Automobilbau 28.05.1999, 17:21 Uhr

Jaguar faucht wieder in der Mittelklasse

Jaguar will einen Mythos wiederbeleben. Mit der völlig neuen Generation des S-Type sucht die Ford-Tochter den Erfolg in der gehobenen Mittelklasse. Die sportliche Limousine wird mit V6- oder V8-Motor geliefert und kostet in der Basisausstattung 69 000 DM.

Mit dem S-Type verbindet Jaguar ehrgeizige Pläne. Nach der Übernahme durch Ford wurde sechs Jahren lang umstrukturiert, jetzt hofft man, die Früchte ernten zu können. Jaguar-Vorstandschef Nick Scheele spricht von Aufbruchsstimmung. Im vergangenen Jahr konnten insgesamt 50 220 Fahrzeuge verkauft werden. Das bisher beste Ergebnis in der 60jährigen Firmengeschichte sieht er als „ideales Sprungbrett“ für den Neuen. Immerhin muß der S-Type gegen etablierte Konkurrenten wie den Audi A6, die BMW 5er-Reihe und die Mercedes E-Klasse antreten.
Die Briten fühlen sich gut gerüstet. Nach ihrer Ansicht verkörpert der absolute Newcomer „traditionelle Jaguar-Tugenden wie elegantes Styling, kultivierte Leistung, agiles Handling und luxuriöse Ausstattung“. Für den Antrieb des Grundmodells sorgt der erste von Jaguar entwickelte V6-Motor. Er leistet 175 kW (238 PS) und wird mit Schaltgetriebe und in der „Exekutive“-Ausführung mit Fünfgangautomatik geliefert.
Mit dem Sechszylinder spurtet die Limousine von 0 bis 100 km/h in 7,5 s und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 235 km/h. Auffällig ist sein weites nutzbares Drehzahlband der zweite Gang geht locker über die 100-km/h-Marke. Der Norm-Verbrauch (EU insg.) liegt mit 11,1 l/100 km vergleichsweise aber etwas hoch. Noch mehr Dynamik, vor allem beim Durchzug, vermittelt der 203 kW (276 PS) starke V8-Motor, der ausschließlich mit Automatik kombiniert wird. Da faucht die Katze richtig los.
Beide Aggregate bieten neueste Technik, haben vier Ventile pro Brennraum, variable Nockenwellensteuerung und Dreistufen-Schaltsaugrohr. Beide erfüllen die steuersparende D3-Abgasnorm. In Leistung und Drehmoment machen ihnen andere so schnell nichts vor. Volles Temperament ist angesagt. Dem Markensymbol der springenden Wildkatze werden sie gerecht.
Wer maximale Fahrsicherheit möchte, kann gegen Aufpreis das vom Elchtest her bekannte elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ordern, hier heißt es dynamische Stabilitätskontrolle (DSC) und wird leider nur in Verbindung mit Automatikgetriebe für 1840 DM geliefert. Das Fahrwerk stellt allerdings den Fahrer im normalen Umgang vor keinerlei Probleme.
Für sicheres und ausgewogenes Handling sorgen unter anderem die gleichmäßige Gewichtsverteilung, Traktionskontrolle, ABS und geschwindigkeitsabhängige Servolenkung. Das Auto liegt gut auf der Straße und nimmt es beim Fahrkomfort mit den Besten der oberen Mittelklasse auf. Für 4700 DM Mehrpreis bietet Jaguar in Verbindung mit Leichtmetallfelgen (7,5 Zoll x 17 Zoll) das spezielle computergesteuerte Dämpfersystem CATS an. Fahrer und Beifahrer werden durch Front- und Seitenairbags geschützt, die Fond-Insassenschutz müssen auf dererlei vorerst noch verzichten.
Im Innenraum wirkt der S-Type überraschend eng geschnitten. Bereits beim Einstieg fallen der recht knappe Fußraum vorn und die schmale Sitzfläche auf. Nicht zuletzt die mit Schaltern überfrachtete Armaturentafel ist gewöhnungsbedürftig. Inakzeptabel und überaus störend ist, daß die angezogene Handbremse hoch in den Freiraum zwischen Fahrer und Beifahrer ragt. Manches erscheint auch ergonomisch etwas ungeschickt, obwohl der Linkslenker von Anfang an mitentwickelt wurde.
Durch die stark geneigte Frontscheibe steht die B-Säule relativ weit vorn, was derjenige spürt, der den Sitz weit zurückschieben muß. Die Armlehne könnte zum Beispiel etwas höher und länger sein. Einige billig wirkende Kunststoffteile im Innenraum schütten ebenfalls Wermutstropfen in den Wein. Bescheiden ist zudem die Kopffreiheit im Fond und das 370-l-Volumen des flachen Kofferraums.
Der Jaguar-Fan schaut auf andere Dinge, meinen seine Entwickler: auf das edle Holz und Leder, das sich überall breitmacht, auf die noble Basisausstattung, die sich sehen lassen kann – Klimaautomatik, Audiosystem, sensorgesteuertes Fahrlicht, getrennt umklappbare Rücksitzlehnen, elektrische Sitzverstellung und Fensterheber alles inklusive. Zusätzlich gibt es Einparkhilfe, Regensensor und Navigationssystem als Option. Als erstes Auto in seiner Klasse, so Jaguar, kann der S-Type mit einer Sprachsteuerung für Telefon, Audiosystem und Klimaautomatik ausgerüstet werden, ab Modelljahr 2001 auch in deutscher Sprache.
Seit seinem Verkaufsstart in Deutschland, Ende März, freut sich Jeffrey L. Scott, Geschäftsführer der deutschen Importfirma, über die positive Marktentwicklung des S-Type. Will man doch in diesem Jahr noch knapp 3800 Limousinen verkaufen, im nächsten Jahr sollen es 4500 S-Type sein. Jaguar rechnet dabei mit einem Anteil der beiden Sechszylinderversionen von rund 70 %.
An einen eigenen Dieselmotor denkt Jaguar wegen möglicher geringen Nachfrage nach dem S-Type mit Selbstzünder von jährlich 6000 weltweit nicht, der Dieselmotor dürfte in den nächsten Jahren von einem anderen Hersteller, vermutlich von dem jüngsten Ford-Partner Volvo, zugekauft werden.
Mit dem neuen Modell will Jaguar eine Offensive einläuten. Die Engländer hoffen, damit in den kommenden drei Jahren ihren Absatz von zuletzt insgesamt 50 000 Fahrzeugen (1998) bis zum Jahr 2002 auf mehr als 200 000 Autos zu vervierfachen. Als Hauptabsatzländer sehen sie weiterhin die USA und Großbritannien.
INGO REUSS/WOP
Mit dem S-Type knüpft Jaguar im Design an seine klassischen Kompaktmodelle der 60er und 70er Jahre an. Der Newcomer, hier neben dem originalen S-Type saloon, hat starke Konkurrenten, wie Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse.
Edles Holz und Leder gehören selbstverständlich zur noblen, reichhaltigen Basisausstattung des S-Type.

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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