelle eines der profitabelsten Großunternehmen in Deutschland. Dauert die Erfolgsgeschichte an? Fragen an den Vorstandsvorsitzenden des Stuttgarter Automobilherstellers.

Wiedeking: Das Gütesiegel „Made in Germany“ ist für Porsche ein entscheidender Wettbewerbsvorteil auf den internationalen Märkten. Aus unserer Marktforschung wissen wir, dass unsere Kunden Porsche immer mit dem Standort Deutschland in Verbindung bringen. Dafür sind sie gerne bereit, einen Premium-Preis zu bezahlen. Offenbar genießen deutsche Ingenieurskunst und Qualitätsarbeit weltweit nach wie vor einen hervorragenden Ruf. Außerdem macht eine Produktion in einem eigenen Werk im Ausland, zum Beispiel in den USA, betriebswirtschaftlich keinen Sinn, da die Stückzahlen einfach zu gering wären.

VDI nachrichten: Unternehmen begründen den Gang ins Ausland aber nicht nur mit Kosten. Auch die Präsenz vor Ort wird immer wichtiger. Gilt das nicht für Porsche?

Wiedeking: Um in einem Markt Präsenz zu zeigen, muss man dort nicht zwangsläufig auch produzieren. Entscheidend ist, dass man eine schlagkräftige internationale Vertriebs- und Serviceorganisation hat und dass den Kunden vor Ort kompetente Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Und was das betrifft, brauchen wir uns vor unseren Wettbewerbern heute nicht mehr zu verstecken. Porsche ist mittlerweile in rund 90 Ländern der Erde über eigene Vertriebsniederlassungen oder Importeure vertreten.

VDI nachrichten: In Zeiten eines niedrigen Dollars wird das Exportieren für deutsche Unternehmen teuer. Wie hat Ihr Haus auf den lang anhaltenden Dollarverfall reagiert?

Wiedeking: Bereits seit Mitte der 90er Jahre sichern wir uns vorausschauend gegen Wechselkursschwankungen der wichtigsten ausländischen Währungen ab. Beim britischen Pfund und beim Yen sind wir auf drei Jahre, beim US-Dollar teilweise über einen noch längeren Zeitraum abgesichert. Gleichzeitig arbeiten wir sehr intensiv daran, unser Unternehmen durch Kostensenkungen und eine höhere Effizienz über alle Bereiche hinweg noch schlagkräftiger aufzustellen. Auch das hilft uns, negative Währungseffekte abzufedern.

VDI nachrichten: Das Geschäftsjahr 2004/05 ist mehr als zur Hälfte gelaufen. Werden Sie die Rekordwerte des Vorjahres im laufenden Geschäftsjahr toppen? Von welchen Absatz-, Umsatz- und Ertragssteigerungen gehen Sie aus?

Wiedeking: Anfang März haben wir unseren Aktionärsbrief vorgelegt, der für unsere Anleger eine erfreuliche Lektüre war. Denn es ist uns in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 gelungen, Absatz, Umsatz und Ertrag im Konzern erneut zu steigern.

Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass wir auch zum Abschluss dieses Geschäftsjahres am 31. Juli wieder sehr gute Zahlen vorlegen können. Nach allem, was wir heute wissen, werden wir bis dahin mindestens 80 000 Fahrzeuge absetzen, den Umsatz steigern und wieder ein hohes Ertragsniveau erreichen – immer vorausgesetzt, dass die globale Konjunkturentwicklung nicht durch unvorhergesehene geopolitische Ereignisse beeinträchtigt wird.

VDI nachrichten: In der Porsche-Hauptversammlung Ende Januar kritisierten Aktionärsvertreter, dass die Ausschüttungsquote bei Porsche nur magere 11 % beträgt. Warum sind Sie so knauserig bei der Dividende?

