Automobil-Trends 16.09.2011, 12:07 Uhr

IAA 2011 zwischen Sachlichkeit und Superlativen

Weltpremieren und Studien präsentieren die Autohersteller auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt vom 15. bis 25. September. Verbrauchsarme wie schluckfreudige Pkw finden das Interesse von Besuchern und Käufern. Elektroautos gibt es meist als Studien zu sehen und Hersteller versprechen mit „Range-Extender“, deren Reichweite in bekannte Höhen zu verlängern. Den neuen Kleinwagen Up von VW wird es auch elektrisch angetrieben geben. Doch bei den Preisen der Elektrifizierung startet der Viersitzer im Dezember mit neuen umweltfreundlichen Dreizylindermotoren.

Die Messe war noch nicht eröffnet, da preschte Audi vor und enthüllte am 11. September in Frankfurt in seiner IAA-Präsentationshalle zwei Versionen der Studie Urban Concept – einen offenen Spyder und eine Art Sportback mit verschiebbarer Glaskanzel à la Messerschmitt-Kabinenroller von 1953. Das 3,20 m lange Fahrzeug wiegt dank Leichtbau mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) und Aluminium 480 kg. In dem 1+1-Sitzer wurde der rechte Sitz um 30 cm zurückversetzt. Angetrieben wird er von einem im Heck positionierten 15-kW-Elektromotor, das Li-Ionen-Batteriesystem (7,1 kWh) ist hinter den Sitzen positioniert. Audi nennt 100 km/h als Höchstgeschwindigkeit und 70 km Reichweite.

Urban Concept ist, wie der Name sagt, für den Einsatz in Ballungsgebieten gedacht. Es zeigt, „wie wir uns die urbane Mobilität schon in naher Zukunft vorstellen könnten“, meinte Audi-Chef Rupert Stadler. Eine „Serienfertigung ist technisch in zwei bis drei Jahren machbar“, ergänzte Entwicklungsvorstand Michael Dick. Allerdings bietet die Studie nicht viel mehr Platz als ein Motorrad mit zwei Sitzen und der Schublade im Heck fürs Gepäck, beansprucht aber mit ihren freistehenden Rädern fast die Verkehrsfläche eines Pkw.

IAA 2011: Concept-Car A2 von Audi geht 2013 in Serie

In Serie geht jedenfalls der Audi A2, der auf der IAA als Concept-Car präsentiert wird, allerdings erst 2013. Der A2 ist laut Stadler „unsere Antwort auf die Ansprüche von morgen“. Der vanartige Pkw erinnert in seinen Proportionen an den Vorgänger. Die 1150 kg wiegende Studie wird von einem quer im Vorderwagen montierten 85-kW-Elektromotor (Dauerleistung: 60 kW max. 270 Nm Drehmoment) angetrieben, der dem 3,80 m langen A2 max. 150 km/h erlauben soll. Die Li-Ionen-Akkus sind im doppelten Wagenboden untergebracht und haben vollgeladen einen Energiegehalt von 31 kWh. Die Reichweite gibt Audi mit 200 km an. Außer an der Steckdose (ca. 4 h) können die Akkus des A2 auch kontaktlos per Induktion geladen werden.

Ein neuer Stern am Himmel der kleinen Autos geht bei VW auf. Mit dem Kleinstwagen Up wollen die Wolfsburger neue Maßstäbe setzen, auch im Preis, der bei 9850 € beginnt. Der 3,54 m messende Up, dessen Marktstart für Dezember geplant ist, erhält zuerst eine neue Generation von 1,0-l-Dreizylinder-Benzinmotoren mit 44 kW und 55 kW Leistung. Sie verbrauchen im EU-Zyklus „insgesamt“ 4,2 l bzw. 4,3 l je 100 km (jeweils weniger als 100 g CO2/km). Eine sparsame umweltfreundliche Erdgasvariante (79 g CO2/km) und eine Elektroversion des Up sollen folgen.

Doch nicht nur der Up gehört zum VW-Konzern, sondern auch Modelle von Bentley und Buggati. Beide Marken setzen auf „Hochleistungstechnik und Ästhetik in Vollendung“, wie es Markenchef Wolfgang Dürrheimer ausdrückte. Beim neuen luxuriösen Bentley-Cabrio New Continental GTC wird sogar feinstes Porzellan sowohl im Interieur als auch im Exterieur verarbeitet.

