Automobilbau 06.09.2002, 18:21 Uhr

Mit frischem Wind aus der Flaute

Die größte internationale Nutzfahrzeug-Ausstellung der Welt öffnet vom 12. bis 19. September in Hannover ihre Tore. Die diesjährige Internationale Automobil-Ausstellung wird geprägt durch die Konsolidierung der Branche. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hofft, dass von der Leitmesse Impulse ausgehen werden, die die Absatzflaute überwinden helfen. Alle zwei Jahre trifft sich die Nutzfahrzeugbranche zu ihrer Leitmesse. Sie präsentiert die komplette Bandbreite der Lastwagen, Anhänger, Reise- und Linienbusse sowie der Spezialfahrzeuge und auch die Innovationen der Unternehmen der Zulieferindustrie, die als Gruppe mehr als die Hälfte der Aussteller ausmacht. Hinzu kommen Angebote für Werkstattausrüstung, Wartung und Dienstleistungen rund um das Nutzfahrzeug.

Zur 59. IAA Nutzfahrzeuge vom
12. bis 19. September in der niedersächsische Landeshauptstadt Hannover werden rund 1200 Aussteller aus 42 Ländern erwartet. Die im Vergleich zu früheren Jahren etwas niedrigere Teilnehmerzahl spiegelt auch die Konsolidierung der Branche wider, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter im Vorfeld der Messe. Der VDA hofft, dass von ihr Impulse ausgehen werden, die die Branchenflaute überwinden helfen.
„Erste Lichtblicke sind bereits zu erkennen“, sagt sein Geschäftsführer Dr. Kunibert Schmidt. „Die IAA ist der Seismograph für die weitere Entwicklung.“ Bislang ist die Lage eher düster: In den ersten sieben Monaten von 2002 rechnet der VDA mit einer gegenüber dem Vorjahr um 13 % geringeren Produktion von Nutzfahrzeugen in Deutschland und bei Bussen sogar mit einem Rückgang von 22 %. Im Juli wurde jedoch wieder ein leichtes Anziehen der Nachfrage verzeichnet.
Der Umsatz im Nfz-Sektor habe sich, so Schmidt, in Deutschland seit 1993 auf 42 Mrd. d nahezu verdoppelt. Jeder vierte Mitarbeiter in der Automobilindustrie arbeite an Lastwagen, Transportern und Bussen. Letztere bezeichnete er als größtes Sorgenkind. Hier rechne der VDA jedoch im weiteren Jahresverlauf mit einer spürbaren Verbesserung, so dass im Gesamtjahr lediglich ein Minus von 6 % bis 7 % bei Produktion und Zulassungen zu erwarten sei.
Mit ihren zum Teil sehr stark überarbeiteten Modellen Magnum, FH und Stralis haben die Nutzfahrzeugmarken Renault, Volvo und Iveco schon lange vor der IAA ihre Neuheiten präsentiert. Wer sich die neuen Lkw jedoch einmal im direkten Wettbewerbsumfeld anschauen möchte, findet die genannten Neulinge in ihrer ganzen Modellbandbreite dennoch auf der IAA. Mit einer bedauerlichen Ausnahme: Eine Enttäuschung gibt es diejenigen, die in Hannover den neuen Iveco Stralis in Augenschein nehmen wollen. Die europäische Konzernleitung des italienischen Nutzfahrzeugherstellers hat als einzige der verbliebenen sieben großen europäischen Lkw-Marken einmal mehr beschlossen, an der größten Nutzfahrzeugmesse der Welt nicht teilzunehmen.
Nachdem auf der letzten IAA die Schwerlastwagenfamilie TG-A von MAN der Messestar war, dürfte diese Rolle jetzt dem nachhaltig überarbeiteten Mercedes Actros zukommen. Nicht ganz zu Unrecht sprechen die Stuttgarter vom „neuen“ Actros. War der Erstling anno 1996 entgegen Herstellerbeteuerungen doch wieder ein so genanntes Unternehmerauto geworden, kommen nun wirklich die Fahrer zu ihrem Recht. Unter der außen dezent, doch erkennbar gelifteten Kabine – neue Front mit Klarglasscheinwerfern und wahlweise Xenon-Abblendlicht – wurde die Fahrerhausinneneinrichtung komplett erneuert.
