Porsche 19.10.2012, 19:55 Uhr

„Meine Tätigkeiten sind kostenlos“

Sein Urgroßvater erfand den VW-Käfer, sein Großvater Ferry konstruierte den ersten Porsche, sein Onkel Ferdinand lenkt als Aufsichtsrat den VW-Konzern. Der 38-jährige Urenkel Peter Daniell Porsche erhält Dividenden – und gibt sie für gute Zwecke aus. Eine Schule für Kinder aus schwierigen Verhältnissen und ein Kulturzentrum liegen ihm mehr am Herzen als Jetset. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt Porsche bei Salzburg auf einem Bauernhof.

Der Enkel des Porsche-Konstrukteurs Ferdinand gibt viel Geld für gute Zwecke aus.

Der Enkel des Porsche-Konstrukteurs Ferdinand gibt viel Geld für gute Zwecke aus.

Foto: Porsche

VDI nachrichten: Herr Porsche, was sind Sie von Beruf: Aktionär, Autor, Waldorflehrer, Erbe, Musikpädagoge, Bio-Gasthofbetreiber, Tischler…?

Peter Daniell Porsche: Das kann ich gar nicht sagen. Rein rechtlich betrachtet bin ich Privatier. Ansonsten habe ich eine Ausbildung als Waldorflehrer und Musiktherapeut. Ich mache von allem, das ich schön finde, ein bisschen. Ich bin überall ein bisschen da, wo es brennt.

Warum haben Sie ein Buch ausgerechnet mit dem Titel „Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen“ geschrieben?

Das hat zwei Ursachen: Ich schreibe gerne Bücher. Das ist jetzt schon mein 18. Buch. Damit versuche ich, für meine Schule in Salzburg Geld zu erhalten. Das ist ein Grund.

Mit dem letzten Buch habe ich bis jetzt 25 000 € für die Paracelsus-Schule Salzburg eingenommen. Mit der zweiten oder dritten Auflage werden wir weiter am Verkauf beteiligt sein. Der andere Grund ist, dass ich verschiedene Anfragen aus der Öffentlichkeit habe, wieso ticken Sie so wie Sie ticken? Warum holen Sie sich nicht in Stuttgart den Porsche gratis ab?

Das sind oft Neidgedanken und Fehleinschätzungen. Da will ich gegenwirken und einfach mal klarstellen: So ist es. Vielleicht auch ein bisschen, um aus der Familiengeschichte zu erzählen, was bislang unterbunden wurde.

Die Reaktionen auf Ihr Buch?

Selbstverständlich war die Herausgabe des Buches nicht nur die größte Freude in der Familie, die mit Recht sehr stark auf Zurückhaltung und Verschwiegenheit baut. Auf der anderen Seite denke ich: Lieber einmal die Wahrheit sagen und erzählen, wie es ist.

Die Rückmeldungen waren in der Summe positiv. Es gab mal ein paar, die sagten: „So viele Details hättest du nicht schreiben müssen.“ Und der Titel sei nicht gerade autobauerfreundlich. Aber das heißt nicht, dass es schlecht ist.

Wieso unterstützen Sie eine Waldorfschule und ein Kulturzentrum finanziell?

Das Engagement für die Waldorfschule hat sich ergeben. Ich war selbst Waldorfschüler schon ab dem Kindergarten. Dann habe ich Musiktherapie auf anthroposophischer Grundlage studiert. Denn ich habe in der Schule erlebt, dass die Pädagogik von Doktor Steiner eine sehr gute Grundlage für alles ist, was ich später gemacht habe. Ich habe mich dann für den Hintergrund interessiert.

Ist es besser, sich selbst zu engagieren oder zu spenden?

Sich selbst engagieren ist auf jeden Fall besser. Spenden ist nicht nur die einfachere Methode, es ist auch die gefährlichere Methode.

Ich habe in vielen Bereichen erlebt, dass ich Menschen Geld überlassen habe für ein konkretes Projekt, das dann nicht umgesetzt wurde.

Viele denken, wenn sie das Geld abgeben, geben Sie auch die Verantwortung ab. Aber ganz so ist das nicht. Mit ein paar Kniffen hätte man verschiedene Probleme ausmerzen können, die viel Geld verschluckt haben.

Ich möchte, wenn ich Geld gebe, das auch begleiten können. Das war bei der Paracelsus-Schule in meiner Heimat Österreich möglich. Die Schule gab es schon sie suchte ein neues Zuhause. Bei der Hilfe stießen wir auf eine Liegenschaft, wo wir dann auch das Kulturzentrum St. Jakob errichtet haben.

Sie erhalten als Aktionär Dividende. Was bedeutet Geld für Sie?

Man kann nicht sagen: Ich kriege jedes Jahr 1 Mio. €. Es gibt mal mehr Geld, mal weniger je nach Lage. Im Schnitt erhalte ich pro Jahr 800 000 € bis 1,2 Mio. €. Milliardär bin ich damit nicht geworden.

Dieses Geld verwende ich so, dass ich 100 000 € bis 200 000 € für mich zur Seite lege. Alles andere geht in Projekte.

Von dem Geld, das ich beiseite lege, leben meine Frau, meine Kinder und ich. Ich habe kein Gehalt, sondern muss den Wert meiner Tätigkeit schätzen. Denn alle meine Tätigkeiten sind kostenlos vom Krisenmanagement über Gastronomie, Kunst- und Kultur- und Familienangelegenheiten. Da geht meine ganze Arbeitszeit drauf. Die geht oft bis tief in die Nacht. Tagsüber bin ich oft auch bei der Familie, für die ich da sein will.

Macht sich die Finanz- und Wirtschaftskrise bei Ihnen bemerkbar?

Während der Krise gab es keine Ausschüttung. Aber ich habe die Projekte trotzdem weiterführen können, weil ich genug zur Seite gelegt hatte und Kredite aufnehmen konnte. In dieser Zeit haben wir  8 Mio. € Ausgaben für Projekte gehabt.

Was ist so toll am Porschefahren?

Das Besondere ist das Fahrgefühl. Man weiß: Ich könnte jederzeit schnell sein, überholen, vorbeiziehen. Aber man muss es nicht. Übrigens bezahle ich jeden Porsche, den ich fahre, selbst.

Wünschen Sie sich, dass Ihre Kinder sich im Automobilbereich engagieren?

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie einen Beruf finden, in dem sie sich wohl und zu Hause fühlen. Ein eher egoistischer Wunsch ist, dass ich auch dahinterstehen kann.

Was haben Sie für positive und negative Erlebnisse mit dem Namen Porsche?

Negativ ist, dass man gewaltig aufpassen muss: Es gibt Freunde, die sind käuflich und Freunde, die sind unbezahlbar. Das lernt man im Laufe der Zeit. Man muss aufpassen, dass gewisse Dinge nicht plötzlich doppelt so teuer werden. Dass einem nichts angeboten wird, das gar nicht notwendig ist. Außerdem guckt natürlich jeder immer: Was macht der Porsche denn? Positiv ist: Man wird gehört. Es gibt ein gewisses Grundinteresse für den Namen und man schaut hin. Innerhalb von drei Wochen haben wir so 4500 Bücher meines letzten Werkes verkauft. Da kann man sich fragen: Ist das Neugierde, Interesse am Thema oder einfach der Name?

Was für mich bleibt, ist Ehrfurcht und Stolz gegenüber unseren Urgroßeltern, Großeltern und Vätern, dass sie so etwas geschafft haben. Und ich bin natürlich dankbar für die finanziellen Möglichkeiten.  CORDELIA CHATON

Von Cordelia Chaton

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