Automobilbau 14.07.2006, 19:22 Uhr

Sprit sparen mit Hybridautos

„Wo ist der Hybrid tatsächlich sinnvoll?“ Darüber diskutierten mehr als 900 Fachleute dieser Tage auf dem internationalen VDI-Kongress „Getriebe in Fahrzeugen“ in Friedrichshafen am Bodensee. Es ging auch darum, ob Deutschland in seiner bisherigen Zurückhaltung beim Hybridantrieb hinterherhinke.

ZF-Forschungsleiter Peter Köpf verwies auf die herausragende Position von Toyota. Der japanische Autohersteller habe es geschickt verstanden, die Nische des Hybridantriebs wirkungsvoll zu besetzen und damit ein Technologie-Image aufzubauen.

„Deutsche Unternehmen waren weniger mutig“, resümierte Köpf. Toyota hat in Europa zusammen mit seiner Edelmarke Lexus momentan drei Hybridfahrzeuge im Angebot: den Kompaktwagen Prius, den luxuriösen Offroader RX 400h und neuerdings die Reiselimousine GS 450h. Auch Honda bietet mit dem Civic Hybrid IMA ein Modell mit Mischantrieb an.

In Deutschland sei die Entwicklung zwar nicht völlig verschlafen worden, aber die hiesigen Autobauer müssten sich sputen. Köpf rechnet damit, dass in den kommenden drei Jahre, deutsche Marken ebenfalls Serienhybridantriebe anbieten könnten.

Über den Markterfolg gibt es stark schwankende Vorhersagen, so soll bis zum Jahr 2015 weltweit der Verkauf von bis zu 10 Mio. Hybridmodellen möglich sein. Ernst genommen werden die Prognosen. Das zeigt nicht nur die Hybridkooperation zwischen BMW, DaimlerChrysler und GM, auch die Zulieferer sind strategische Allianzen eingegangen, zu den drei größten gehören die von Bosch/Getrag, Siemens VDO/Magna Steyr und ZF/Continental.

Die Kooperationen wollen in absehbarer Zeit eine breite Palette von Lösungen für Komponenten, Module und Getriebe bis hin zum gesamten Hybridsystem anbieten. Nach wie vor gelte in Europa aber weiterhin die Optimierung von Otto- und Dieselmotoren als entscheidender Schritt zur Erhaltung der Mobilität. Darin waren sich die Tagungsexperten einig.

Prof. Dr.-Ing. Bernd-Robert Höhn von der TU München ist davon überzeugt, „dass der Hybrid in Zukunft nicht mehr auf kleiner Flamme gekocht wird. Die wesentliche Frage wird aber sein: Was kostet das alles?“

Höhn benannte zwei Richtungen, die zweifellos die Vorzüge des Hybrids in den Vordergrund stellen: Rational betrachtet sei innerstädtisch mit einer Kraftstoffeinsparung bis zu 20 % zu rechnen. Dies ergebe sich hauptsächlich aus dem Elektroantrieb, der im Teillastbereich für begrenzte Zeit den Verbrennungsmotor ersetze, der Energie-Rückgewinnung beim Bremsen und vor allem durch das Abstellen des Verbrennungsmotors beim Fahrzeugstillstand.

Als zweiten Vorteil dürfe keinesfalls der emotionale Faktor außer Acht lassen werden, der die Beschleunigung bei niedriger Geschwindigkeit durch Addition der E-Motorleistung verbessert (Boost) – bis hin zu einer Verdoppelung dank Boost-Effekt. Höhn betonte die Machbarkeit von Otto- und Diesel-Hybriden. Letztere stehen in der seriennahen Entwicklungsphase bei PSA. Der französische Konzern will erklärtermaßen bis zum Ende des Jahrzehnts Pkw wie die aktuellen Versuchsträger Peugeot 307 und Citroën C4 in Diesel-Hybridversion auf den Markt bringen.

Höhn begrüßte die Entscheidung für einen Diesel-Hybrid, da er hinsichtlich des Verbrauchs und der CO2-Emissionen einen ottobetriebenen Hybridantrieb unstrittig übertrumpfe. Allerdings sei aus ökonomischen Gründen ein solches Projekt durchaus fragwürdig, da der Diesel von vornherein teurer und schwerer sei als ein vergleichbarer Benziner. Die Gretchenfrage laute: Akzeptiert der Kunde den Mehrpreis? Angepeilt ist eine Summe, die der heutigen Differenz von Otto- und Dieselmotoren entspricht.

In Europa werden sich unterschiedliche Hybridsysteme durchsetzen, meinen Höhn und Köpf – in erster Linie ein milder Hybrid, der sich ohne großen Aufwand die innerstädtischen Verbrauchsvorteile mit Start/Stopp-Automatik (Starter/Generator) zu Eigen machen werde. Obendrein sei die auch Parallelhybrid genannte Technik, die auf vorhandenen Getriebekonzepten aufgebaut werden kann, aus finanziellen Gründen sinnvoll.

Um Erfolg versprechende Veränderungen zu bewirken, müsse laut Höhn die Marktdurchdringung vor allem in der unteren Mittelklasse funktionieren: „Wenn wir so weitermachen und die Hybridtechnik nur als grünen Mantel für die schweren Allradler benutzen, halte ich dies für äußerst riskant.“

VDI-Berichte 1943: Getriebe in Fahrzeugen 2006. Tagungsband mit CD-ROM zur gleichnamigen Veranstaltung am 27./28. Juni 2006 in Friedrichshafen. Fachlicher Träger: VDI-Gesellschaft Entwicklung Konstruktion Vertrieb. VDI Verlag, Düsseldorf, 2006. ISBN: 3-18-091943-4 992 S., 701 Abb., 34 Tab.. 159,00 €.

 

Von Gundel Jacobi/Wolfgang Pester

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