Daimlers Sternstunde 29.07.2019, 16:03 Uhr

Jubiläum: Motorsport feiert 125 Jahre Autorennen

Das erste offizielle motorisierte Wagenrennen wurde im Juli 1894 auf einer 126 Kilometer langen Strecke in Frankreich ausgetragen. Dieses Ereignis legte den Grundstein des Motorsports, der sich dank des Automobilingenieurs Gottlieb Daimler rasant weiterentwickelte.

Schwarz-weiß Bild eines Wagens mit der Nummer 65 auf Kopfsteinpflaster. Vier Herren sitzen darin

Der Peugeot von Albert Lemaître startete mit einem nach Daimler-Lizenz gefertigten Motor in das Autorennen von Paris nach Rouen.

Foto: Daimler AG

In den Morgenstunden des 22. Juli 1894 fiel der Startschuss für das erste Autorennen der Geschichte. 21 Fahrer plus einiger Passagiere starteten um 8 Uhr ihre Motoren am Boulevard Maillot, ganz in der Nähe des berühmten Parks Bois de Boulogne in Paris. Der 126 Kilometer lange Streckenverlauf führte von der französischen Hauptstadt über öffentliche Straßen hin zum nord-westlich gelegenen Rouen. Das Spektakel wurde von mehreren Tausend Zuschauern verfolgt, die von überall her pilgerten, um sich das Rennen anzusehen. Allein der Start zog Aufzeichnungen zufolge rund 30.000 Schaulustige in die französische Metropole. Da die Straßen nicht gesperrt wurden, war die komplette Strecke für die Öffentlichkeit zugänglich Zudem wurden die Teilnehmer von zahlreichen Amateuren begleitet, die sich dem Rennen mit mechanisch angetriebenen Vehikeln anschlossen.

Pierre Giffard, der Herausgeber des Le Petit Journal, der damals größten Tageszeitung in Paris, organisierte das Spektakel. Die Zeitung verkaufte damals knapp 2 Millionen Exemplare pro Tag und galt als auflagenstärkstes Blatt der Welt. Um das erste offizielle Autorennen der Geschichte zu gewinnen, brauchte es weit weniger. Der Sieg der Veranstaltung sollte an einen „pferdlosen Wagen“ gehen, der sich während des Rennens durch Sicherheit, Einfachheit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnete.

Daimler-Motor bringt Sieger ins Ziel

Um das Rennen zu gewinnen und die 126 Kilometer erfolgreich meistern zu können, musste also ein effektives Antriebssystem her. Die Auswahl war zu damaliger Zeit jedoch beschränkt. Es gab insgesamt 3 funktionstüchtige KFZ-Antriebsysteme, die um ihren Platz im öffentlichen Ansehen wetteiferten:

  • der Verbrennungsmotor, der damals erst 8 Jahre alt war
  • ein batterieelektrischer Antrieb
  • der Dampfantrieb

Obwohl es in Paris vereinzelt Ladestationen für Elektroautos gab, waren diese auf der Rennstrecke nur spärlich vorhanden. Vor allem fehlte wohl die Zeit, um die Fahrzeuge während des Wettbewerbs komplett aufladen zu können. Der Sieg eines E-Autos war also von Beginn fast ausgeschlossen.

Um 17:40 Uhr schaffte es schließlich das erste Auto ins Ziel. Nur wenige Minuten später folgten 16 weitere Fahrzeuge, die das Rennen erfolgreich beendeten. Zum Abschluss urteilte eine Jury über die Einhaltung der gesetzten Richtlinien für den Wettbewerb. Der Hauptgewinn von 5.000 Goldfranken wurde zwischen den Gewinnern aufgeteilt: den französischen Autoherstellern Panhard & Levassor und Peugeot. Das Preisgeld wäre angesichts des aktuellen Goldpreises vermutlich mehr wert als eine heutige Siegesprämie beim Grand Prix. Beide Fahrzeuge wurden von einem Zweizylinder-V-Motor mit 3,5 Pferdestärken (2,6 Kilowatt) angetrieben und erreichten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gemütlichen 20,5 km/h. In der darauffolgenden Urteilsbegründung betonte die Jury die Innovation von Gottlieb Daimler. In jener hieß es, dass der Daimler-Motor von einem kompetenten Ingenieur aus Württemberg (Deutschland) entwickelt wurde. Der Antrieb wurde aus einem Gemisch von Mineralöl und Benzin bewegt. Zudem wurde erwähnt, dass Daimler während des Rennens in Rouen zugegen war, um die Ergebnisse seiner eigenen Arbeit bestaunen zu können.

