Automobilbau 01.12.2006, 19:25 Uhr

Know-how-Klau im Autobau  

VDI nachrichten, Beijing, 1. 12. 06, wop – Der Automobilmarkt in China wandelt sich atemberaubend, wie das ganze Land. Die Branche boomt. Billige Pkw „Made in China“ sind der Renner. Und es werden „Anleihen“ bei der ausländischen Konkurrenz genommen, die aus dem Copyshop kommen könnten. Trotzdem waren alle namhaften Hersteller auf der „Beijing Auto Show“, die von ihnen erstmals zu einer internationalen „A-Messe“ aufgewertet wurde, mit Weltpremieren und Versionen, die überwiegend für den chinesischen Markt konzipiert sind.

Hohe Leidensfähigkeit billigt man im Allgemeinen den Asiaten zu. Vielleicht gilt das auch für die traditionellen Automobilhersteller. In China werden ihre Modelle derart kopiert, dass der Leidensdruck in den Chefetagen nur durch mögliche Geschäfte auf dem schnell wachsenden Markt im Reich der Mitte gelindert werden könnte – und der dürfte sich zu einem Megamarkt entwickeln, weit größer als der in den USA. Auch dazu, dass die chinesischen Hersteller schnell mit wertigen Modellen auf die Importmärkte Europa, Japan und USA rollen (siehe Seite 8). Auf der Messe tummelten sich vom 19. bis 27. November vor allem die Großen von insgesamt 61 Marken auf dem chinesischen Markt.

Die billigen chinesischen Autos – und wachsende Importe – haben in den letzten Jahren den Markt verändert. VW/Audi, einst Marktführer mit rund 50 % Marktanteil, kommt in den ersten zehn Monaten des Jahres als Bestplatzierter noch auf 15,4 %. Die Wolfsburger müssen sich anstrengen, um die Konkurrenz – wie Honda (7,4 %), GM/Buick (7,3 %), Hyundai (7,0 %) und Toyota (6,3 %) – auf Distanz zu halten, drängen doch schon chinesische Marken nach vorn, beispielsweise Chery (5,7 %), Xiali (4,8 %) und Geely (4,3 %), auch solche, wie Great Wall oder Shuanghuan Auto, die mit schlecht gemachten Plagiaten um Kunden buhlen.

Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Chinesen es heute auch schon auch anders können: So die Shanghai Automobile Industry Corp. (SAIC) – Joint-Venture-Partner von VW – mit dem Roewe ehemals Rover, und nach BMW vorübergehend in die Hände einer britischen Investmentgesellschaft gefallen.

SAIC baut jetzt den Roewe als „Nachfolger“ des Rover 75. Die Scheinwerfer des „Neuen“ erinnern auffällig an die des BMW 5er. Zwar gelten in China die gleichen Schutzrechte wie in Deutschland (Anfang der 1980er-Jahre startete zwischen Beijing und München die Zusammenarbeit in diesem Rechtstransfer), doch Kow-how-Klau und Abkupfern hat im Riesenreich Tradition. Dort gilt auch: Wo kein Kläger, da kein Richter – selbst wenn …

Auf der Beijing Auto Show erinnerten dröhnende Lautsprecher eher an eine Disco und müssen noch die Atmosphäre und den Glamour traditioneller internationaler Messen ersetzen. Doch die Chinesen lernen schnell – es geht ums Geschäft.

Ausstellungsstücke waren meist brav nebeneinander aufgereiht, Studien fand der Besucher selten. Perfekt, wie gewünscht, war längst nicht alles. Dennoch unternahmen die ausstellenden westlichen Anbieter alles, um ihre Autos professionell den Besuchern zu präsentieren. Von denen allerdings nur wenige sich den Traum vom eigenen Auto erfüllen können. – Das jährliche Durchschnittseinkommen beträgt etwa 1000 € China-Autos gibt es schon für weniger als 5000 € außereuropäische Import-Pkw ab rund 15 000 €.

VW bot ein Messe-Highlight mit der in seinem Designstudio Shanghai krierten Studie Neeza, als reines Showcar unter dem Motto „in China für China“. Der Fünfsitzer ist eine Mischung aus Coupé und Kombi, im „Neudeutschen“ heißt das „Crossover“. Die Designer verzichten bei dem Auto auf eine Mittelsäule, die Türen öffnen gegenläufig und das Dach wirkt innen wie ein Sternenhimmel. Im Neeza – der Name ist abgeleitet von einem Helden der chinesischen Geschichte – wurde die Idee umgesetzt, Fahrzeuge nicht mehr ab Werk mit Navigationsgerät, Audiosysteme etc. auszurüsten. Vielmehr soll der Nutzer seine eigenen mobilen Geräte mit ins Auto bringen. Vorbereitet wird lediglich die Vernetzung.

China-Premiere hat bei VW zudem die Concept-A-Studie, die einen Ausblick auf den neuen VW-Geländewagen Tiguan gibt. „Weltpremiere“ auf dem Stand feiern der Magotan, eine speziell auf den chinesischen Markt abgestimmte Version des Passat, und der Bora HS, eine Fließheckvariante. Natürlich durfte das Cabrio-Coupé Eos, der Cross-Polo und der Golf GTI in Beijing nicht fehlen, muss man doch als Marktführer etwas bieten.

Für die autoverrückten Chinesen durfte Audi den gerade erst auf dem Pariser Salon vorgestellten Super-Sportwagen R8 selbstverständlich nicht vergessen. Ebenso das neue Audi TT Coupé, das in Beijing sein Debüt in Fernost gab. Skoda enthüllt den am Vorderwagen mit zwei roten Standarten geschmückten Octavia, dessen Produktion in China anläuft.

In Chinas Millionenstädten gibt es eine wachsende Anzahl von Millionären. Ein Grund für BMW, den Wohlhabenden und Staatsfunktionären die neuen Langversionen der 5er- und 7er-Baureihe zu offerieren.

Mercedes-Benz glänzte zum Start der Messe mit dem geglückten Finale der Dieselmarathontour Paris-Beijing von 30 Limousinen des Modells E 320 CDI. Eine verschmutzte E-Klasse, die wie die anderen die Strecke in 62 Tagen absolvierte, konnten die Besucher auf dem DaimlerChrysler-Stand in Augenschein nehmen. Dort waren auch die AMG-Versionen der S-Klasse und das Luxusendfahrzeug Maybach 62 S zu bestaunen. Auch wenn einige meinten, der Maybach 62 S tauge als Langversion lediglich für die Staatsführung – er misst immerhin 6,20 m und wiegt 2,9 t mit standesgemäßem V12-Zylinder (450 kW) – es kauften dem Vernehmen nach auf der Messe Privatleute.

I. REUSS/W. PESTER

Von I. Reuss/W. Pester
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