Interview: Elektronik im Auto 29.07.2011, 12:08 Uhr

„Neue Assistenzsysteme sollen den Fahrer entlasten“

Die Robert Bosch GmbH gehört zu den wichtigsten deutschen Systemzulieferern für die Automobilindustrie. Entsprechend hoch ist der Einfluss des Unternehmens auch auf Trends im Bereich Fahrerinformation oder Multimedia. Für Michael Bolle, Geschäftsführer Entwicklung der Bosch Car Multimedia, spielen dabei die Schnittstellen zwischen Mensch und Technik (HMI) eine wichtige Rolle.

VDI nachrichten: Herr Dr. Bolle, Augmented-Reality-Systeme projizieren Informationen auf die Windschutzscheiben, E-Mails werden im Auto vorgelesen, Nachtsichtassistenten zeigen Gefahren im Dunkeln an – die Vielfalt der Funktionen im Automobil wächst. Aber sind Systeme tatsächlich eine Hilfe für den Fahrer oder lenken sie eher ab?

Bolle: Neue Infotainment- und Fahrerassistenzsysteme sollen den Fahrer an seinem Arbeitsplatz entlasten, ihre Bedienung soll ihn nicht belasten. Bosch entwickelt daher HMI-Systeme, die sich der Belastung am Fahrerarbeitsplatz dynamisch anpassen.

Infotainment, Fahrerassistenzsysteme – was sind die wichtigsten Herausforderungen, um sie möglichst einfach bedienbar zu machen?

Es gilt, die neuen Anwendungen aus dem IT- und Multimedia-Bereich ebenso wie neue Fahrerassistenzfunktionen in das Fahrzeug-HMI einzubinden, also in die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik (Human Machine Interface). Dabei hat das HMI vor allem die Aufgabe, dem Fahrer darzustellen, warum welche Funktionen gerade wirksam sind und was dies für das Fahren bedeutet.

Welche Schwierigkeiten tauchen konkret auf, wenn die schnelllebige Smartphone-Welt auf die sicherheitsgetriebene Automobilelektronik trifft?

Für die flexible Einbindung von Smartphones verschiedener Anbieter entwickeln wir HTML5-basierte Browser-Techniken, die sich nahtlos in das Infotainment-System integrieren lassen. Dabei werden die Bedien- und Darstellungsfunktionen so an das Fahrzeug-HMI angepasst, dass eine sichere und automobilgerechte Nutzung während der Fahrt möglich ist.

Wird es in Zukunft autonome Fahrzeuge geben oder eher immer mehr autonome Funktionen?

Es wird mittelfristig teilautonome Fahrfunktionen geben, zum Beispiel vollautomatisches Einparken oder autonomes Bremsen. Langfristig werden wir autonomes Fahren erleben.

Wie verändert sich die Rolle der Fahrer im Automobil?

Die eigentliche Rolle des Fahrers wird sich in absehbarer Zeit nicht wesentlich verändern. Allerdings kommt es zu neuen Anforderungen an die Schnittstelle Fahrer/Auto hinsichtlich Zuverlässigkeit und Fahrsicherheit sowie Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit. Die Anwendungen informieren, warnen vor Gefahren, geben Fahrempfehlungen und verbessern so Fahrsicherheit, Fahrkomfort und Energieverbrauch. Dabei soll und muss die Wirkungsweise der Anwendungen für den Fahrer allerdings jederzeit nachvollziehbar sein.

Werden Features wie Internet im Auto von Verbrauchern wirklich nachgefragt? Oder werden Systeme in Fahrzeuge integriert, weil es die passende Technologie gibt?

Zunehmend wollen sehr viele Autofahrer die auf ihrem Smartphone angebotenen Dienste auch im Auto nutzen. Studien zeigen, dass junge Käuferschichten Fahrzeuge nur dann überhaupt noch interessant finden, wenn sie vernetzt sind. Daher gilt es, eine technisch gute und für den Automobilisten bezahlbare Integration von Internet- und CE-Funktionen zu verwirklichen. Wir arbeiten bei Bosch daran, dass das „Auto ins Internet“ geht, bisher waren wir damit zufrieden, dass das „Internet ins Auto“ kommt.

Wie wichtig sind Standards? Und wer sind dafür die entscheidenden Akteure?

Standards spielen eine wesentliche Rolle, um zukünftig Innovationen im Infotainmentbereich mit vertretbarem Aufwand und kurzer Entwicklungszeit darstellen zu können. Ein Beispiel ist unsere Mitarbeit bei Genivi. In diesem Konsortium wird eine Linux- und Open-Source-basierte Infotainmentplattform entwickelt.

Wie sehen Sie die Rolle der Zulieferer im Innovationsprozess? Kommen die Ideen und Anforderungen von den großen Automobilherstellern oder sind Bosch, Conti & Co. die Impulsgeber?

Impulse kommen aus vielen Richtungen, nicht zuletzt aus Forschungsinstituten und der Vorausentwicklung der Zulieferer sowie der Programmingenieure der Automobilhersteller. Es ist ein Geben und Nehmen, ein Sichbefruchten und kooperatives Gestalten.

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