Startschuss für eine neue Ära des Rennsports

Im darauffolgenden Jahr wurde die Strecke fast verzehnfacht. Was zuvor noch in Paris startete und in Rouen aufhörte, stellte nun einen Parcours mit einer Streckenlänge von 1.178 Kilometern dar. Die Fahrstrecke startete in Paris, verlief über Bordeaux und endete wieder in der französischen Hauptstadt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Teilnehmer hatte sich innerhalb eines Jahres auf 24,54 km/h gesteigert. Vier Jahre später verdoppelte sich die Siegergeschwindigkeit bereits auf 48,2 km/h.

Immer mehr Stadt-zu-Stadt-Rennen etablierten sich über die folgenden Jahrzehnte hinweg im Motorsport. Das Rennen von Paris nach Rouen im Jahre 1894 legte jedoch als erstes mit fundierten Beweisen dar, dass der pferdelose Wagen eine zuverlässige, motorisierte Mobilitätsalternative darstellte.

Bedeutung des Motorsports für den Individualverkehr

Bereits vor dem französischen Automobilrennen bestand ein Massenmarkt für den Personentransport sowie den Individualverkehr. Noch im Jahre 1900 besetzte Durant-Dort den Platz des weltweit größten und erfolgreichsten Pferdekutschen-Produzenten und verkaufte pro Jahr über 150.000 Equipagen. Er besaß bereits zu dieser Zeit ein effizientes und ausgeklügeltes Produktionsverfahren sowie einen riesigen Abnehmermarkt. Was zuerst als Fahrradboom begann, verwandelte sich bald in eine kollektive Begeisterung für die neuen, motorisierten Fahrgelegenheiten.

Das Auto als wichtigste Voraussetzung für den Motorsport

Der Durchbruch des Automobils wurde ganz klar durch das Wagenrennen 1894 von Paris nach Rouen ausgelöst. Der Beweis, dass auch motorisierte Fahrzeuge beständig sind, kostengünstig hergestellt und erworben werden können, war der Grundstein des Hypes um pferdelose Wagen.

Damit all das allerdings erst möglich gemacht werden konnte, bedurfte es einer viel wichtigeren Erfindung: dem Auto. Ohne die Erfindung des 42-jährigen Ingenieurs Carl Benz am 29. Januar 1886 hätte es das ausschlaggebende Rennen niemals gegeben. Jahrelange Forschung und Experimente waren der Patentanmeldung in Berlin vorausgegangen. Gleichwohl entwickelte Daimler zur selben Zeit unabhängig von seinem Mannheimer Konkurrenten einen Motor. Nur wenige Monate nach der Fertigstellung des Benz-Autos, montierte auch Daimler seinen Prototyp an eine vorgefertigte Kutsche und erfand das erste vierrädrige Automobil der Welt. Ohne die beiden Pioniere Carl Benz und Gottlieb Daimler würde es den Motorsport, wie er heute existiert, wohl gar nicht geben.

Die Begeisterung der allgemeinen Bevölkerung wurde durch die veranstalteten Wettbewerbe für motorisierte Fahrzeuge ausgelöst. Sie sind ganz klar der Grund für die positive mediale und öffentliche Resonanz. Heute zeugen der Grand Prix und die Formel 1 für die rasante Entwicklung des Motorsports.

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Von Silvia Hühn

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