Strategiewechsel bei Alphabet 14.12.2016, 12:35 Uhr

Google-Auto fährt ganz autonom zurück in die Garage

Der Internetriese Google hat offenbar die Entwicklung eigener selbstfahrender Autos gestoppt. Zu früh freuen sollte sich die Konkurrenz jedoch nicht: Die Entwicklung von Software und von Assistenz-Systemen geht weiter. Ein erstes Projekt in Kooperation mit Fiat Chrysler soll angeblich bereits Ende 2017 auf die Straße.

Kommando zurück: Google hat offenbar die Entwicklung eigener selbstfahrender Autos gestoppt.

Kommando zurück: Google hat offenbar die Entwicklung eigener selbstfahrender Autos gestoppt.

Foto: Andrej Sokolow/dpa

Klein, rund, knuffig – und jetzt auf dem Abstellgleis? Google hat offenbar die Entwicklung eigener selbstfahrender Autos gestoppt. Das meldete das Silicon-Valley-Branchenmagazin „The Information“. Damit rollen die eiförmigen Zweisitzer zurück in die Garage.

Dabei liefen die Tests durchaus vielversprechend: In den vergangenen sechs Jahren gab es bei den rund 3,7 Millionen autonom auf den Straßen von Austin in Texas und in Googles Heimat Mountain View zurückgelegten Kilometern kaum nennenswerte Unfälle – und an den Remplern, die dann doch passierten, war die Software fürs autonome Fahren meist unschuldig.Warum also „Kommando zurück“?

Weiterarbeit hinter den Kulissen

Der Grund für diese selbst im Vorstand von Google nicht unumstrittene Entscheidung liegt nach Aussage von Branchenkennern zum einen an den Kosten, die eine solche Entwicklung und auch die technische Ausstattung verursachen – wohl zu viel für einen Kleinwagen. Ein weiteres Argument dürfte dem IT-Blog Recode zufolge wohl der Weggang des bisherigen Self-Driving-Projektleiters Chris Urmson sein, der seit Sommer 2016 an einer eigenen Firma bastelt und Software, Daten und Hardware für autonome Fahrzeuge entwickelt. Angeblich wildere er derzeit kräftig unter den Ingenieuren von Apple, Uber und Tesla, um eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, heißt es. 

Selbst fahrender Google-Lexus vor roter Ampel: Bei den meisten Unfällen mit Google-Autos fuhren unaufmerksame Autofahrer von hinten auf.

Selbst fahrender Google-Lexus vor roter Ampel: Bei den meisten Unfällen mit Google-Autos fuhren unaufmerksame Autofahrer von hinten auf.

Foto: Google

Für die Konkurrenz bedeutet das also eher mehr als weniger Wettbewerb – trotz Googles augenscheinlichem Rückzug. Denn selbst wenn Google kein eigenes Auto „zum Anfassen“ auf die Straße schickt, arbeitet die Alphabet-Tochter weiterhin an Self-Driving-Software und -Konzepten sowie an entsprechenden Assistenz-Systemen. Über die Voraussetzungen verfügt Google ja: Große Teile des Konzerns konzentrieren sich schon jetzt auf alle möglichen Aspekte von künstlicher Intelligenz, Robotik sowie natürlich den Umgang mit Daten.  

Flotte von 100 Minivans steht in den Startlöchern

Eingebaut werden soll die Technik dann nicht mehr in eigene Autos, sondern in Fahrzeuge traditioneller Autohersteller: Bereits seit einigen Monaten kooperiert Google mit Fiat Chrysler. Eine erste Prototypen-Flotte von 100 Minivans auf Basis des Chrysler Pacifica, ausgestattet mit Roboterauto-Technik, sei bereits in Arbeit.

Fiat und Google wollen den Chrysler Pacifica in ein autonomes Auto verwandeln. Der Minivan ist ein Hybridfahrzeug, das im gemischten Betrieb eine Reichweite von 850 km hat.

Fiat und Google wollen den Chrysler Pacifica in ein autonomes Auto verwandeln. Der Minivan ist ein Hybridfahrzeug, das im gemischten Betrieb eine Reichweite von 850 km hat.

Foto: Fiat Chrysler

Noch 2017 wolle man den ersten gemeinsamen kommerziellen Fahrdienst mit autonomen Elementen vorstellen, heißt es. Einen internen Namen hat das Projekt auch schon: „Chauffeur“ lautet der Codename derzeit. Möglicherweise mausert es sich Medienberichten zufolge in nicht allzu ferner Zukunft zu einer eigenständigen Alphabet-Tochter. 

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