Zulassungen für Dr. Pley und Baumot 30.10.2019, 09:33 Uhr

Diesel-Fahrer können ihre Autos jetzt nachrüsten lassen

Fahrer von Diesel-5-Fahrzeugen der Hersteller Volvo, BMW, Daimler und VW können aufatmen. Ihre Fahrzeuge kommen in den Genuss der ersten vom Kraftfahrbundesamt zugelassenen Systeme zur Abgasnachbehandlung.

Mann beugt sich über Diesel-Motorblock

Foto: panthermedia.net/khunaspix

Alles begann im Jahr 2015 als bekannt wurde, dass VW die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge manipuliert hatte. Es folgten weitere Veröffentlichungen, Rücktritte und Fahrverbote – der Dieselskandal nahm seinen Lauf. Bis heute allerdings ist unklar, wie den eigentlich Betroffenen geholfen werden kann. Den Haltern von Dieselfahrzeugen wurden Umtauschprämien und Softwareupdates angeboten, ein schwacher Trost für betrogene Autokäufer. Lange warteten sie deshalb auf eine Zulassung von Hardware zur Abgasnachbehandlung. Nun, 4 Jahre nach Beginn des Dieselskandals, ist es so weit: Das Kraftfahrtbundesamt hat dreimal die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für NOx-Minderungssysteme zur Nachrüstung von Pkw erteilt. Weitere dürften folgen. Wir schauen uns die Systeme und die Begünstigten einmal genauer an.

Dr. Pley darf Volvo, BMW- und Daimler-Modelle nachrüsten

Ende Juli/Anfang August erhielt die Dr. Pley SCR Technology GmbH aus Bamberg als erstes Unternehmen in Deutschland zwei ABE. Hinter der ABE-Nummer 17309 versteckt sich das Glückslos für die Halter von Volvo-Fahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 5. Die ABE mit der Nummer 17310 gilt für Euro-5-Fahrzeuge der Daimler AG. Die Fahrzeuge sollen nach dem Einbau des Dr.-Pley-Katalysators wenige als 270 Milligramm NOx pro Kilometer emittieren und damit nicht mehr von Fahrverbot betroffen sein.

Anfang Oktober folgte eine dritte Allgemeine Betriebserlaubnis – diesmal für Dieselfahrzeuge von BMW. Die Münchner raten BMW-Fahrern allerdings von einer Nachrüstung durch Dr. Pley ab. Deren Geschäftsführer Martin Pley ärgert sich über das „Kindergartenspiel“ von BMW. Offiziell werden folgende Fahrzeuge von den bisherigen Zulassungen für Dr. Pley abgedeckt:

ABE-Nr. 17309 ABE-Nr. 17310 ABE-Nr. 17314
Zulassung erteilt am 26.7.2019 6.8.2019 2.10.2019
Fahrzeughersteller Volvo Daimler AG BMW
Modelle u.a. XC60, XC70, S60 und V60 C220/250cdi, E220/250cdi, GLK220 cdi, V220 cdi 320d, 520d, X1 18/20d, X3 20d, uvm.
Schadstoffklasse Euro 5 Euro 5 Euro 5
Baujahr 2008-2017 2008-2017 2007-2015
Motor R5 OM651 R4
Hubraum 1.984 cm³ und 2.400 cm³ 2.143 cm³ 1.995 cm³
Motorennennleistung 70 kW bis 169 kW 70 kW bis 150 kW 85 kW bis 160 kW

Wie die Hardware von Dr. Pley funktioniert und woraus das Nachrüstset besteht, erfahren Sie hier.

Twintec Baumot darf VW- und Daimler-Dieselfahrzeuge nachrüsten

Mitte August erteilte das Kraftfahrtbundesamt die erste Allgemeine Betriebserlaubnis für Nachrüstlösungen der Baumot Group AG aus Königswinter. Mit ihrem BNOx-System der Twintec Technologie GmbH dürfen seither Fahrzeuge des VW-Konzerns nachgerüstet werden. Damit hatte das KBA den Startschuss für die Produktion des BNOx-Systems gegeben, die mittlerweile erfolgreich angelaufen ist. „Die Auslieferung der ersten BNOx-Systeme wird wie geplant noch in dieser Woche erfolgen“, sagte Vorstandsmitglied Stefan Beinkämpfen Ende Oktober.

