Automobilbau 15.07.2005, 18:39 Uhr

Peter und der Wulff  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 7. 05 – Die VW-Affäre ist das Ende eines Konfliktes zwischen dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, VW-Personalvorstand Peter Hartz und der IG Metall.

Triumph und Tragik liegen eng beieinander. Das musste Peter Hartz, Personalvorstand bei VW, in den vergangenen zwei Wochen erfahren.

Noch am 29. Juni stellte Hartz in Berlin bei einer Veranstaltung mit dem Bundeswirtschaftsminister und dem BDI-Präsidenten seine Vision für eine Mitbestimmung im 21. Jahrhundert vor. Vergangenen Mittwoch hat das Präsidium des Aufsichtsrates das Angebot von Hartz, von seinem Amt zurückzutreten, angenommen.

Dazwischen liegt die Aufdeckung einer Affäre um Tarnfirmen und Lustreisen, die Europas größten Automobilhersteller erschüttert. Hartz und Konzernchef Bernd Pischetsrieder haben den Vorwurf, den Betriebsrat gekauft zu haben, als „absurd“ zurückgewiesen. Dennoch: Hartz verlässt VW – ohne Abfindung. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Der Spitzenmanager stand seit seinem Einstieg bei VW 1993 für innovative Personalkonzepte. Mit der Vier-Tage-Woche vermied er die Entlassung von 30 000 Beschäftigten, mit dem Tarifmodell 5000×5000 hat er gezeigt, dass auch in Hochlohnländern profitable Industriearbeitsplätze geschaffen werden können.

Hartz ist ein engagierter Verfechter der Mitbestimmung auf Unternehmensebene. Mitbestimmung müsse sich innerhalb eines Konzerns „dem Wettbewerb aller Standorte stellen“. Die Beschäftigten müssen am Erfolg beteiligt werden – im „Positiven wie im Negativen“. Das sei die „Formel für die Einkommensentwicklung in Hochlohnländern wie Deutschland“.

Trotz der Erfolge von Hartz: Für Christian Wulff (CDU) – als Ministerpräsident von Niedersachsen auch Mitglied im Aufsichtsrat – ist Hartz die Symbolfigur für das „System VW“, für die enge Verflechtung von Vorstand, Betriebsrat, IG Metall und Landes-SPD.

Hinzu kommt: Hartz ist ein Vertrauter von Gerhard Schröder, sein Name steht für die einschneidendste Sozialreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Solche Reformen wurden auch von Union und FDP gefordert, aber sie tragen den Namen eines SPD-Parteigängers.

Die Konflikte zwischen Wulff und VW begannen 2003. Zunächst bezeichnete Wulff einen von der IG Metall bei VW organisierten Protest zum Erhalt der Tarifautomomie als rechtswidrig, dann forderte er längere Arbeitszeiten und Veränderungen am Haustarif. Er sah bei der IG Metall die Schuld für den schwachen Kurs der VW-Aktie und machte Hartz verantwortlich, dass Vorstand und Aufsichtsrat zu spät über weiterlaufende Gehaltszahlungen an VW-Mitarbeiter informiert wurden, die gleichzeitig ein Mandat für die SPD hatten. Die VW-Affäre, so der Mitbestimmungsforscher Leo Kißler von der Uni Marburg, bedeute jedoch weder das Ende der Mitbestimmung noch das Ende des VW-Modells mit der Kapitalbeteiligung des Landes Niedersachsen und dem VW-Gesetz.

Kißler mahnt aber Änderungen in den Beziehungen zwischen Vorstand, Betriebsrat und Gewerkschaft an. Die Trennlinien zwischen dem gewählten Betriebsrat und der IG Metall müssten deutlicher gezogen werden.

Für den Gewerkschaftsforscher Josef Esser von der Uni Frankfurt hat die VW-Affäre eine politische Dimension. Sie könnte die Mitbestimmung beschädigen und die Gewerkschaften schwächen. Vor dem Hintergrund eines möglichen Machtwechsels im Herbst sei der Zeitpunkt der Affäre „sehr interessant“.

Wulff hat weder die Landesbeteiligung, und damit den Einfluss Niedersachsens auf den Konzern, noch das VW-Gesetz in Frage gestellt. Dieses Gesetz beschränkt die Stimmrechte auf 20 % und schützt das Unternehmen vor feindlichen Übernahmen. Gegen das VW-Gesetz klagt die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof.

Auf den Aktienkurs wirke sich die VW-Affäre nicht aus, meinen Analysten der Bank Société Générale (SG). Im Gegenteil: „Der jüngste Skandal schwächt die Position der Gewerkschaften, Verhandlungen über Kostensenkungen dürften viel einfacher werden“, hofft SG-Analyst Eric-Alain Michelis.

Dass durch den Weggang von Hartz härtere Zeiten für die Beschäftigten von VW anbrechen könnten, wird von IG-Metall-Chef Jürgen Peters bestritten. „Die Arbeitnehmer werden weiterhin so stark sein, sich einer blindwütigen Geschäftspolitik zu widersetzen“, erklärt Peters. Zugleich warnt er davor, den als Sanierer nach Wolfsburg geholten Wolfgang Bernhard als Job-Killer hinzustellen. Bernhard sei ein „geradliniger und fähiger Manager“.

Auf der Betriebsversammlung Ende Juni in Wolfsburg konnte sich Bernhard in seiner zupackenden Art bei den Beschäftigten Respekt verschaffen, meint ein Gewerkschafter. Es könnte für ihn leichter werden, bei den Mitarbeitern Rückhalt zu bekommen, als die Führungskräfte auf Linie zu bringen.

Ein Einzelfall in Deutschland sei die Korruptionsaffäre bei VW nicht, meint der auf Bestechlichkeitsdelikte spezialisierte Frankfurter Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner. Auch die Landesbeteiligung und die engen Beziehungen zwischen Vorstand und Betriebsrat hätten nach seiner Einschätzung keine Rolle gespielt.

Der Fall DaimlerChrysler zeigt, dass Schaupensteiner Recht hat. In der Korruptionsaffäre um den Stuttgarter Automobilkonzern ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 17 Personen. Den ehemaligen Mitarbeitern wird Untreue, unter anderem mit der Auftragsvergabe für Bauleistungen, sowie Bestechlichkeit und Bestechung vorgeworfen.

AP/AFP/rts/HAS

Von Ap/Afp/Rts/Hartmut Steiger
Von Ap/Afp/Rts/Hartmut Steiger

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in (m/divers/w) für den Bereich Unfallanalyse Berlin
Nexans Autoelectric GmbH-Firmenlogo
Nexans Autoelectric GmbH Teamleiter (m/w/d) CAD-Konstruktion Automotive Floß in der Oberpfalz
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Systemingenieur modellbasierte Entwicklung (MBSE) (m/w/d) Garching bei München, Leipzig, Erlangen, Berlin
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Versuchsingenieur für Betreuung von Teilsystemplätzen (m/w/d) Garching bei München, München
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Fahrzeugba…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.