Automobilindustrie 02.12.2011, 12:03 Uhr

„Made in Germany“ macht Autos erfolgreich

Für die deutsche Automobilindustrie wird 2011 zum erfolgreichsten Geschäftsjahr ihrer Geschichte. Mit mehr als 5,9 Mio. Pkw werden nach Informationen des Verbands der Automobilindustrie in Deutschland so viele Pkw wie nie zuvor produziert und davon mehr als 4,5 Mio. exportiert werden. Dennoch steht die Branche vor großen Umbrüchen – ein gutes Qualitätsmanagement soll deshalb weitere Markterfolge sichern.

Für die deutschen Automobilhersteller wird 2011 ein Rekordjahr. Insgesamt 12 Mio. Neufahrzeuge deutscher Hersteller aus nationaler und internationaler Produktion werden nach Angaben des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Berlin, weltweit verkauft werden. Auch um die Zukunft scheint es nicht schlecht bestellt zu sein – zumindest, was die Absatzchancen angeht. Drei von vier Autos, die in Deutschland gebaut werden, gehen ins Ausland. Der Automobilexport wird in diesem Jahr auf mehr als 4,5 Mio. ausgeführte Pkw veranschlagt.

„Bei Premiumfahrzeugen liegt unser Weltmarktanteil sogar bei 80 %“, unterstrich VDA-Präsident Matthias Wissmann anlässlich des 8. Gipfeltreffens zum Thema „125 Jahre Qualität im Automobilbau“ am 21. November in Berlin. „Und doch liegen vor uns stürmische Zeiten, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen“, sagte Wissmann. In allen Mitgliedsfirmen sei Topqualität deshalb Chefsache.

Automobilindustrie: Qualität „Made in Germany“ gefragt

Qualität – ein weit gefasster Begriff, der nicht nur das Auto selbst, sondern auch seine Nutzung umfasst – werde sich künftig stark verändern. Darauf wies auch Prof. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft, Nürtingen-Geislingen, die mehr als 200 Teilnehmer des Qualitätsgipfels hin. Das Auto sei aktuell noch das Rückgrat der Mobilität. „Über 80 % aller Berufsfahrten, über 85 % aller Einkaufsfahrten und über 93 % des gesamten Geschäftsverkehrs werden mit dem Auto erledigt“, so Diez. Und doch ändere sich gerade bei der jüngeren Generation die Einstellung gegenüber dem Automobil. So liege seine Bedeutung für junge Menschen laut einer Studie von Roland Berger hinter Laptop, Smartphone und iPhone. Insofern laute die Mobilität der Zukunft: „Nutzen statt Besitzen.“ „In den vergangenen fünf Jahren“, so Diez, „hat sich allein die Zahl der Teilnehmer am Carsharing von 80 000 auf 180 000 Teilnehmer deutlich gesteigert.“

Der Wertewandel bezüglich des Automobils und große internationale Konkurrenz bei gleichzeitig international sehr hoher Verflechtung in den Lieferkettenstrukturen stellen die Produktion eines Auto daher künftig vor große Herausforderungen. Bereits 1997 hatte der VDA deshalb ein Qualitäts-Management Center (QMC) gegründet. Der Verband will damit gleichzeitig mehreren Problemen begegnen. „Herausforderungen sind unter anderem steigende Kundenansprüche im globalen Markt, eine Verlagerung von Produktion in Niedriglohnländer, lokale unbekannte gesetzliche Anforderungen sowie eine globale Anerkennung deutscher Qualität zur Abgrenzung vom internationalen Wettbewerb“, wie Frank Tuch, Vorsitzender des Ausschusses Qualitätsmanagement beim VDA, erklärte.

Qualitätsstandard „Made in Germany“ soll global führend werden und bleiben

Eine besondere Herausforderung ist nach Ansicht der VDA-Experten, die globale Führerschaft bei den Qualitätsstandards zu erreichen – und künftig auch zu halten. Das gilt insbesondere für das Qualitätsmanagement in den Lieferketten. „Wir haben eine Qualitätsverantwortung über den gesamten Produktlebenszyklus geschaffen“, erläuterte dazu Herbert Diess, für Einkauf und Lieferantennetzwerk zuständiges BMW-Vorstandsmitglied. Die Lieferkette arbeite dafür in durchgängigen Prozessketten, in denen verschiedene Handelswaren und Zulieferprodukte, die weltweit eingekauft würden, in mehrere Gruppierungen wie Karosserie, Interieur, Fahrdynamik und Antrieb zusammengefasst worden seien.

„Schnelle Innovations- und Produktzyklen werden die Zukunft prägen“, verwies Bernd Bohr, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, Gerlingen, auf die besondere Bedeutung des Qualitätsmanagements hin, da Fehler gerade in der Automobilindustrie schnell große Auswirkungen hätten und rasch dreistellige Millionenbeträge erreichen könnten. „Ein Ansatz zur Fehlervermeidung ist, dass Entwickler kritischen Fachspezialisten und Vorgesetzten erklären, warum und wie ihre Konstruktion funktioniert“, sagte Bohr.

„Made in Germany“: Automobilindustrie setzt auf schnelle Fehleranalyse statt Null-Fehler-Prinzip

„Der Fokus muss künftig auf rechtzeitiger, schneller Fehlererkennung und Korrektur, anstatt auf dem Null-Fehler-Prinzip basieren“, erklärte Bohr. Ein Beispiel sei etwa die Entwicklung von Traktionsbatterien, die dem Vortrieb von Fahrzeugen dienen. Hier gebe es einen hohen Produktionskostenanteil bei aktuell gleichzeitig nur begrenzter Langzeiterfahrung.

Dass hier auch Zulieferbetriebe ihren Innovationsbeitrag beisteuern können, zeigte sich erst kürzlich: Mitte Oktober wurde der Sensor-Technik Wiedemann, Kaufbeuren, der „eCarTec Award“ im Rahmen der Elektromobilitätsmesse in München in der Kategorie „Speichertechnologie“ verliehen. Das Unternehmen erhielt den offiziellen Bayerischen Staatspreis für innovative und nachhaltige Elektromobilität für sein Konzept „Power Mela Li-Ion Battery“. Das Modul ist ein elementarer Batteriemanagementbaustein für Traktionsbatterien bis 800 V. „Einzelzellüberwachung, Stromfluss, Temperatur und Isolationswiderstände sind Parameter, die überwacht werden“, erklärte Ulrich Huber vom Projektmanagement Speichersysteme bei Sensor-Technik Wiedemann. Für die nähere Zukunft plant das Unternehmen eine hybride Antriebstechnik – z. B. eine Kombination aus Dieselaggregat und Batterie, die auch bei Arbeitsmaschinen einsetzbar ist.

Ein Beitrag von:

  • Oliver Klempert

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