Automobilbau 15.02.2002, 17:32 Uhr

Kfz-Zulieferer lockt die Zeitwirtschaft von BMW

Ausgefeilte Software für Zeitwirtschaft, die bei den Autoherstellern im kostensensiblen Motorenbau eingesetzt wird, kann auch viele Kfz-Zulieferer bei der Optimierung ihrer Produktion unterstützen. Selbst die Lieferanten der Zulieferer suchen bereits den Schulterschluss zum gleichen Software-Rhythmus ihrer Kunden.

Die Zeichen scheinen positiv: Produzieren Zulieferer derzeit 30 % der Teile eines Automobils, so werden sie in wenigen Jahren 50 % herstellen, schätzt Prof. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Frankfurt/Main. Und Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Gelsenkirchener „Center of Automotive Research“ (CAR), prognostiziert der Branche in den kommenden zehn Jahren ein Umsatzwachstum von mehr als 40 %. Dennoch blicken viele Unternehmenschefs besorgt in die Zukunft. Denn der Konzentrationsprozess, der die Branche seit Jahren plagt, ist noch lange nicht abgeschlossen.

Im Jahr 1988 waren noch 30 000 Kfz-Zulieferbetriebe weltweit am Markt, heute gibt es gerade noch 5500. Und im Jahr 2008 werden weltweit 2000 Kfz-Zulieferer existieren, so Berechnungen des internationalen Kfz-Zuliefererverbands „Clepa“ in Brüssel. Investieren, umstrukturieren, optimieren oder fusionieren ist daher an der Tagesordnung. Neben internationaler Präsenz, strategischem Kosten-Management und Controlling gehört vor allem ein stabiles Produktions- und Logistiksystem zum absoluten Muss, so eine jüngst erstellte gemeinsame Studie der Düsseldorfer Rölfs Partner Management Consulting mit CAR, an der 82 Unternehmen beteiligt waren.

Zeitwirtschaft – das exakte Planen, Bewerten und Steuern sämtlicher Arbeitsabläufe in der Produktion – wird deshalb immer wichtiger. „Zeit ist in der Ära der Just-in-time-Produktion längst zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsgüter geworden“, urteilt Jürgen Pfeiler. Das Verwalten von Zeitanalysen, so der Systementwickler bei der BMW Motoren GmbH in München, müsse in bestehende betriebswirtschaftliche Softwaresysteme integriert werden.

Während Kfz-Zulieferer noch zögern, wenden Hersteller wie BMW bereits innovative Software zur Vorgabewertermittlung an. Als bei den Münchnern Mitte der 90er Jahre „SAP R/3“ eingeführt wurde, standen die für Zeitwirtschaft Verantwortlichen vor einer großen Herausforderung: Zeitwirtschafts-Funktionen, welche die bisher benutzte IBM-Standardsoftware „Copics“ mit entsprechender Zusatzprogrammierung beherrschte, waren für „SAP /R3“ Neuland. Sollte es deshalb zu ungenauen Takten kommen, drohte Produktivitätsverlust. Den galt es unter allen Umständen zu vermeiden. Reinhard Mayrhofer, zuständig für Systemintegration/-optimierung in der mechanischen Fertigung bei der BMW Motoren GesmbH in Steyr (A) fürchtete gar, „auf notwendige Funktionalitäten bei der Vorgabewertermittlung verzichten zu müssen“. Andererseits schien den Motorenentwicklern die integrierte SAP-Software im Hinblick auf die gesamte Betriebsführung der früheren Standardsoftware klar überlegen. Insellösungen standen daher nicht zur Diskussion.

Die Software „Capp Knowledge“ des Münchner Software- und Systemhauses DMC half den Verantwortlichen schließlich aus der Zwickmühle. Die Zeitwirtschaftssoftware der IT-Spezialisten fügt sich voll in die betriebsübergreifende „SAP/R3“-Systemlandschaft ein. Mayrhofer: „Der Anwender merkt überhaupt nicht, dass er mit einem Zusatzprodukt zu SAP arbeitet.“ Der Zeitplaner greift auf dieselbe Plattform zu wie der Fertigungsingenieur, der Controller, die zentrale Buchhaltung oder der Einkauf. Alle einmal erfassten Daten stehen zeitgleich allen Abteilungen zur Verfügung. Mayrhofer: „Damit wurde die bereits vorhandene Funktion des Computer Aided Planning (CAP) zum Computer Aided Process Planning (Capp) aufgewertet.“

Seit März vergangenen Jahres hat auch das Werk in Hams Hall, England, über Capp Knowledge die gesamte Vorgabewertermittlung in das SAP R/3-System integriert. In allen drei Werken erfolgt der Zugriff auf die Zeitwirtschaftssoftware jetzt über die Arbeitspläne in den SAP-Modulen PP (Produktionsplanung) und/oder PM (Instandhaltung). Mayrhofer: „Die Vorgabezeiten lassen sich so direkt an die Vorgänge im Arbeitsplan anbinden.“

Der BMW-Systementwickler Jürgen Pfeiler schätzt die Vorzüge von Capp-Knowledge vor allem auch bei der Band-Abtaktung. Denn nicht selten wird in jedem Bandabschnitt eine andere Motorenvariante gefertigt. Damit das Band dennoch mit gleicher Taktrate durchlaufen kann, muss die für verschiedene Arbeitsfolgen benötigte Zeit exakt berechnet sein. Dazu wird jeder Einzeltätigkeit eine ermittelte Prozesszeit zugeordnet. Die einzelnen Zeitbausteine summieren sich schließlich zur Gesamtzeit der Arbeitsfolge.

Pfeiler: „Die Zeitanalysen wurden früher manuell mit Hilfe von Excel-Tabellen erstellt und in Standard-Arbeitspläne umgesetzt.“ Nicht gerade eine Turbo-Methode, wenn man bedenkt, dass sich in Steyr der Fertigungsprozess einer Montagelinie in 600 bis 800 Zeitbausteine mit je 20 bis 30 Strukturelemente gliedert. Heute bewirke jede Modifikation online sofort die automatische Aktualisierung der Vorgabezeiten sämtlicher Arbeitsvorgänge, in denen die Zeitanalyse verwendet wird.

Traditionell pflegen Kfz-Zulieferer den engen Schulterschluss mit Automobilherstellern, wie es etwa Robert Bosch, Thyssen Krupp Automotive, Brose Fahrzeugsysteme, Alfmeier Präzision bei der Umsetzung ihrer Logistikkonzepte getan haben. Die Softwarelösung des bayerischen Kfz-Herstellers rückt damit immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses der SAP-nutzenden Zulieferer. Selbst deren Lieferanten, wie etwa Engel im Österreichischen Schwertberg, deren Spritzgießmaschinen in der Autoindustrie u.a. zur Herstellung von Kunststoff-Türverkleidungen genutzt werden, arbeiten im Rhythmus des Trios SAP, DMC und Capp-Knowledge. BP/Si

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in (m/divers/w) für den Bereich Unfallanalyse Berlin
Nexans Autoelectric GmbH-Firmenlogo
Nexans Autoelectric GmbH Teamleiter (m/w/d) CAD-Konstruktion Automotive Floß in der Oberpfalz
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Systemingenieur modellbasierte Entwicklung (MBSE) (m/w/d) Garching bei München, Leipzig, Erlangen, Berlin
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Versuchsingenieur für Betreuung von Teilsystemplätzen (m/w/d) Garching bei München, München
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Fahrzeugba…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.