Automobil 03.08.2001, 17:30 Uhr

Großer Auftritt für (relativ) kleines Geld

Kaum ein Sportereignis zieht so viel Interesse auf sich wie die Formel 1 – insbesondere, seitdem es mit dem „Bruderkrieg“ von Ralf und Michael Schumacher eine besondere Note gewonnen hat. Damit wird jedes Rennen auch ein Fest für die Sponsoren.

Was hat Ralf Schumacher eigentlich da Gelbes am Helm? So auf Kinnhöhe, dass man es kaum noch sieht, wenn er im Cockpit sitzt?

Nur wenn man weiß, wo man hinschauen muss, erkennt man, was da auf gelbem Grund am Helm steht: Accenture.­ Mit 75 000 Mitarbeitern ist Accenture, ehemals Anderson Consulting, eine der größten Unternehmensberatungen der Welt.

Damit ist Accenture, wie Nortel oder Compaq, Sponsor des Formel-1-Teams von BMW-Williams. Doch so so leicht zu übersehen der Auftritt von Accenture auf der Rennstrecke ist, so unübersehbar ist er neben der Bahn.

Den Sponsoren und ihren Gästen wird bei solchen Rennen manches leichter gemacht. Während die Fans in ihren überwiegend roten Hosen und T-Shirts in Hockenheim durch endlose Laufkäfige zu ihren Plätzen geleitet werden, vorbei an Zeltstädten, in denen die ganz harten „petrol heads“ ihr Wochenende in der brütenden Hitze verbringen, können die Sponsoren bis fast an die Rennstrecke heranfahren.

Noch ein paar Schritte durch die Hitze, man bekommt einen Pass, der die elektronisch gesteuerte Zugangssperre öffnet, und man steht in einer kleinen Oase am Rande der Rennbahn – das Paddock-Club-Village, das Dorf der Sponsoren.

Kunstrasen, Töpfe mit künstlichen Palmen und Blumen, eine Frau mit Kehrblech in der Hand sorgt dafür, dass kein noch so kleines Papierchen lange liegen bleibt. Ein paar kleine Zelte, in denen man sich umsonst massieren lassen oder mit Eiskaffee versorgen kann. Am Rand des Kunstrasens dann die strahlend weißen Pavillons der Sponsoren – Jaguar, Mercedes, und eben Accenture.

Hier werden die Gäste in Empfang genommen, mit kalten Getränken und Informationen über das Rennen versorgt. Einer, der darüber wacht, dass alles rund läuft, ist Martin Gamage, Manager im Global Events-Team von Accenture. Die Frage nach dem eher bescheidenen Auftritt an Ralf Schumachers Kinn und dem großen Auftritt am Rande der Rennstrecke im Paddock-Club-Village überrascht ihn nicht. „Wir haben kein Produkt wie Compaq mit seinen Rechnern, das wir einem breiten Publikum bekannt machen wollen. Wir kennen unsere Kunden.“

 Compaq zählt zu den Hauptsponsoren des BMW-Williams-Teams und prangt deutlich sichtbar an den Rennwagen. Im Paddock-Village aber fehlt ein vergleichbarer Auftritt.

„Unsere Präsenz hier“, so Gamage, „dient deshalb vor allem der der Kundenpflege und der Geschäftsentwicklung.“ So ist der kleine Schriftzug an Schumachers Helm die Bedingung für den großen Auftritt von Accenture in Hockenheim.

Einen solchen Auftritt gönnt sich noch lange nicht jeder Sponsor: Fast 180 Sponsoren gibt es insgesamt in der Formel 1, in Hockenheim waren kaum mehr als zwei Dutzend so vertreten, dass sie auffielen.

In den Pavillons der Sponsoren ist für alles gesorgt: von den Mützen gegen die stechende Sonne, über die Ohrenstöpsel gegen den Motorenlärm bis zum Champagner. Auch die Williams-Fahrer tauchen für kurze Zeit mal im Accenture-Pavillon auf, um Fragen der Gäste zu beantworten – Montoya nach seiner Bestzeit im Qualifying am Samstag eher muffelig, am Sonntag Ralf Schumacher, schon vor seinem Sieg gut aufgelegt.

