Automobil 18.02.2011, 19:51 Uhr

„Indien ist ein gewaltiger Wachstumsmarkt“

Den Pkw-Herstellern attestiert Carl-Peter Forster, Vorstandsvorsitzender des indischen Automobilbauers Tata Motors, gute Absatzchancen im asiatischen Raum. „Indien ist noch nicht richtig verstanden“, sagte er. Die Autos dort „müssen beim Kauf und im Unterhalt sehr viel preisgünstiger sein als etwa in China“. Aus Kostengründen sei man bei Tata auch zurückhaltend bei der Elektromobilität. Forster: „Elektroautos sind für Kunden in Schwellenländern zu teuer.“

Der „Aufwind“ für die Autoindustrie weht vehement aus Fernost. Nach den Spitzenprogressionen in China werde nun auch Indien nachziehen, meinte Carl-Peter Forster, Vorstandsvorsitzender des indischen Autoherstellers Tata Motors. „Indien ist noch nicht richtig verstanden“ und ist, so Forster, zusammen mit den umliegenden Schwellenländern ein „gewaltiger Wachstumsmarkt“.

Der deutsche Topmanager in indischen Diensten – vor Tata war er Chef von Opel (2001 bis 2004) und General Motors Europe (bis Februar 2010), davor bei BMW – konnte konkrete Zahlen allerdings nicht nennen. Indien entwickele sich zehn Jahre später als China, zwar quantitativ ähnlich, doch qualitativ unterschiedlich.

Anders als in China werden in Indien ganz kleine, sehr preiswerte Autos nachgefragt.“ Laut Forster müssen die Autos „beim Kauf und im Unterhalt sehr viel preisgünstiger sein als beispielsweise in China.“

Aus Kostengründen sei man bei Tata auch zurückhaltend bei der Elektromobilität. „Elektroautos sind für Kunden in Schwellenländern zu teuer“, erklärte Forster dieser Tage am Rande des CAR-Symposiums der Uni Duisburg/Essen. Doch ganz auf moderne Antriebstechnik müsse man nicht verzichten, so komme die Common-Rail-Technik in Kürze.

Der Tata-Chef bezog sich damit auf den Nano Diesel, der im September vorgestellt werden soll. Sein 0,7-l-Zweizylinder (ca. 22 kW) hat eine preiswerte, anders realisierte Common-Rail-Direkteinspritzung (CRDi) von Bosch. „Das geht auch billiger, wie man sieht“, meinte Forster.

Der Tata Nano ist mit einem Basispreis von umgerechnet rd. 1500 € das billigste Auto der Welt. Von dem viersitzigen Kleinstwagen sind seit der Markteinführung 2009 laut Forster rund 90 000 Stück verkauft worden.

Eine Prognose für 2011 mochte Forster nicht abgeben. „Das lässt sich nicht seriös vorhersagen.“ Die Marketing- und Vertriebsanstrengungen gelten zudem nicht nur dem indischen Markt, sondern ebenso den Nachbarländern Sri Lanka, Vietnam und Indonesien. Russland sei dagegen kein Markt für den Nano.

Der Nano hat aber auch Schlagzeilen als „heiße Kiste“ gemacht, denn einige fingen buchstäblich Feuer. „Der Fehler lag nicht an unserem Auto“, versicherte Forster. Schlampige Wartung sei die eigentliche Ursache gewesen. Bei einem verbrannten Nano sei ein ölverschmierter Lappen, den jemand auf dem Katalysator abgelegt hatte, Auslöser des Brandes gewesen, so Forster: „Seitdem wird dort ein Schutzdeckel montiert.“

Tata Motors stellt hauptsächlich Lkw und Busse her und ist in Indien mit einem Marktanteil von 65 % der größte Automobilhersteller. Mit dem Nano setzt Tata im Pkw-Bereich zwar stark auf das unterste Preissegment, doch zur Unternehmensstrategie gehört laut Forster auch die Absatzsteigerung von Autos der ehemals britischen Marken Jaguar und Landrover, die Tata 2008 von Ford gekauft hat.

Mit den Absatzanstrengungen bei den Premiummarken reagiert Tata auf die aktuelle Entwicklung des Marktes, auf dem nicht nur ganz billige, sondern auch ganz teure Autos verstärkt nachgefragt werden. In den Preisklassen dazwischen mischt Tata jedoch kaum mit. „Im Volumensegment ist es extrem schwer, Marktanteile von mehr als 3 % zu bekommen“, erklärte Forster die Zurückhaltung von Tata Motors bei der Herstellung mittelgroßer Pkw.

Die Wirtschaftskrise sei an Indien vorübergezogen, ohne größere Spuren zu hinterlassen. Zudem verfüge das Land über einen großen Pool qualifizierter Arbeitskräfte, betonte Forster. „Die sind jung, zwar noch ohne große Erfahrung, aber gut ausgebildet und sehr lernbegierig.“

Trotz der noch schlechten Infrastruktur erziele Indien 10 %ige Zuwächse des Bruttosozialprodukts, so Forster – obwohl der Großteil der Bevölkerung etwa 2 h Fußweg zurücklegen muss, um eine befahrbare Straße zu erreichen. Derzeit täten sich vor Ort die Zulieferer noch schwer mit dem Wachstum. „Es herrscht noch zu viel Angst vor Überkapazität“, so der Tata-Chef. Die sei allerdings unbegründet, denn „der Produktionsüberschuss wird schon bald weggesaugt“.

Für deutsche Unternehmen sei der Markt eine große Chance. „Wenn wir in den neuen Märkten investieren, stärkt das auch den Produktionsstandort Deutschland“, sagte Forster. Die hiesige Automobilindustrie sei weltweit mit Abstand führend und hoch angesehen. „Mir ist nicht Bange um den Standort Deutschland.“

LARS WALLERANG/WOP

Ein Beitrag von:

  • Lars Wallerang

    Lars Wallerang schreibt als freier Journalist für verschiedene Print- und Onlinemedien wie VDI Nachrichten und ingenieur.de u.a. über Forschung und Lehre, Arbeitsmarktpolitik sowie Technik.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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