Porträt 24.02.2012, 12:00 Uhr

Karl Durst: Leichtbau-Botschafter bei Audi

Als Kind hat Karl Durst an ferngesteuerten Flugzeugen den Leichtbau getestet. Im Studium entwickelte er einen weltmeisterlich leichten Fahrradrahmen. Heute ist er Leichtbau-Botschafter bei Audi in Ingolstadt. Der 31-Jährige will authentisch sein und nicht vergessen, wo er herkommt. Nach diesen Grundsätzen lebt der promovierte Ingenieur.

Es gibt Menschen, die schon als Kind ganz genau wissen, was sie einmal werden wollen. Flugzeugkapitän steht bei den Jungs ganz hoch im Kurs. Doch schließlich lernen die meisten etwas ganz anderes. Dann gibt es Menschen, die verfolgen konsequent ihren Weg. Karl Durst hat seine Ziele sogar perfektioniert. Ein Stein seines Lebenswegs baut auf dem anderen auf. Das hat mit seiner persönlichen Einstellung zu tun: „Ich möchte authentisch sein, in dem, was ich mache.“ Durst ist Leichtbauspezialist für Fahrzeuge bei Audi in Ingolstadt. Leichtbau hat ihn schon von Kindheit an interessiert.

Karl Durst stammt aus dem 400-Seelen-Dorf Thalmannsfeld, das liegt im Fränkischen, einige Kilometer von Weißenburg an der Donau entfernt. Dort hat er mit ferngesteuerten Segelflugzeugen aus Glasfaserverbundwerkstoffen seine ersten Leichtbauversuche in der Luft gestartet. Dann als Student des Maschinenbaus mit Schwerpunkt Kunststoff- und Konstruktionstechnik an der Universität Erlangen sorgte er mit einem superleichten Rennrad für Schlagzeilen: „Karl Durst schlägt Lance Armstrong“, titelte Spiegel Online im Juli 2003. Der Student hatte einen Rennrad-Rahmen aus Carbonfasern entwickelt, der mit 823 g um fast ein Drittel leichter war als der des mehrfachen Tour-de-France-Siegers. Der Rahmen war stabiler, was Durst als aktiver Sportler selbst testen konnte: Er ist dreifacher fränkischer Meister im Duathlon, einer Mehrkampfsportart, bestehend aus Laufen und Radfahren. Wenn Durst etwas macht, hat er den Anspruch, es richtig zu machen.

Karl Durst vertiefte sein Leichtbau-Wissen im Rahmen einer Promotion

So war es auch nur konsequent, dass er sein Wissen um den Leichtbau mit einer Promotion vertiefte. Bei Audi machte er sein Praktikum als Student, wurde in einen Förderkreis aufgenommen. Der Automobilbauer unterstützte ihn daraufhin bei seiner Promotion. Die fand im Wechsel zwischen dem Audi-Leichtbauzentrum in Neckarsulm und am Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart statt. „Die Luft- und Raumfahrt ist einfach weiter im Leichtbau mit Faserverbundwerkstoffen als die Automobilbranche“, so seine Begründung. Das Thema seiner Doktorarbeit war, herauszufinden, wo welcher Werkstoff am Fahrzeug Sinn macht.

Die Promotionsarbeit von Durst wurde ein wesentlicher Baustein für Audis Entwicklungsphilosophie „Ultra“. Die besagt, den richtigen Werkstoff in der richtigen Menge an der richtigen Position einzusetzen. Nach seiner Promotion war Durst zwei Jahre in der Vorentwicklung im Audi Leichtbauzentrum Neckarsulm. „Seit zwei Jahren bin ich nun in Ingolstadt in der Technologieentwicklung als Leichtbaubotschafter mit Schwerpunkt Carbon.“ Durst ist interner Berater in Sachen Leichtbau für seine Kollegen aus der Karosserieentwicklung.

Durst ist ein Aufklärer in Sachen Automobil-Leichtbau mit Carbonfasern

Zu seiner Zeit als Doktorand (2004-2007) seien Kohlefaserverbundwerkstoffe (CFK, Carbon) bekannt gewesen, doch die Kosten noch extrem hoch, was nur einen Einsatz im Rennsport erlaubte. Heute können beispielsweise Carbonfasern so günstig hergestellt werden, dass sie auch im Automobilbau in größeren Stückzahlen verwendet werden können. „Während der Promotionszeit musste ich Überzeugungsarbeit leisten, heute ist es Aufklärung.“ Seine Kollegen seien wissbegierig und das glänzende Carbon ein Werkstoff, der emotional wirkt, „weil er einfach sexy aussieht“.

Carbon macht Autos leichter, weil man mit weniger Material dieselbe Steifigkeit erreicht wie bei Stahl oder Aluminium. Ein Allheilmaterial ist der Verbundwerkstoff dennoch nicht. „Denn er hat gegenüber Metallen auch klare Nachteile.“ Zum Beispiel seine Bruchdehnung. Diese ist bei Stahl um das Zehnfache höher als bei Carbon, womit deutlich höhere Verformungskräfte bei einem Unfall aufgenommen werden können. Dafür eignet sich Carbon für andere Zwecke.

Den Anfang machte Audi im Sportwagen R8 mit der Seitenverkleidung. Dem Design-Einsatz folgte Funktionalität im R8 Spider. „Den Verdeckkastendeckel haben wir aus Carbon entwickelt, weil die Teile in ihrer Komplexität aus Metallen nicht hergestellt werden konnten.“ Jetzt ist Audi am dritten Punkt angekommen, den Strukturbauteilen des Fahrzeugs, also der Karosserie. „In den Nachfolgemodellen des Q7 und R8 werden wir unsere Entwicklungsphilosophie Audi ultra komplett umsetzen.“ Damit will Audi dann deutlich mehr an Gewicht sparen als die beachtlichen 70 kg, die der aktuelle A6 gegenüber seinem Vorgänger abgespeckt wurde. Erreicht wurde das durch Außenhautbauteile aus Aluminium. Alle Baureihen und Modelle sollen künftig von „Ultra“ profitieren, von den hochpreisigen bis zu den Massenprodukten wie A3 und A4. „Wenn sich unsere Philosophie durch das gesamte Fahrzeug zieht – und das ist unsere Planung für die nächsten Jahre – dann werden Audis richtig leicht.“

Karl Durst ist Leichtbau-Botschafter aus Überzeugung

Durch seinen Wechsel nach Ingolstadt ist der junge Ingenieur wieder in Thalmannsfeld angekommen. „Ich habe geheiratet, mein Elternhaus umgebaut und pendle täglich die etwa 40 km zur Arbeit.“ In seinem Heimatort spielt Natur eine ganz wichtige Rolle: Man lebt darin und häufig davon. „Ich will Fahrzeuge leichter machen und Ressourcen nachhaltig schonen, damit uns Mobilität erhalten bleibt. Und über die Senkung des Fahrzeuggewichts schaffen wir auch CO2-Reduktion.“ Seine Begeisterung für den Leichtbau übertrage sich auf andere. Und trotz Studium in Erlangen und Wisconsin, USA und Promotion ist Durst nicht überheblich geworden. „Neben der Authentizität ist mir wichtig, nie zu vergessen, woher ich komme.“

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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