Trend 26.08.2011, 12:08 Uhr

Mobilität wird zunehmend rational

Wissenschaftler beobachten einen Trend zu mehr Nüchternheit im Umgang mit der Mobilität. Nach ihren Einschätzungen wird der Pkw der Zukunft praktisch sein und elektronisch hochgerüstet. Darüber hinaus wird er nicht nur einem alleine gehören. Das „eigene“ Auto tritt in den Hintergrund.

Fast auf der ganzen Welt genießt der Pkw den Ruf eines Statussymbols oder ist Ausdruck der Persönlichkeit – noch. Nach Prognosen von Marktforschern und Soziologen könnte diese Autoliebe in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. Denn die jüngere Generation lege auf den Besitz eines eigenen Autos keinen besonders großen Wert mehr. Zwar wollen auch die Jungen von A nach B gelangen, doch über die Wahl des Verkehrsmittels entschieden immer häufiger rein rationale Erwägungen.

„Das Auto ist kein Mittel mehr zum Angeben“, betonte Prof. Dr. Andreas Knie, Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), Berlin, im Gespräch mit den VDI nachrichten am Rande des 3. Wissenschaftsforum Mobilität in Duisburg. Die „Digi Kids“ von heute würden ganz andere Prioritäten setzen. Mobilität spiele zwar eine große Rolle, doch die Hauptsache sei es anzukommen, egal ob mit U-Bahn, S-Bahn oder dem Pkw.

Mobilität: „Im Trend liegt der praktische Mix“

„Im Trend liegt der praktische Mix“, so der Berliner Soziologieprofessor. Und diese Entwicklung zeichne sich nicht nur in der Bundesrepublik und Europa ab, sondern auch in den USA und Asien. „Bei diesem Trend gibt es in allen entwickelten Ländern eine große Kongruenz.“

Japan mit seinen überfüllten Städten ist für Knie ein einleuchtendes Beispiel: „Die Hälfte der 30- bis 40-Jährigen in Tokio haben kein Interesse an einem eigenen Auto, weil es keinen Sinn mehr hat.“ Anders sei das bei der älteren Generation. Die wolle noch ins eigene Auto steigen.

Für die Autoindustrie sei der Abwärtstrend noch kein Problem. Der Absatz werde sogar leicht zunehmen, etwa durch Märkte in Osteuropa. „Aber in 25 Jahren wird die Verkaufsbilanz dramatisch einknicken“, meint Knie. „Dann ist der Weltmarkt in allen Ballungszentren gesättigt.“

Autorhersteller stellen sich auf die neue Form der Mobilität ein

Auf das neue Mobilitätsverhalten richte sich die Autoindustrie mittlerweile ein, was sich vor allem an der immer häufigeren Bereitstellung innovativer Mobilitätsdienstleistungsangeboten zeige, wie dem Daimler-Projekt „Car2Go“. „Die Hersteller setzen solche Ansätze derzeit konsequent durch“, so Knie.

Nicht allein nur Mobilitätskonzepte, sondern auch elektronische Raffinessen im Auto könnten den Nerv junger Käuferschichten treffen, davon ist Klaus Scherer, Leiter des Fraunhofer-inHaus-Zentrums, Duisburg, überzeugt. „Die immer einfacher werdende Bedienbarkeit der Informationstechnik im Auto, aber auch in Gebäuden, gehöre zu den aktuellen Mega-Trends.“

Aktuelle Smartphones seien ein Beispiel dafür, dass die Technik zwar immer komplizierter werde, die Anwendung aber umso simpler. Für Scherer könnte das ein Vorbild sein für die Elektronik im Auto, die sich bald über Touchscreens bedienen lassen könnte oder gleich über das Smartphone, mit dem der Fahrer dann Klimaanlage, Musikanlage und vieles mehr einstellen könnte.

Das Smartphone als Vorbild für die Autoelektronik

„Der Trend geht dahin, dass das Auto ans Internet angeschlossen wird“, so Diplomingenieur Scherer. Die technische Hochrüstung habe indes auch Grenzen. Auf elektronische Bremsen würden gewiss noch weitere Assistenzsysteme folgen. Doch allzu viel Automatisierung wie im Flugzeug, wo der Pilot fast gar nichts mehr mache, sei für das Auto womöglich problematisch. Scherer: „Was ist beim kritischen Fall, wenn das System ausfällt?“ Manche Fahrer seien ja schon aufgeschmissen, wenn das Navi mal nicht funktioniert.

Unterdessen sieht Scherer Synergieeffekte bei technischen Entwicklungen für Autos und Gebäude. „Hochsensible Sensoren, die es im Auto gibt, können auch für Gebäude von Nutzen sein, beispielsweise zur Messung der Außentemperatur.“ Auch die Parksensoren wären eine sinnvolle Technik in Nutzgebäuden, wo viel transportiert und herumgefahren wird. „Für die Hersteller tun sich da in beiden Richtungen neue Märkte auf.“

Von Lars Wallerang

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