Über die drei Tage des Rennwochenendes bewirtet Accenture so gut 500 Kunden, Journalisten und eigene Mitarbeiter. Und während am Freitag und Samstag die Gäste noch mit dem Auto zur Rennstrecke gebracht werden, sind am Sonntag, dem Tag des Rennens, 16 Hubschrauber im Einsatz. Unten, auf den Straßen um Hockenheim geht eh“ nichts mehr.

Bei der Frage nach den Kosten für einen solchen Auftritt winkt Gamage nur ab. Aber 30 Mio. DM, so Fachleute wie Helmut Bauer von Sports Marketing Survey, „sind in der Königsklasse erforderlich für Sponsoring und Kommunikation“. Zum Vergleich: Die Lieferung der Motoren für das Williams-Team kostet BMW einen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr.

„Wir zahlen nur eine geringe Summe“, lässt Gamage sich entlocken, „der größte Teil sind Dienstleistungen.“ So hat Accenture, bei Williams schon seit 1995 im Boot, unter anderem den Web-Auftritt des Rennstalls neu gestaltet.

„Wenn es sich nicht lohnen würde, wären wir auch nicht dabei“, bekräftigt auch Carmen Abraham. Sie ist bei Accenture für das deutsche Events-Team zuständig und managt mit ihrem Team am Renntag den Ansturm der Gäste. „Ein solcher Event wird im Detail evaluiert, die Kundenkontakte bewertet.“ Es sind vor allem Vertreter der Führungsebene von Banken, Energieunternehmen und Automobilzulieferern, die Accenture an diesem Wochenende nach Hockenheim eingeladen hat.

Aber auch diesen hochkarätigen Gästen erschließen sich die letzten Geheimnisse der Formel 1 nicht. Als sie vor dem Qualifying durch die Williams-Werkstatt in der Boxengasse geführt werden, bleibt einer von ihnen interessiert vor den zerlegten Motoren stehen. Sofort spürte er einen Finger im Rücken: „Please move on, Sir.“ In einem Geschäft, in dem es, so Rennstall-Chef Frank Williams, über 1 Mio. DM kostet, ein Auto pro Runde eine zehntel Sekunde schneller zu machen, will man selbst bei den Kunden der Sponsoren nicht riskieren, dass ein Industriespion dabei ist. moc

 

Sponsoring in der Formel 1

Dabeisein in der Formel-1-Klasse kostet ein Vermögen: Ferrari soll ein Jahresbudget von 464 Mio. Dollar haben,Sponsoren wie Marlboro sollen bis zu 100 Mio. Dollar pro Jahr investieren. Neue Teams, wie Toyota ab 2002, rechnen mit 100 Mio. Dollar pro Jahr. Sponsoren steigen aber auch aus, wie Telegate oder Red Bull. Geschätzter Umsatz des Formel-1-Zirkus im Jahr: 11 Mrd. DM, davon 1,4 Mrd. DM Sponsoren-Gelder. moc

 

Sicherheit

Die Gefahr lauert am Einstieg ins Cockpit

Auch Routiniers wie Michael Schumacher wunderte es, dass der Auffahrunfall von Luciano Burti letztes Wochenende in Hockenheim so glimpflich abging. Was Burti vermutlich das Leben rettete, war der Monocoque, die Fahrerzelle aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen und Kevlar. Sie ist mit Kosten von gut 300 000 DM nach dem Motor (über 500 000 DM) das teuerste Teil des Rennwagens. Seit dieser Saison ist vorn im Monocoque noch ein mindestens 25 cm dickes Fußpolster angebracht. Zudem sind die Crash-Tests in dieser Saison härter geworden: So muss der Überrollbügel von der Seite bis 5 t aushalten, statt ehemals nur 2,4 t, vertikal 9 t. Die größte Gefahr liegt für den Fahrer darin, dass ihn ein von oben in den Cockpit stürzendes Trümmerteil trifft. Rechts der zerstörte Ferrari von Schumacher.  moc

Von Wolfgang Mock
Von Wolfgang Mock

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