Automobilbau 24.01.2003, 18:23 Uhr

Opel-Chef Forster will über Marterstrecke zum Erfolg

Opel wird voraussichtlich früher in die Gewinnzone fahren als angekündigt – schon in der zweiten Jahreshälfte.

Trotz guter Perspektiven hält Opel-Chef Carl-Peter Forster an seiner „Rosskur“ für die einzelnen Werke fest.
Über Erwarten ging im vergangenen Jahr der operative Verlust bei der Adam Opel AG um 447 Mio. d auf 227 Mio.€ zurück. Und das obwohl der Umsatz von 16 Mrd.€ auf 14,6 Mrd.€ sank und die Zahl der verkauften Pkw um knapp 130 000 auf 1,2 Mio. Stück zurückging. In der zweiten Jahreshälfte rechnet Opel-Chef Carl-Peter Forster wieder mit schwarzen Zahlen. Dennoch zieht er weiter die Daumenschrauben fest an. Opel schrumpft nach Forsters Plänen langfristig auf ein Unternehmen zusammen, das Autos konstruiert, montiert und verkauft.
Entwicklung und Bau von Motoren wurden bereits aufgegeben und komplett an die Firma Powertrain ausgegliedert, die zu 50 % Fiat, zu 30 % General Motors (GM) und zu 20 % Opel gehört. Komponenten werden zunehmend von Dritten entwickelt und gefertigt. Mit diesem Kurs verabschiedet sich die Opel AG kurzfristig vom Standort Kaiserslautern und setzt das größte inländische Montagewerk Bochum unter Druck.
In Kaiserslautern werden 2,0-l- und 2,2-l-Benzinmotoren und der 2,0-l-Diesel von Powertrain gebaut. Zudem verlagerte Opel zum 1. Dezember 2002 die Montage von rund 100 000 kleinen Zwei-Ventil-Motoren von Bochum nach Kaiserslautern. Dabei handelt es sich jedoch um Maschinen, die maximal noch zwei Jahre gefertigt werden. Die restliche Opel-Fertigung in Kaiserslautern, der Bau von Komponenten wie Motorhauben, soll an ThyssenKrupp Automotive, Bochum, verkauft werden. Die Gespräche stocken daher brachte Forster Anfang Januar bei der Automobilmesse in Detroit als Alternative das „Aus“ für diesen Betrieb ins Gespräch.
In Bochum, wo mit rund 10 000 Beschäftigten noch jeder dritte Opelaner arbeitet, wurde dem Powertrain-Werk die in Österreich angesiedelte Fertigung von 100 000 Getrieben zugeschlagen. Die Jahresproduktion steigt von 400 000 auf 540 000 Getriebe angepeilt sind sogar 600 000 Stück, die dann von der Belegschaft auch an Samstagen und in der Nacht von Sonntag auf Montag gefertigt werden sollen, so Werksleiter Manfred Kranner.
Für das Montagewerk Bochum I ist der Bestand derzeit nur bis zum Auslaufen des kommenden neuen Zafira- und Astra-Combi-Modells von Forster zugesagt worden. Die einzigen beiden Modelle, mit denen Opel aktuell wohl Geld verdient, stehen vor einer schweren Wegstrecke: Dem Zafira erwächst mit dem VW Mini-Van Touran Konkurrenz. Intern wird der neue Opel Meriva, der in Portugal auf einer verlängerten Corsa-Plattform montiert wird, als kleiner Zafira-Bruder Teile des Absatzes „kannibalisieren“.
Das neue Astra-Kombi-Modell wird erst nach der Sommerpause 2004 in Bochum vom Band laufen. Der neue Golf V ist dann schon mehrere Monate auf dem Markt, der neue Astra wird ab Anfang 2004 als Stufen- und Schrägheck im Werk Antwerpen gebaut. Bochum blickt also in eine ungewisse Zukunft, zumal eines der beiden Montagebänder nach der Sommerpause 2003 stillgelegt wird.
Offensichtlich setzt Forster verstärkt auf den Standort Rüsselsheim, wo „die weltweit profitabelste Autofabrik errichtet worden ist“, so ein Opel-Sprecher. Dort ist der neue Vectra erfolgreich gestartet, jetzt kommt mit dem Signum ein neuer Typ auf den Markt: Er gehört wie der Zafira zu den „innovativen Fahrzeugkonzepten“, die bei Opel einmal 40 % der Produktion ausmachen sollen. Der Wagen ist flexibler nutzbar und höher als der Vectra. Zum Herbst wird dann der Vectra-Kombi das Aus für die Omega-Baureihe besiegeln.
Opel reklamiert für sich, bei der Senkung der Fertigungstiefe an der Spitze der Massenhersteller von Pkw zu stehen. Mit dieser Verlagerung von unternehmerischem Risiko auf Dritte, der vollständigen Erneuerung der Modellpalette bis 2006, einer um 32 % verringerten Reklamationsquote in den vergangenen vier Jahren und Werbeanstrengungen für die Marke Opel sollte es Forster schaffen, seine Unternehmen auf die Erfolgsspur zu bringen.
Dabei wird der interne Druck auf alle Bereiche, die nicht zum engsten Kerngeschäft zählen, immer stärker: Was mit der Achsfertigung im Werk?II in Bochum geschieht, wenn die aktuellen Gespräche mit dem Autozulieferer Benteler scheitern, lässt Forster offen. Immerhin arbeiten dort 670 Opelaner.
Das finanzielles Risiko aus der Powertrain-Beteiligung ist minimal: Obwohl die Powertrain-Mutter Fiat in Italien in tiefen Problemen steckt und ihre Absatzziele nicht erreicht, ist die deutsche Fertigung stabil. Mögliche Verluste braucht Forster nicht in die Opel-Bilanz zu nehmen, da die Adam Opel AG ihre 20-%-Beteiligung nicht konsolidieren muss.
Als schnelle Ergebnisse des Powertrain-Joint-Ventures stehen ein 1,3-l- und ein 3,0-l-Dieselmotor vor der Produktionsaufnahme. Die kleine Maschine wird in einem früheren Fiat-Werk in Polen, die große von der GM-Tochter Isuzu gefertigt. Langfristig werden die Powertrain-Werke bei der Beschäftigung im Inland maximal stagnieren: Je weiter die Produktionen nach Osten oder Süden verlagert werden, desto mehr sinken die Lohnkosten. Ein deutscher Bandarbeiter verdient das Siebenfache dessen, was seine ungarischen Kollegen bekommen – da sind Diskussionen um die Absenkung des zu hohen deutschen Opel-Lohns müßig, der 20 % über dem Metall-Tarif liegt.
MARTIN ROTHENBERG/WOP

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