Automobilbau 14.12.2001, 17:32 Uhr

Noble Volkswagen „made in Dresden“

Mitten in Dres­dens City eröffnete VW seine „Gläserne Ma­nu­faktur“. In reinsten Räu­men, auf edlem Ahorn-­Parkett kann man miterleben, wie der noble VW Phae­ton entsteht.

Dresden ist nun eine Autostadt. VW eröffnete am 11. Dezember am Straßburger Platz neben dem Botanischem und dem Großen Garten die „Gläserne Manufaktur“ und gab damit, wie Konzernchef Ferdinand Piëch es formulierte, den „Startschuss für ein neues Kapitel Automobilgeschichte“. An dem feierlichen Festakt nahmen zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft teil, allen voran Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die Festrede hielt, sowie der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. Kurt Biedenkopf. Jetzt wird dort die neue Oberklasse-Limousine von VW gefertigt.

Die auf den Namen „Phaeton“ getaufte Luxus-Limousine wird im nächsten Frühjahr auf dem Genfer Autosalon zu sehen sein und ab Mai angeboten werden. Die Bandbreite der Preise reicht laut VW-Chef Piëch von ca. 100  000  DM für die V6-Sechszylinder- bis etwa 200  000  DM für die Zwölfzylinderversion. Im 5,05 m langen und 1,89 m breiten Phaeton soll erstmals auch ein V10-Dieselmotor angeboten werden. Der für den Sommer 2002 erwartete Super-Diesel 5,0-l-V10 TDI soll über 230 kW Leistung verfügen und ein „dinoartiges“ Drehmoment von 750 Nm bei 1950 min-1 bereitstellen. Mit dem neuen Werk in Dresden und der ersten Oberklasse-Limousine der Marke fühlt sich VW gut gerüstet für die Konkurrenz in einem Segment, in dem der VW Phaeton „made in Dresden“ auf den BMW 7er, die Mercedes S-Klasse und den Audi A8 treffen wird.

Edle Produkte aus Sachsen haben Tradition. Mit dem Porzellan aus Meißen machte schon August der Starke gute Geschäfte. Nun freut sich Landesvater „König Kurt“ über die wieder aufgelebte automobile Tradition des Freistaates Sachsen, aus dem vor 1945 jedes vierte Auto Deutschlands kam. Piëch erinnerte an Wanderer in Chemnitz (gegründet 1885), an Horch (1903), DKW (1907) und Audi (1909) in Zwickau. Sie verschmolzen 1932 zur Auto Union AG und firmierten später dann unter dem Namen Audi.

Auch heute ist die Automobilindustrie mit mehr als 62 000 Beschäftigten wieder eine Schlüsselbranche der sächsischen Wirtschaft, betonte Piëch. VW habe sie in den letzten zehn Jahren mit Investitionen in seinen Werken Chemnitz und Zwickau entscheidend mitgeprägt. Mit der Eröffnung der Gläsernen Manufaktur in Dresden werde Automobilgeschichte betrieben. Als erster Hersteller verwirklicht Volkswagen ein Produktionskonzept, das „Prozesse der klassischen industriellen Automobilproduktion und manufakturartiges Arbeiten miteinander verknüpft“. Das ließ sich der Konzern 365 Mio. DM (187 Mio. d) kosten. Rund fünf Jahre nach der Entscheidung für den Bau der Nobellimousine und 868 Tage nach der Grundsteinlegung wurde die von der Architekten-Gruppe Gunter Henn umgesetzte Gläserne Manufaktur eröffnet. Hier sollen künftig bis zu 800 Mitarbeiter maximal 150 Oberklasse-Modelle pro Tag montieren. Derzeit arbeiten dort bereits 250 Beschäftigte. Bei den Zulieferern im Umfeld der Manufaktur ist mit der Schaffung von zusätzlich 3000 Arbeitsplätze zu rechnen. WOP

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