Automobil 19.10.2012, 19:55 Uhr

Mobilität der Zukunft hat viele Facetten

Auch wenn nicht klar ist, wie sich der Markt für Elektromobile entwickelt, das Entwicklungsziel der Automobilhersteller zeichnet sich bereits deutlich ab. In den nächsten Jahren soll der Verbrauch weiter gesenkt werden. Ideal wäre letztlich eine CO2-neutrale Mobilität. Erprobt werden dazu neben Elektromobilen Hybridlösungen und Brennstoffzellentechnik, aber auch wieder Gasfahrzeuge.

Elektromotoren sind ein wichtiger Aspekt des nachhaltigen Automobilbaus.

Elektromotoren sind ein wichtiger Aspekt des nachhaltigen Automobilbaus.

Foto: RWE

Auf ihrem Weg, den Flottenverbrauch sowie die CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge zu senken, fahren nahezu alle großen Automobilhersteller mehrgleisig. Auch Technologien wie der Erdgasantrieb und die Brennstoffzelle rücken dabei wieder in den Fokus der Entwickler, wie ein Blick in die Forschung bei Audi in Ingolstadt zeigt.

Michael Krieger, bei Audi verantwortlich für nachhaltige Produktentwicklung, stellt sich „einen perfekten Kreislauf ohne CO2-Belastung vor, wie es ihn in der Natur durchaus gibt.“ Dort wird CO2 bekanntlich auch als Rohstoff genutzt, erklärt er gegenüber den VDI nachrichten.

Für den Audi-Manager ist dazu eine ganzheitliche Betrachtung der Aufgabe essentiell. Es reiche nicht, nur auf den Auspuff zu schauen, sondern „das Fahrzeug muss über seinen gesamten Lebenszyklus betrachtet werden“. Dazu gehört auch, dass sich ein Autobauer um Alternativen beim Kraftstoff kümmert. Heute falle bei der Herstellung eines Pkws nur 20 % des CO2 an, bei der Nutzung aber 79 % und beim Recycling 1 % – bei steigender Tendenz wegen der Batterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

Ein erster Schritt, ein Fahrzeug zu bauen, das die Umwelt nicht weiter belastet, ist für Rainer Mangold, Leiter der nachhaltigen Produktentwicklung bei Audi, das E-Gas-Projekt. Der Automobilhersteller baut hierzu eine ganze Kette nachhaltiger Energieträger auf.

Mangold: „Am Anfang stehen Energie aus Windkraft und CO2 aus einer Biogasanlage, das während der Energieumwandlung absorbiert wird. Die Endprodukte sind regenerativ erzeugter Strom, Wasserstoff und das synthetische E-Gas.“ Audi will damit Erdgasautos wie den neuen A3 Sportback TCNG betreiben. „Es geht dabei um mehr als einen neuen Kraftstoff – das Prinzip der Strom-Gas-Koppelung beim E-Gas ermöglicht die ,Energiewende im Tank‘“, betont Mangold. Im dritten Quartal 2013 erwartet er die Inbetriebnahme einer entsprechenden Methangewinnungsanlage in Deutschland.

Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der CO2-Bilanz ist Ersatz von Benzin und Diesel durch neue, von Energiepflanzen unabhängige Biokraftstoffe. Sie binden das Treibhausgas CO2 beim Wachstum. An der Herstellung von synthetischem Ethanol arbeitet z. B. Audi mit Spezialfirmen wie Joule in Hobbs/USA . Bereits serienreif für die industrielle Produktion ist laut dem Automobilbauer das E-Ethanol für Benziner. Für E-Diesel sei die Entwicklung schwieriger, weil die Moleküle komplizierter aufgebaut sind. Der Kraftstoff kann mittels Sonne, Brauchwasser und CO2 hergestellt werden.

Durch Anzüchten von Bakterien in speziellen Becken lassen sich laut AudiForscher Krieger solche Kraftstoffe herstellen: „Mikroorganismen sind unsere Hauptdarsteller“. Schon die Fläche von einem Drittel Siziliens reiche dabei, um 50 Mio. Pkw zu versorgen. Zu den weiteren Vorteilen zählt er, dass die Herstellung nicht in Konkurrenz zu Biomasse und Agrarflächen stehe. Die CO2-Emissionen würden um 80 % sinken. Nicht zuletzt sei der Kraftstoff von hoher Qualität.

Bei der Entwicklung der Motoren setzt Audi mittelfristig u. a. auch auf die Elektrifizierung des Antriebs. Drei Hybridmodelle von Audi sind bereits auf der Straße. In Feld- und Erprobungsphasen befinden sich der A1 e-tron mit Range Extender, ab 2014 soll der A3 mit Plug-in-Technik auf den Markt kommen. Zudem gibt es Konzepte mit Dual-Mode-Hybridantrieb und das reine Elektroauto, das eine Brennstoffzelle zur Energieerzeugung verwenden wird.

Auch andere Automobilhersteller fahren mehrgleisig. Insbesondere Wasserstofftechnologie wird dabei aufgrund seiner Leistungsdichte als nachhaltige Perspektive für Langstreckenfahrten betrachtet. Kürzlich hatte der Entwicklungsvorstand von Daimler gegenüber den VDI nachrichten bestätigt, dass Brennstoffzellentechnik ein wesentlicher Bestandteil der Antriebsstrategie für nachhaltige Mobilität seines Unternehmens sei. Daher engagiere sich Daimler massiv beim Ausbau einer entsprechenden Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland.

Ebenso machte Toyota anlässlich der Markteinführung des Plug-in-Prius in diesem Monat deutlich, dass das Unternehmen sowohl an der Entwicklung neuer Batterien arbeite als auch Fortschritte bei der Brennstoffzellentechnik erreicht habe. INGO REUSS/CIU

  • Ingo Reuss

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG Konstrukteur Kaltmassivumformung (m/w/d) Krefeld
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Leitung Betrieb Schiene (m/w/d) München
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Spezialist (m/w/d) Display-Systeme Weissach
Hochschule Bremerhaven-Firmenlogo
Hochschule Bremerhaven Professur (W2) (w/m/d) für das Fachgebiet Anlagen- und Schiffsbetriebstechnik Bremerhaven
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) modellbasierte Softwareentwicklung Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Mitarbeiter Elektrik Musterbau (m/w/d) im Bereich Automotive Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Nutzfahrzeugentwickler (m/w/d) Neu-Ulm
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) Embedded Softwareim Bereich Automotive Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Automotive System Engineer (m/w/d) Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Functional Safety Manager (m/w/d) Fellbach bei Stuttgart

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Fahrzeugba…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.