Wiedeking: Porsche ist – gemessen an den Großen unserer Branche – ein relativ kleines Unternehmen. In die Entwicklung unserer Modelle und Produktionsanlagen müssen wir allerdings im gleichen Maße investieren wie die anderen, sonst könnten wir im Wettbewerb um die Kunden nicht mithalten. Porsche braucht deshalb eine Finanzausstattung, die uns auch in stürmischen Zeiten Sicherheit gibt. Der Cash-Flow muss wachsen und die Reserven müssen ordentlich bedient werden – deshalb werden wir unsere Dividendenpolitik nicht ändern. Langfristig gesehen ist das auch im Sinne unserer Aktionäre. Im Übrigen würde ich nicht von einer mageren Dividende sprechen: Unsere Ausschüttungssumme für das Geschäftsjahr 2003/04 ist gegenüber dem Vorjahr um 17,8 % auf knapp 70 Mio. ? gestiegen.

VDI nachrichten: Porsche hat im vergangenen Geschäftsjahr Stellen in der Produktion eingespart. Außerdem forcieren Sie die Produktivität. Müssen jetzt auch die Mitarbeiter bei Ihnen um ihre Jobs fürchten?

Wiedeking: Nein, im Gegenteil: In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres ist die Zahl der Beschäftigten sogar noch einmal um knapp 2 % gestiegen. Aktuell beschäftigen wir im Konzern 11 755 Mitarbeiter, nahezu doppelt soviel wie im Jahr 1995. Richtig ist allerdings, dass wir zurzeit in der Produktion aus Altersgründen frei werdende Stellen nicht mehr neu besetzen. Wir arbeiten ständig an der Optimierung unserer Fertigung und erzielen damit Jahr für Jahr erhebliche Effizienzsteigerungen. Der gegenwärtige Stellenzuwachs betrifft deshalb vor allem den Vertrieb und die Dienstleistungsbereiche. Mittel- bis langfristig sollte unser Wachstumskurs aber auch in der Produktion zu Neueinstellungen führen.

VDI nachrichten: 2003/04 haben Sie einen Rekordgewinn von fast 1,1 Mrd. ? vor Steuern erzielt. Besonders der Cayenne läuft phantastisch. Hält dessen Erfolgsstory an?

Wiedeking: Keine Frage, der Cayenne ist am Markt richtig eingeschlagen. Der weltweite Jahresabsatz von 40 000 Einheiten hat selbst unsere Erwartungen übertroffen – ursprünglich hatten wir ja nur mit 25 000 Fahrzeugen jährlich gerechnet. Und ein Ende der weltweit starken Cayenne-Nachfrage ist nicht in Sicht. Denn wer in diesem Segment das Beste will, kommt heute an unserem sportlichen Geländewagen einfach nicht vorbei. Für die Zukunft jedenfalls sind wir sehr optimistisch.

VDI nachrichten: Mit dem Cayenne und Ihren Sportwagen wollen Sie mittelfristig einen Absatz von jährlich 100 000 Fahrzeugen erreichen. Das setzt zusätzliche Kapazitäten in der Produktion voraus. Wo sollen diese entstehen?

Wiedeking: Das von Ihnen genannte mittelfristige Absatzziel bezieht sich ausschließlich auf unsere bestehenden drei Baureihen. Dazu gehört auch das kürzlich angekündigte Sportwagen-Modell Cayman, das auf der Boxster-Plattform basiert. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir aber an unseren Standorten in Zuffenhausen und Leipzig keine zusätzlichen Kapazitäten aufbauen. Der Produktionsverbund mit unserem finnischen Partner gibt uns ein hohes Maß an Flexibilität.

VDI nachrichten: Der Boxster und der 911, die am Markt in ihren alten Versionen nicht mehr so begehrt waren, rollen mittlerweile „runderneuert“ auf den Straßen. Sind Sie mit deren Absatzzahlen zufrieden?

Wiedeking: Wir haben unsere Sportwagen nicht nur erneuert, sondern komplett neue Fahrzeuggenerationen auf den Markt gebracht. Dass wir damit voll ins Schwarze getroffen haben, zeigt die positive Resonanz bei Kunden und Fachjournalisten. Diese schlägt sich nicht nur in vollen Auftragsbüchern, sondern auch schon in den aktuellen Verkaufszahlen nieder. So ist der Absatz der 911-Baureihe im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres um fast 20 % auf 12 311 Fahrzeuge angestiegen – davon entfielen bereits 9844 Einheiten auf die neue Generation.