Die Kraft schöpft das Nobelcabrio aus aus einem 6,0-l-W12-Zylinder (423 kW 700 Nm), der bald den modifizierten 4,0-l-V8-Zylinder erhalten dürfte, der es  im Audi S8 schon auf 382 kW und 650 Nm bringt – und mit Zylinderabschaltung deutlich weniger verbrauchen wird als die jetzigen rd. 17,0 l/100 km im EU-Zyklus.

Lamborghini stellt auf der IAA 2011 das neue Sportwagen-Modell Gallardo vor

Lamborghini verkörpert dagegen „Leidenschaft in Reinkultur“ sagte Marken-Chef Stefan Winkelmann bei der Vorstellung des neuesten Sportwagens Gallardo LP 570–4 Super Trofeo Stradale mit 5,2-l-V10-Zylinder (419 kW 540 Nm). Gleichzeitig ist die italienische Marke „Vorreiter für Leichtbau im Konzern“, wie Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn betonte. Dort heiße das Motto Aluminiumkompetenz und CFK-Fertigung in größerer Serie.

Bodenständiger geht es bei Skoda und Seat zu. Mit der Studie „Mission L“ präsentiert Skoda eine kompakte Stufenhecklimousine, die zwischen Fabia und Octavia angesiedelt ist. Seat zeigt mit der Mittelklasse-Studie IB, wohin die Designreise geht. Porsche legt den 911er neu auf. Der um 10 cm längere Radstand bringt mehr Raum und Komfort. Außerdem wird der Neue, der als Coupé im Dezember startet, leichter, schneller und sparsamer im Verbrauch.

Mercedes-Benz setzt auf die Brennstoffzelle. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sieht den Konzern „auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren verbrauchsoptimierte Diesel und Benziner können letztlich nur eine Durchgangsstation sein“. Das gilt wohl auch für Hybrid- und reine E-Fahrzeuge. Dagegen bietet laut Zetsche die Brennstoffzellentechnologie viele Vorzüge: Getankt wird in 3 min statt in Stunden wie beim Elektroauto. Dazu kommen die Reichweiten bis 400 km, statt nach 100 km wieder an die Steckdose zu müssen, und die große Vielfalt, denn Pkw jeder Größe, sogar Busse und Lkw können mit der Brennstoffzelle fahren. Batterie-elektrisch wäre das schwierig, denn allein die Li-Ionen-Batterie eines 40-Tonners würde 50 t wiegen.

IAA 2011: Linde-Vorstandschef sieht das Ende des fossilen Zeitalters gekommen

Das „fossile Zeitalter geht zu Ende“, betonte Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle auf der IAA. Wasserstoff (H2)sieht er als den Energieträger, der die „größten Potenziale bietet“. Deutschland habe die große Chance, sich als Vorreiter dieser besonders zukunftsträchtigen Technologie zu positionieren und zum Leitmarkt zu werden. Freilich müssen noch eine Reihe von Problemen gelöst werden. Aber es gibt weiteren Fortschritt.

Das in Frankfurt vorgestellte Mercedes-Forschungsfahrzeug F 125 ist ein Elektro-Plug-in-Hybrid, dessen Strom H2-Brennstoffzellen erzeugen und liefern. Die weiterentwickelte Brennstoffzelle hat Daimler mit einer Li-Ionen-Hochvoltbatterie kombiniert, die zusätzlich an der Steckdose oder induktiv aufgeladen werden kann. Die Reichweite von 1000 km wird, so Zetsche, somit mehr als verdoppelt.

Die Großserienfertigung der brennstoffzellenbetriebenen B-Klasse von Mercedes wird laut Zetsche um ein Jahr auf 2014 vorgezogen. Andere Modelle, auch in der Oberklasse, sollen folgen. Plakativ fügt er hinzu, „ist Wasserstoff heute das bessere Öl. Und deshalb ist es Zeit für einen Ölwechsel“.

BMW geht mit der i-Familie „in der Phase des Übergangs zur nachhaltigen Mobilität neue Wege“, betonte BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer auf der IAA. Der rein elektrisch angetriebene Viersitzer i3 werde bereits Ende 2013 in Serie gehen, so Reithofer: „Wird der i3 lediglich mit Strom aus regenerativer Energie gefahren, verbessert sich die CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus um deutlich mehr als 50 % gegenüber einem hoch effizienten herkömmlichen Fahrzeug.“ 

Von Ingo Reuss/Wolfgang Pester

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