Neben reinen VW-Modellen dürfen auch Modelle der VW-Töchter Audi, Skoda sowie Seat mit der Baumot-Hardware zur Abgasnachbehandlung ausgestattet werden. Wie das System funktioniert, haben wir im Artikel „So wird aus einem alten Diesel ein sauberes Auto“ aufgeschrieben.

Ende Oktober erhielt die Nachrüstlösung von Baumot schließlich auch eine Zulassung für Daimler-Fahrzeuge. Die entsprechenden Systeme sollen noch bis Ende des Jahres zur Verfügung stehen. Rund 50 Modelle des Stuttgarter Konzerns dürfen damit nachgerüstet werden. Der Daimlerkonzern beteiligt sich an den Kosten der Nachrüstung mit bis zu 3.000 Euro pro Fahrzeug – allerdings nur in Schwerpunktregionen. Mehr zu dem Zuschuss und wo man ihn beantragen kann.

ABE-Nr. 17313 ABE-Nr. 17315
Zulassung erteilt am 15.8.2019 25.10.2019
Fahrzeughersteller VW Daimler
Modelle VW Passat, Touran, Tiguan, Polo / Audi A1, A2, A3, A4 / Skoda Octavia, Fabia / Seat Leon, Ibiza, uvm. Mercedes A-Klasse, B-Klasse, C-Klasse, E-Klasse, GLK, uvm.
Schadstoffklasse Euro 5 Euro 5

 

Weitere Nachrüster

Neben Baumot und Dr. Pley stehen weitere Anbieter von Nachrüstlösungen in den Startlöchern. Dazu zählen u.a. Oberland Mangold GmbH aus Eschenlohe südlich von Starnberg und die HJS Emission Technology GmbH & Co. KG aus Menden im Sauerland. Der Filterspezialist HJS hat bereits Zulassungen für die Nachrüstung von Kleintransportfahrzeugen. Zu den Modellen, die HJS nachrüsten darf, zählen der Mercedes Sprinter, der VW Crafter sowie der VW T5 mit 2, bzw. 2,5-Liter-Dieselmotor.

Sie alle bemühen sich um Betriebserlaubnisse für ihre Lösungen während die Politik zeitgleich an der Anpassung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) arbeitet. Immerhin bedürfen nachträglich eingebaute Komponenten im hochkomplexen System Auto eines rechtlichen Rahmens. Die Systeme zur Abgasnachbehandlung dürften also wie ein Partikelfilter in den Fahrzeugschein eingetragen werden.

Wer zahlt die Zeche?

Dass nun zertifizierte Lösungen für die Abgasnachbehandlung von Dieselfahrzeugen zur Verfügung stehen, ist erfreulich. Doch wer zahlt das benötigte Equipment und den Einbau eigentlich? Bei Baumot rechnet man mit einem Arbeitsaufwand von etwa 4 bis 5 Arbeitsstunden, um das BNOx-System fachgerecht einzubauen und zu installieren. Die Kosten sollen sich auf rund 2.000 Euro belaufen. Dr. Pley kalkuliert für den Einbau seines Systems mit einem Arbeitsaufwand von 3 Stunden und Kosten von  3.000 bis 3.500 Euro.

Bis zu einer Höhe von 3.000 Euro übernehmen einige Hersteller die Kosten. Diese Zusage gaben etwa VW, Daimler und Mercedes für Schwerpunktregionen, wie sie auf dem Dieselgipfel 2017 festgelegt wurden. Fällt die Rechnung höher aus, dürften die Halter auf dem Schaden sitzen bleiben. Volvo und BMW haben bisher gar keine Zusage gemacht, sich an den Kosten für eine Abgasnachbehandlung zu beteiligen.