VDI nachrichten: Porsche ist finanziell gut gepolstert. Eine vierte Baureihe, an die Sie ja bekanntlich denken, ließe sich also leicht finanzieren. Welches Klientel wollen Sie damit ansprechen?

Wiedeking: Der Porsche-Vorstand wird erst Mitte des Jahres über eine mögliche vierte Baureihe entscheiden. Noch ist diese Frage völlig offen, denn der Wachstumskurs von Porsche lässt sich auf absehbare Zeit auch mit drei Baureihen problemlos absichern. Aber eines ist klar: Sollte Porsche tatsächlich eine vierte Modellreihe auf den Markt bringen, dann werden wir damit in den Teichen unserer Wettbewerber fischen. Mit dem Cayenne haben wir ja bereits gezeigt, zu welchen Überraschungen Porsche fähig ist.

VDI nachrichten: Porsche liebäugelt mit dem Hybridantrieb. In Frage kommt dafür wohl nur der Cayenne, dessen Stückzahlen für eine Hybrid-Eigenentwicklung aber zu gering sind. Wäre der Hybridmotor des Toyota Lexus für Porsche deshalb eine Alternative?

Wiedeking: Ob sich die Hybridtechnik tatsächlich für den Cayenne eignet, prüfen wir derzeit in unserem Forschungs- und Entwicklungszentrum. In diesem Zusammenhang haben wir auch bereits mit mehreren potenziellen Kooperationspartnern Gespräche aufgenommen. Um welche Unternehmen es sich dabei handelt, das möchten wir aber in einem so frühen Stadium unserer Überlegungen noch nicht bekannt geben.

VDI nachrichten: Warum bieten Sie den Cayenne nicht auch mit Dieselmotor an?

Wiedeking: Gegen den Diesel sprechen gleich mehrere Argumente. Ganz wesentlich ist natürlich, dass er nicht die fahrdynamischen Eigenschaften mitbringt, die unsere Kunden heute von einem Porsche erwarten. Mit einem schweren Dieselmotor, dessen Nenndrehzahl erheblich unter der eines aktuellen Porsche-Triebwerks liegt, lässt sich das gewünschte sportlich-emotionale Fahrerlebnis nicht realisieren.

Entscheidend ist aber die Umweltverträglichkeit. Hier bleibt der Diesel selbst mit Rußfilter deutlich hinter einem modernen Benziner mit Drei-Wege-Katalysator zurück. Außerdem wiegt ein Dieselmotor wesentlich mehr als ein in der Leistung vergleichbarer Benzinmotor. Er ist auch in der Herstellung um einiges teurer als der Benziner.

VDI nachrichten: Noch in diesem Jahr beginnen Sie mit dem Bau eines Porsche-Museums in Zuffenhausen. 50 Mio. € kostet der Spaß. Ist das nicht ein bisschen viel Geld?

Wiedeking: Unser derzeitiges Museum ist einfach zu klein. Auf engem Raum bietet es Platz für gerade mal 20 Exponate. Es war deshalb seit vielen Jahren der Wunsch unserer Kunden und sogar unserer Aktionäre, aber auch von Oldtimer-Liebhabern und Motorsport-Interessenten aus der ganzen Welt, dass Porsche seiner Geschichte mehr Raum gibt. Diesem Wunsch kommen wir jetzt nach. Wir wollen 2007 ein neues Museum eröffnen, das schon von seiner Architektur her die Einzigartigkeit der Marke Porsche unterstreicht. Es geht uns darum, das gesamte historische und zeitgenössische Wissen um und über die Marke Porsche zu bündeln.

Mit dem neuen Museum werden wir eine noch intensivere Traditionspflege betreiben. Ich bin mir sicher, dass wir hier an der richtigen Stelle investieren – denn damit stärken wir Ansehen und Wert unserer Marke. D. HEUMANN

Ein Beitrag von:

  • Dieter Heumann

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