Tests im Sommer 18.05.2015, 14:39 Uhr

Google schickt autonomes Auto erstmals in Straßenverkehr

Jetzt wird es ernst für das Google-Auto: Das selbstfahrende Gefährt soll ab Sommer 2015 auf öffentlichen Straßen rollen. Allerdings doch mit einem Notfall-Lenkrad an Bord. 

Selbstfahrendes Google-Auto auf abgesperrtem Testgelände. Im Sommer muss es im normalen Straßenverkehr zurechtkommen.

Selbstfahrendes Google-Auto auf abgesperrtem Testgelände. Im Sommer muss es im normalen Straßenverkehr zurechtkommen.

Foto: Google, Auto, Testgelände, abgesperrt

Fuhr das kleine Google-Auto bislang nur auf abgesperrten Teststrecken, soll es im Sommer in den richtigen Straßenverkehr dürfen. Das kündigte Projektchef Chris Urmson in einem Blogeintrag an. Zunächst fährt das Gefährt durch die Google-Heimatstadt Mountain View in Kalifornien.

Google hat für die Testfahrten noch einige Modifikationen vorgenommen: Das autonome Auto hat nun doch Lenkrad sowie Gas- und Bremspedal – der vor knapp einem Jahr vorgestellte Prototyp hingegen kam mit einem einzigen Knopf aus. Im Notfall kann der Fahrer also in einen ganz gewöhnlichen Fahrmodus übergehen. Die Ingenieure haben die Höchstgeschwindigkeit zudem auf 40 km/h begrenzt, um bei der Konstruktion auf Airbags verzichten zu können. 

Software des selbstfahrenden Lexus RX450h

Laut Urmson ist das Auto bereit für die Straße: „Wir haben strenge Tests durchgeführt, um sicherzustellen, dass Software und Sensoren in diesem neuen Gefährt verlässlich funktionieren“, schreibt der Projektchef in seinem Blog. Die neuen Prototypen fahren mit der Software, die Google auch schon in der Flotte selbstfahrender Toyota Lexus RX450h testet. „Die Flotte hat fast eine Million autonome Meilen auf Straßen zurückgelegt. Das entspricht der Fahrerfahrung, die ein durchschnittlicher Amerikaner in 75 Jahren sammelt. Die neuen Prototypen können also auf viel Erfahrung zurückgreifen.“

Das Google-Auto orientiert sich mit GPS, Radar, Laser und Kamera.

Das Google-Auto orientiert sich mit GPS, Radar, Laser und Kamera.

Foto: Google

Die Straßentests sollen eine Reihe spannender Fragen klären: Wie beispielsweise wird sich das Auto verhalten, wenn es am Ziel wegen einer Baustelle oder eines Staus nicht halten kann? Und wie wird die kalifornische Bevölkerung auf das selbstfahrende Gefährt reagieren? „Wir freuen uns, mehr darüber zu lernen, wie die Gesellschaft die Vehikel aufnimmt und mit ihnen interagiert“, schreibt Urmson. Ein ungewohnter Anblick sind sie zweifelslos, wenn sie mit GPS, Radar, Laser und Kamera durch die Straßen juckeln.

Bislang waren Google-Autos in elf Unfälle verwickelt

Erst vor kurzem hat Google bei der Flotte selbstfahrender Lexus Bilanz gezogen: Demnach waren die Autos im letzten halben Jahr in elf kleinere Unfälle verwickelt. Es waren unbedeutende Blechschäden, bei denen niemand zu Schaden kam. Für Urmson noch wichtiger: „Nicht einmal war das selbstfahrende Auto der Grund für den Zwischenfall.“ Vielmehr handelte es um menschliches Versagen der anderen Fahrer. Der Computer hat sogar Leistungen vollbracht, die vielen Menschen unmöglich gewesen wären. So erkannte er mit Sensoren zwei Geisterfahrer, die dem Auto im Dunklen entgegenkamen.

Im Google-Auto kommt deutsche Technik zum Einsatz: Motor und Fernbereichs-Radarsensor stammen von Bosch. 

Im Google-Auto kommt deutsche Technik zum Einsatz: Motor und Fernbereichs-Radarsensor stammen von Bosch. 

Foto: Google

Im Google-Auto kommt übrigens deutsche Technik zum Einsatz: Der 32 kg leichte 80-kW-Elektromotor, Leistungselektronik und Fernbereichs-Radarsensor stammen von Bosch. EM-Motive, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Bosch, baut die Komponenten in Hildesheim.

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