Alle bislang kritisierten Mängel (Position von Handbremsventil, Schaltern für die Fensterheber, Ablagemöglichkeiten) sind ausnahmslos abgestellt worden. Dazu gibt es – erstmals in einem europäischen Lkw – ein „echtes Bett“ mit Lattenrost-Konstruktion (800 mm x 2020 mm), das sogleich mit dem Gütesiegel „Gesunder Rücken“ ausgezeichnet wurde. Eine weitere Neuheit: Das Konzept „Single-Cab“ für Alleinfahrer, die Regelbesetzung im heutigen Fernverkehr. Zu den technischen Highlights zählt zweifelfrei die auf Wunsch lieferbare Einzelbereifung an der Antriebsachse. Dabei wird die bisher übliche Zwillingsbereifung durch je einen0,5 m breiten „Super-Sigle“-Pneu (495/45 R 22.5) ersetzt. Vorteile: Kraftstoffersparnis durch geringeres Gewicht in Verbindung mit verringertem Rollwiderstand. Der Erhöhung der Nutzlast kommt auch die neue Hinterachse HL 6 zugute. Die Umformachse ist rund 90 kg leichter als die bisher verwendete Gussachse.
Bei MAN steht die IAA im Zeichen neuer Motoren und einer pfiffigen neuen Dauerbremse, des „Pri-Tarders“, einer Weltneuheit. Er vereint Wasserpumpe und Primärretarder in einer Einheit und wurde gemeinsam von MAN und Voith entwickelt. Zusammen mit der druckgeregelten Motorbremse soll der Pri-Tarder in der Bremsleistung einem hydrodynamischen Sekundärretarder in nichts nachstehen, diesen im unteren Geschwindigkeitsbereich sogar deutlich überbieten.
Antriebsseitig präsentiert MAN neue Reihensechszylinder-Turbodiesel mit Vierventiltechnik und Common-Rail-Einspritzung (CR) mit 12,8 l und 6,9 l Hubraum für Lkw und Omnibusse. Topmotor ist der D2876 LF13-CR, der mit 390 kW (530 PS) Leistung und 2400 Nm max. Drehmoment aufwartet. Der Motor wiegt trocken 1049 kg, weist damit ein Leistungsgewicht von 2,69 kg/kW auf und soll deutlich leiser laufen als die Vorgängermaschinen. Dem „530er“ (MAN-Bezeichnung nach der Leistung in PS) soll Anfang 2003 die Leistungsgröße 350 kW (470 PS) folgen. Weitere CR-Motoren mit Leistungen im Bereich von 260 kW bis 330 kW sind angekündigt. Dazu gehören auch die neuen Common-Rail-Dieselmotoren mit Direkteinspritzung (1600 bar) der Baureihe D0836 LF44 mit max. 240 kW.
Im Vordergrund der Neuheiten bei den Importeuren steht DAF mit dem neuen XF 95. Vom Fahrwerk über Antriebstechnik – dank CAN-Bus-Architektur jetzt als erstes Modell der Niederländer auch mit automatischem „AS-Tronic“-Getriebe von ZF lieferbar – bis zur Innenausstattung der Kabine ist alles neu. Als letzte Lastwagenmarke führt nun auch Renault ein vollautomatisches Schaltgetriebe ein. Die AS-Tronic von ZF wird nun für den Magnum angeboten und ist sicherlich auch für den Premium lieferbar.
Doch neben dem „Pflicht-Programm“ auf der IAA gibt es auch die „Kür“. Am Wochenende (14. und 15. September) kommt der Spaß auf der Messe nicht zu kurz: Es gibt ein großes Trucker- und Country-Festival mit Live-Musik, Stuntshows und Westernmarkt. Oldtimer-Freunde dürfen sich über die Ausstellung der Omnibus-Veteranen und den Zwischenstopp der Rundfahrt historischer Nutzfahrzeuge freuen. Und die Fans der kleinen Motorwelt können auf der Modellautobörse „Automania“ zur Schnäppchenjagd blasen. C. WILDHAGE/WOP

Von C. Wildhage/Wolfgang Pester
Von C. Wildhage/Wolfgang Pester

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