Faltbar zu einem Rollkoffer 02.02.2018, 12:50 Uhr

Ohne Witz: Das ist ein Auto zum Aufblasen

Automobilexperten reden heute gerne über Fahrassistenten und autonomes Fahren. Ein Hochschulprofessor aus Berlin denkt da eher antizyklisch und hat mit solchem Technikhype nichts am Hut. Er will ein serienreifes Auto bauen, das man aufblasen kann.

Das ist ein aufblasbares Auto, das nicht einmal 400 kg wiegt und sich zur Größe eines Hartschalenkoffers zusammenfalten lässt.

Das ist ein aufblasbares Auto, das nicht einmal 400 kg wiegt und sich zur Größe eines Hartschalenkoffers zusammenfalten lässt.

Foto: Dandelion

Wenn über Innovationen beim Automobilbau gesprochen wird, dann geht es um Sicherheit, dann geht es um Stahl oder Karbonfasern, um Knautschzonen und Fahrassistenten. Und neuerdings sogar um Geräuschentwicklung für Elektroautos, die angeblich viel zu leise sind. Das alles interessiert Professor Ullrich Hoppe vom Studiengang Fahrzeugtechnik der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin nicht die Bohne. Er will – und das ist jetzt kein Scherz – ein Auto in die Serienproduktion bringen, das man aufblasen kann.

„Die Idee zu Dandelion, einem Auto, das man bei Bedarf aufblasen kann und das sonst keinen Platz wegnimmt, geistert schon seit der Kindheit in mir herum“, erzählt der 51 Jahre alte Querdenker, der – und das ist für die Geschichte wichtig – extrem gerne mit seinem Wohnmobil unterwegs ist.

„Gehst du wieder zu deiner Pusteblume in der Garage?“

„Wenn man am Tag einen Ausflug unternehmen will und dazu das Wohnmobil nutzt, ist am Abend vielleicht der Stellplatz weg“, sagt Hoppe. „Man kann den Wagen stehen lassen und das Fahrrad nehmen – aber das geht nur bei schönem Wetter.“ So reifte die Idee für ein Auto heran, dass nur bei Bedarf wirklich groß und fahrbar wird und ansonsten irgendwo platzsparend im Wohnmobil verstaut wird.

Entwickelt hat das aufblasbare Auto der Berliner Prof. Ullrich Hoppe.

Entwickelt hat das aufblasbare Auto der Berliner Prof. Ullrich Hoppe.

Quelle: Dandelion

Ganz konkret wurde es für Hoppe vor einigen Jahren im Campingurlaub, „als unser Nachbar den Smart aus seinem Wohnmobil herausfuhr“. Solche Wohnmobile mit Platz für einen Kleinwagen sind extrem teuer und für Ullrich Hoppe keine Kaufoption. Deshalb war tüfteln angesagt. „Ich tüftele schon seit zwei Jahren. Meine Frau sagt immer. Na, gehst du wieder zu deiner Pusteblume in der Garage?“ So hatte der mobile Fahrzeugtechnikprofessor auch rasch den Namen für sein Aufblas-Auto. Dandelion heißt auf Englisch Pusteblume.

Dandelion gehört nicht auf die Autobahn

Dieses Aufblas-Auto wird niemals auf Autobahnen fahren können. Soll es auch nicht: Die maximale Geschwindigkeit ist auf 60 km/h beschränkt. Es geht Ullrich Hoppe auch nicht um ein Auto für den Alltag. Vielmehr ist das Ziel, ein kleines, transportables, komprimierbares Fahrzeug für maximal zwei Personen und einen Wocheneinkauf oder auch einen Hund zu entwickeln. Gedacht für Menschen mit Wohnmobilen oder Städter ohne Parkplatz. Der Dandelion soll in die Fahrzeugklasse L7e als leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug eingestuft werden, was ein Maximalgewicht von 400 Kilogramm entspricht.

Aufblasbare Karosserie

Dabei soll die Karosserie aufblasbar sein, ähnlich wie bei einem Schlauchboot, welches auch mit einem Motor angetrieben werden kann. Hoppe favorisiert für seinen Dandelion einen Elektromotor, bleibt aber sehr im vage, wenn es um die konkrete Technik geht. Als Reichweite gibt er 30 Kilometer an. Die Energie soll aus einem Lithium-Eisen-Phosphat-Akku kommen.

Der Dandelion soll mit einer Einzelradaufhängung an allen Rädern ausgestattet werden, wobei Prof. Hoppe für die Vorderachse Doppelquerlenker favorisiert, an der Hinterachse Längslenker. Es soll ein Hinterradantrieb mit zwei Synchronmaschinen mit Reduziergetrieben zum Einsatz kommen.

„Fast so stabil wie Stahl“

Der wohnmobilbegeisterte Berliner Professor hat inzwischen mit einer Gruppe von Studierenden am Studiengang Fahrzeugtechnik einen Prototyp für einen speziellen, faltbaren Unterboden gebaut, in dem die Fahrzeugtechnik samt Motor untergebracht werden soll. Dieser selbsttragende Unterboden trägt den aufblasbaren Aufbau.

Ein Auto, das sich zur Größe eines Koffers zusammen falten lässt.

Ein Auto, das sich zur Größe eines Koffers zusammen falten lässt.

Quelle: Dandelion

Karosserie, tragende Elemente und Sitze sollen aus einem aufblasbaren Material bestehen. „Herrscht der richtige Innendruck, wird das fast so stabil wie Stahl“, meint Hoppe. Der Clou: Alle diese aufgeblasenen Elemente des Autos können, wenn die Luft wieder raus ist, flach zusammengedrückt und in den selbsttragenden Unterboden verstaut werden.

Komprimiert ist der Dandelion sehr kompakt

So komprimiert ist der Dandelion dann ziemlich kompakt: Er ist dann etwa 1,20 Meter lang, 1 Meter hoch und 75 Zentimeter breit. Der serienreife Dandelion soll, um transportabel zu sein, als Leergewicht etwa 120 Kilogramm auf die Waage bringen. Mit einem solchen rollenden Leichtgewicht kann tatsächlich das vor allem in den Innenstädten gravierende Parkplatzproblem endlich gelöst werden. „Einen Parkplatz mit einem Auto zu blockieren, das man nur einmal in der Woche braucht, ist nicht wirklich sinnvoll. Dann nehme ich das Auto doch lieber mit in die Wohnung, den Keller oder den Hausflur, wenn man es nicht braucht“, sagt Ullrich Hoppe.

Nur 431 Euro vom 25.000 Euro Finanzierungsziel erreicht

Da es für solche verrückten Ideen keine öffentliche Gelder gibt, hat Hoppe eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext angeschoben. Diese ist inzwischen bereits beendet und hat vom ausgegebenen Finanzierungsziel von 25.000 Euro gerade einmal 431 Euro erbracht. Ganze 7 Unterstützer glaubten an die Idee eines aufblasbaren Autos vom wohnmobilverrückten Professor Hoppe.

Vielleicht ist die automobile Welt noch nicht reif für solche Wagnisse. Ullrich Hoppe indess will nicht aufgeben. Im Herbst 2018 will er den Prototyp des Dandelion vorstellen. Wir bleiben dran.

Wenn Sie sich für kleine Autos interessieren, dann bestimmt auch für das kleinste Auto der Welt, mit dem man wirklich fahren kann: die Neuauflage des P50.

Von Detlef Stoller

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