Portrait einer Powerfrau 04.05.2020, 09:11 Uhr

Hildegard Müller fordert schnelle Einigung bei der Autokaufprämie

Der Vorstand des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hob Hildegard Müller einstimmig in das Amt der Präsidentschaft. Seit Februar 2020 geht sie dort ihren Aufgaben nach. In der Debatte um Autokaufprämien drängt die Präsidentin auf eine schnelle Entscheidung der Politik. Sie fordert eine breite Förderung.

Straßenbild in Smart City

Foto: panthermedia.net/Farzin Salimi

Hildegard Müller steht für Kaufprämie ein

Die Präsidentin des VDA, Hildegard Müller, fordert in der Corona-Krise eine schnelle Entscheidung der Politik über Kaufprämien. Müller sagte der „Welt am Sonntag“, es müsse zeitnah entschieden werden, damit es Klarheit im Markt gebe. Bis Anfang Juni begrüße Müller eine Entscheidung.

Der Verband wünscht sich eine „breite Förderung“ sowohl von Elektro- und Hybrid-Autos als auch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.  „Sobald eine Debatte stattfindet, ob der Staat mit einer Kaufprämie hilft, warten die Verbraucher natürlich ab, bis die Prämie tatsächlich kommt“, sagte Müller. VW-Chef Herbert Diess sprach sich ebenfalls aus, alle Antriebsarten zu fördern.

Dagegen lehnt SPD-Chef Norbert Walter-Borjans staatliche Hilfen ab.  „Die Auto-Konzerne sollen zuerst einmal auf die satten Gewinne der vergangenen Jahre zurückgreifen, bevor sie nach den Steuerzahlern rufen“, sagte Walter-Borjans dem Wirtschaftsmagazin „Business Insider“.

Die Bundesbürger reagieren gespalten, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Verkaufsplattform mobile.de zeigt: 47 % der Befragten würden eine Prämie befürworten. Dagegen sagen 38 %, dafür sollten keine Steuergelder ausgegeben werden.

VDA blickt auf mehr als 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück

Der VDA ist einer der größten Lobbyverbände Deutschlands. Mehr als 600 Unternehmen aus allen Bereichen der Autoindustrie gehören dieser Interessengemeinschaft an. Darunter befinden sich nicht nur Hersteller international bekannter Fahrzeugmarken, sondern auch viele Vertreter des Mittelstands. Der Verband kann auf mehr als 100 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Bisher bekleidete allerdings nur eine Frau das Präsidentenamt. In der Zeit von 1989 bis 1996 besetzte die Juristin und Managerin Erika Emmerich diesen Posten. Hildegard Müller wird demnach die Zweite sein, die an der Spitze des Verbands amtiert und die Interessen der Automobilindustrie vertritt. Damit ist auch die Nachfolge des bisherigen VDA-Präsidenten Bernhard Mattes, ehemaliger Ford-Manager, geklärt, der bereits überraschend auf der IAA 2019 seinen vorzeitigen Rücktritt zum Ende des Jahres ankündigte und seine reguläre Amtszeit von 4 Jahren nicht einhalten würde.

Von der Politik in die Wirtschaft: Eine eher ungewöhnliche Laufbahn

Die 52-Jährige wurde in Rheine im Münsterland geboren und absolvierte nach dem Abitur 1987 eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Dresdner Bank in Düsseldorf. Im Anschluss daran folgte das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität, welches sie erfolgreich durchlief und mit dem Abschluss Diplom-Kauffrau beendete. 1995 kehrte sie zur Dresdner Bank zurück und bekleidete fortan die Stelle der Abteilungsdirektorin. Müller engagierte sich auch in der Politik bei der CDU/CSU-Nachwuchspartei Junge Union. Dort übte sie von 1998 bis 2002 den Posten als bis jetzt einzige Frau, der Bundesvorsitzenden aus. Während dieser Periode war sie zeitgleich stellvertretende Landesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union in Nordrhein-Westfalen. Von 2002 bis 2008 ist Hildegard Müller ein Mitglied des Deutschen Bundestags gewesen. Ende 2005 rief Bundeskanzlerin Angela Merkel sie sogar ins Kanzleramt, in dem die Managerin als Staatsministerin und Beauftragte für Bund-Länder-Koordination fungierte. Im Anschluss an die politische Tätigkeit übernahm sie als Lobbyistin 2008 die Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), bei dem sie bis 2016 tätig war. Darauffolgend wechselte sie zur Energieversorgungsunternehmen-RWE-Tochter innogy SE und trieb dort vor allem den Ausbau und die Digitalisierung der Netze sowie den Aufbau einer E-Mobilitäts-Ladeinfrastruktur voran. Ihr Amt verlor sie, wie viele andere Vorstandsmitglieder auch, durch die Integration des Energieversorgungsunternehmens an den Konzern Eon. Müller strebte eine Kandidatur als Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Düsseldorf bei den Kommunalwahlen 2020 für die CDU an. Letztendlich entschied sie sich aber doch für die Präsidentschaft beim VBA.

Hildegard Müller

Porträt von Hildegard Müller, neue VDA-Präsidentin.

Foto: VDA

 

Im Zeichen des Wandels

Neben der ehemaligen Staatsministerin kamen auch der Ex-EU-Kommissar Günther Oettinger sowie der ehemalige SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel für die Spitzenposition in Frage. Laut eigenen Angaben Siegmar Gabriels sei dies in einer Zeit großer Umbrüche eine spannende und herausfordernde Aufgabe, die Autobranche zu begleiten. Er lehnte diese Stellung nach reiflicher Überlegung und aufgrund anderer Aufgaben jedoch ab. Unter dem Aspekt der sofortigen Verfügbarkeit fiel die Wahl trotz anfänglicher Skepsis auf Hildegard Müller. Der VDA wolle damit ein Zeichen setzen. „Wir freuen uns, mit Hildegard Müller eine erfahrene Managerin als VDA-Präsidentin gewonnen zu haben“, erklärten die VDA-Vizepräsidenten Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Arndt Kirchhoff, CEO der Kirchhoff Automotive Holding. Die mächtigste Autolobbyistin Deutschlands wird sich ab kommendem Februar verschiedenen Herausforderungen widmen müssen, um eine neue Strategie zu entwickeln. Gerade in den letzten Jahren hatte die Automobilbranche immer wieder mit heftigen Rückschlägen zu kämpfen. Essentielle Fragen können bisher nicht geklärt werden, was zu diversen Differenzen unter Fachkundigen der Branche führt. Deshalb ist es wichtig, dass der Fokus vor allem auf die Punkte Klimapolitik, eine mögliche Disruption der Automobilbranche und die Abhängigkeit anderer Länder, wie zum Beispiel China, liegt. Die künftige VDA-Präsidentin ist sich aber sicher, dass die deutsche Automobilindustrie auch weiterhin weltweite Maßstäbe setzen wird, solange Forschung und Entwicklung für noch mehr Komfort und Sicherheit auf den Klimaschutz abzielen und die Digitalisierung nutzen.

Diese Studie dürfte Hildegard Müller definitiv freuen, denn Deutschlands Automobilkonzerne liegen an der Spitze.

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