Automobilbau 22.02.2002, 17:32 Uhr

Opel will mit dem neuen Vectra aus dem Tal der Tränen fahren

20 250 d

Opel kämpft seit Jahren mit zurückgehenden Verkaufszahlen, sinkenden Marktanteilen und hohen Verlusten. Die dramatische Entwicklung will die Traditionsmarke jetzt mit dem neuen Vectra umkehren und wieder bergauf fahren. „Unsere Ingenieure sind mit Herzblut an die Sache herangegangen“, meinte Opel-Chef Carl-Peter Forster am 14. Februar vor der Presse und fügte hinzu, dass man rund 1 Mrd. d in die Entwicklung des neuen Vectra investiert hat. Den größten Teil davon in die neue Fertigung in Rüsselsheim. Damit die Mittelklasse für Opel wieder ein Erfolg wird, müssen nicht zuletzt die geplanten Schwestermodelle des Vectra auf dem Markt erfolgreich sein – die Schrägheck-Limousine GTS (kommt im Sommer), die Kombi-Version Caravan und der Van-artige Signum.

An die Spitze der Mittelklasse soll sich der neue Vectra setzen – zumindest technisch, da sind sich die Opel-Vorstände einig. Anfang März, auf dem Genfer Autosalon, wird die Limousine erstmals präsentiert, ab 27. April zu Preisen ab 20 250 d ausgeliefert. Der Neue überzeugt vor allem durch technische Details wie das sehr sichere „IDS“-Fahrwerk mit ESP Plus, der neus­­ten Generation des Anti­schleu­dersystems.

Neben viel Platz und Komfort fast wie in der oberen Mittelklasse bietet der Vectra eine breite Ausstattung – und das zu erschwinglichen Preisen. Forster will nicht das billigste Fahrzeug im Segment liefern, sondern das mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis. Letztlich muss auch das Image wieder stimmen.

Zu den Innovationen des Neuen zählen seine leistungsstarke Elektrik und Elektronik. Eines ihrer Hauptmerkmale ist die Signalübertragung über „CAN“-­Datenbus-Systeme. Mit seinen 40 Sensoren zählt der Vectra laut Opel zu den „feinfühligsten“ seiner Klasse. Er erfasst und verarbeitet eine Vielzahl von Informationen  – vom Luftdruck der Rei­fen bis hin zum für die Klimatisierungsautomatik wichtigen Sonnenstand. Mit dem CAN-Datenbus konnten Länge und Gewicht des Kabelbaums erheblich reduziert werden. Zahlreiche Relais wurden durch Halbleiterschalter und konventionelle Glüh­lampen durch LED-Dioden ersetzt werden. Letztere kommen beispielsweise in der Schalter- und Instrumenten-Hinterleuchtung sowie in der dritten Bremsleuchte zum Einsatz.

Obwohl der Neue größer, stabiler, sicherer und besser ausgestattet ist als sein Vorgänger, gelang es, die übliche Gewichtszunahme auf 40 kg zu begrenzen. 284 Einzelmaßnahmen haben dazu beigetragen, 154 kg einzusparen. Aluminium wird zum Beispiel beim Fahrwerk und bei der Fronthaube eingesetzt, Magnesium beim Armaturentafelträger. Mit dem Einsatz von Leichtmetall und hochfesten Materialien, darunter Bor-legierte und Dualphasen-Stähle, will Opel in Stabilität und Sicherheit, Komfort und Qualität Maß­stäbe setzen. Wesentlichen Anteil an der hohen Strukturfestigkeit der Karosserie haben  höherfeste und höchst­feste Stahlqualitäten. Ihr gewichtsmä­ß­iger Anteil nahm von 9 % beim Vorgänger auf nun 52 % zu. Dadurch erhöhte sich die Torsionssteifigkeit gegenüber dem alten Typ um 74 % auf jetzt
18 000   Nm/Grad, die Biegesteifigkeit stieg um 62 %. Das schlägt sich beim Fahren in Stabilität, Komfort und Sicherheit nieder.

Das neue „IDS“-Fahrwerks, es steht für Interaktives Dynamisches Fahrsystem, führt die weiterentwickelten Kontroll- und Sicherheitsfunktionen der einzelnen Fahrwerkskomponenten zusammen. Die Basis bilden eine an einem Fahrschemel angelenkte McPherson-Vorderachse und eine neue Mehrlenker-Hinterachse, beide mit Aluminium-Elementen zur Reduktion ungefederter Massen. Hinzu kommen eine Kennfeld-gesteuerte elektro-hydraulische Servolenkung sowie elektronische Bremsfunktionen wie ABS, Kurvenbremskontrolle, Bremskraftverteilung und Bremsassistent.

Noch größere Fahrstabilität will Opel mit dem serienmäßigen elektroni­schen Stabilitäts-Programm (ESP) der neuesten Generation gewährleisten. Das ESP Plus regelt zur Stabilisierung in starken Untersteuersituationen statt nur des kurveninneren Hinterrades bis zu drei Räder durch Bremseneingriff. Die Kurskorrektur erfolgt dadurch deutlich sensibler und wirkungsvoller.

Die Stufenheck-Limousine mit den großen Scheinwerfern und dem hohen Heck wird mit 1,8-l- und 2,2-l-Vierzy­linder (90 kW bzw. 108 kW) angeboten. Die Top-Motorisierung mit dem Leichtmetallmotor trägt zu einem harmonischen Gesamteindruck bei. Die beiden Direkteinspritzer-Diesel mit 2,0 l und 2,2 l Hubraum (74 kW bzw. 92 kW) arbeiten mit der Radialkolben-Verteilereinspritzpumpe VP 44 PSG 16 von Bosch, die Einspritzdrücke an den Düsen bis zu 1800 bar ermöglicht. Der 2.2 DTI bietet guten Durchzug, viel Laufkultur und niedrige Verbrauchswerte. In ein bis zwei Jahren sollen neue Common-Rail-Diesel zum Einsatz kommen, außerdem arbeitet Opel an Benzin-Direkteinspritzern und Ottomotoren mit Turboaufladung. Über die heute verfügbaren Fünfganggetriebe und Fünfstufen-Automatik hinaus will Opel bald auch Sechsganggetriebe und das stufenlose Automatikgetriebe CV­Tro­nic offerieren.

Vieles beim Vectra zeigt Liebe zum Detail, so der Gasdruckdämpfer, der die Motorhaube offen hält, die abschließbaren Rücksitzlehnen, die optional über die Fernbedienung der Zentralverriegelung funkgesteuerte Memory-Funktion des Fahrersitzes.

Opel-Chef Forster sieht den Vectra als Symbol für die Erneuerung der Marke. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob das Unternehmen mit seinem neuen Mittelklasse-Wagen aus der gegen­wärtigen Misere fahren kann, so, wie es Ford mit dem Focus und dem Mondeo geschafft hat. Eine Vielfalt von attrak­tiven Modellen auf der Vectra-Basis – „alle sechs Monate ein neues Modell“, so Forster, – könnte den Rüsselsheimern dabei entscheidend helfen. Dazu gehören mit um 130 mm verlängertem Radstand der Kombi und der Signum, der Raum wie in der Oberklasse offe­rieren soll. INGO REUSS/WOP

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