Mehr Informationen zur Anmeldung einer Hardwarenachrüstung sowie den Voraussetzungen für einen Zuschuss des Fahrzeugherstellers erhalten Halter von Dieselfahrzeugen hier:

Welche Vorteile hat eine Nachrüstung für Autobesitzer?

Eine weitere Frage, die noch beantwortet werden muss, ist die nach der Einstufung der umgerüsteten Dieselfahrzeuge. Steigen Autos mit einer nachträglich eingebauten Hardwarelösung zur Abgasnachbehandlung automatisch in die nächsthöhere Schadstoffklasse auf? Wohl eher nicht. Sind die Halter von Dieselfahrzeugen also weiterhin von Fahrverbotszonen betroffen, obwohl sie einen Dr.Pley-, bzw einen Baumot-Einbau in ihrem Fahrzeug haben? Auch das dürfte nicht die Lösung sein. Wie die allerdings aussieht, ob es eine Positivliste mit den Kennzeichen nachgerüsteter Pkw geben wird oder ob sich doch die blaue Plakette durchsetzen wird, ist derzeit noch völlig offen. Ebenso die Fragen wer haftet, mit wie viel Mehrverbrauch die Halter rechnen müssen und was das für den CO2-Ausstoß bedeutet.

Weitere Informationen:

Wie die Systeme funktionieren, haben wir im Artikel „Private Nachrüster zeigen, wie Altfahrzeuge zu Euro 6 aufschließen sollen“ beschrieben.

Über die Schwierigkeiten der Hardwarenachrüstung haben wir Anfang des Jahres mit Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen um Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gesprochen. Warum er Softwareupdates und Umtauschaktionen präferiert und welche technischen Details es Nachrüstern besonders schwierig machen, erfahren Sie im Artikel „Warum es so bald keine Hardwarenachrüstung für Diesel-Pkw geben wird“.

Fahrverbote – wo sie gelten, wo sie drohen und wie es so weit kommen konnte

Streitbare Grenzwerte – zur NOX-Debatte können Sie sich bei uns in diesen beiden Beiträgen informieren:

Schadstoffklassen für Dieselfahrzeuge

Schadstoffklassen geben an, wie viel Schadstoffe ein Fahrzeug ausstößt. Je nach Emissionsmenge werden sie Fahrzeuge in Klassen unterteilt, die wiederum in der europäischen Abgasnorm aufgeführt sind. Sie reichen von 1 bis 6d. Fahrzeughalter können die Schadstoffklasse ihres Wagens aus der Schlüsselnummer im Fahrzeugschein auslesen. Auf der Umweltplakette wird man dagegen nicht fündig.

Die Euronorm legt dabei die Grenzen für folgende Schadstoffe fest:

  • Kohlenstoffmonoxid (CO)
  • Stickstoffdioxid (NOx)
  • Kohlenwasserstoffe (HC)
  • Nichtmethankohlenwasserstoffe (NMHC)
  • Feinstaub
  • Rußpartikel

Die genauen Grenzwerte können auf den Seiten des Umweltbundesamtes unter dem Stichwort „Grenzwerte für Schadstoffemissionen von Pkw“ eingesehen werden.

Schadstoffklassen Plakettenfarbe Testzyklus EU-Verordnung
Euro 00 Autos ohne Schadstoffklasse, nicht schadstoffarm
Euro 1 keine Plakette NEFZ* 91/441/EWG
Euro 2 NEFZ* 94/12/EG
Euro 3 NEFZ 98/69/EG
Euro 4 NEFZ 98/69/EG
Euro 5a NEFZ 715/2007
Euro 5b NEFZ 715/2007
Euro 6b NEFZ 715/2007
Euro 6c WLTC** 715/2007
Euro 6d-TEMP WLTC 715/2007
Euro 6d WLTC 715/2007
*NEFZ: Neuer Europäischer Fahrzyklus

** WLTC: Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Cycle

Übrigens: Für Busse und Lkw ab 3,5 Tonnen gelten Schadstoffklassen mit römischen statt lateinischen Ziffern.

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